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Pavard völlig von der Rolle: Kritik von Kollegen, Startelf-Aus, Ärger mit Bayern

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Von: Hanna Raif, Philipp Kessler

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Benjamin Pavard musste zweimal hintereinander von der Reservebank aus zusehen.
Benjamin Pavard musste zweimal hintereinander von der Reservebank aus zusehen. © Sven Simon/imago

Die letzte WM ließ Benjamin Pavard richtig durchstarten. Beim aktuellen Turnier läuft es überhaupt nicht für den Bayern-Verteidiger, der auch im Verein für Unruhe sorgt.

München - Die Grüße aus München kamen unter der Woche vom Chef höchstpersönlich. „Bei uns kann keiner seinen Abgang mit Aussagen einleiten, schon gar nicht in der Öffentlichkeit“, sagte Vorstandsboss Oliver Kahn bei Sky, als er auf Benjamin Pavard angesprochen wurde. Ein weiterer Dämpfer für den beim FC Bayern so unzufriedenen Verteidiger, der zwar mit Frankreich im WM-Achtelfinale steht – aber auch in Doha und im Trikot der „Équipe Tricolore“ alles andere als glücklich ist.

„Mental wie körperlich hat ihm das erste Spiel nicht gutgetan“

Dabei war der Plan des 26-Jährigen für die Zeit in Katar recht durchdacht. In diversen Interviews hatte Pavard vor dem Turnierstart seine Wechselgelüste platziert, die WM 2022 hätte für den bis 2024 an die Bayern gebundenen Weltmeister die große Bühne werden sollen. „Ich habe nichts dagegen, ein neues Projekt zu entdecken“, sagte der Franzose der L’Équipe: „Vielleicht ist es jetzt an der Zeit. Warum nicht ein neues Land, eine neue Kultur entdecken?“

Ob es damit was wird? Die Bewerbungsvideos werden wohl ohne große Sequenzen von der WM auskommen müssen, denn statt auf dem Platz ist sein Stammplatz seit dem durchwachsenen Auftritt beim Auftaktsieg gegen Aus­tralien auf der Bank. Selbst beim unbedeutenden Gruppen-Abschluss gegen Tunesien (0:1) durfte Pavard sich nicht beweisen. Gleich neun Spieler wechselte Nationaltrainer Didier ­Deschamps in der Startelf aus, Pavard schaffte es dennoch nicht ins Team. Stattdessen wurde der Coach im Anschluss so zitiert: „Ich gehe nicht ins Detail, aber er war nicht im richtigen Zustand zu spielen. Mental wie körperlich hat ihm das erste Spiel nicht gutgetan.“

Der so introvertiert wirkende Profi gab ein vollkommen neues Bild ab

Eine Aussage, die Fragen aufwirft – zumal Pavard ohnehin seit mehreren Wochen Rätsel aufgibt. Alkohol am Steuer, dazu der öffentliche Flirt mit dem AC Mailand: Der so introvertiert wirkende Profi gab ein vollkommen neues Bild ab. Wie die L’Équipe schreibt, sollen nun auch die Teamkollegen Pavards Auftritt gegen Australien sehr kritisch gesehen haben. Unter anderem Stürmer Ousmane Dembélé habe über das niedrige Niveau von Pavards Spiel geschimpft. „Ich weiß, dass Benjamin jemand ist, der hart arbeitet und sehr motiviert ist. Ich mache mir keine Sorgen um sein Niveau“, stellte sich Kingsley Coman (26) vor seinen FCB-Kollegen. (Spielplan der WM 2022 in Katar)

Medienberichten zufolge habe Coach Deschamps viele Einzelgespräche mit Pavard geführt, hieß es. Zumindest öffentlich nimmt er ihn aber bewusst aus der Schussbahn. Schließlich ist zuletzt bekannt geworden, dass der Bayern-Star während der Hochphase der Corona-Pandemie an Depressionen gelitten hat. Er war einsam und frustriert. Dabei schien damals zumindest seine fußballerische Welt noch heiler als aktuell. Hanna Raif, Philipp Kessler

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