Was für ein Jahr für die Frauen des FC Bayern

Wörle: "Die Mädels dürfen mächtig stolz sein"

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Thomas Wörle fordert weitermachen im "Roger-Federer-Modus".

FC Bayern München (Frauen) - Die Frauen des FC Bayern München blicken auf ein außergewöhnliches Jahr zurück. Die Spielerinnen befinden sich beständig im Roger-Federer-Modus. Coach Wörle lobt sein Team.

Man mag denken, am Ende eines Jahres, in dem man Meister wurde, ins Pokal-Halbfinale einzog, unter anderem zwei Mal den Champions League-Sieger bezwang und eine Serie von 35 Spielen ohne Niederlage hinter sich hat, sollte die Antwort auf die Frage nach dem Höhepunkt der letzten zwölf Monate etwas Positives sein. Das Frauen-Team des FC Bayern feierte im Mai zum Beispiel an der Seite der Männer oben auf dem Rathausbalkon die doppelte Meisterschaft, schön anzuschauen waren die Protagonisten in ihrer Tracht. Thomas Wörle aber sagt, der Höhepunkt des Jahres sei für ihn die erste Runde in der Champions League gewesen. In erster Linie klingt das masochistisch. Man flog nämlich raus.

Doch Thomas Wörle ist ein Trainer, der sich nicht an der ersten Linie aufhält – er blickt weiter. Das Aus selbst hat ihm auch nicht getaugt, er sieht sie noch heute vor sich, die enttäuschten Gesichter der Spielerinnen in der Kabine. Aber er sagt, mit der Aufarbeitung der beiden Partien sei etwas passiert. „Für mich war das der Knackpunkt im zweiten Halbjahr – da war kein langes Köpfehängenlassen, sondern gleich die Bereitschaft, wieder ranzuklotzen.“ Ein paar Tage später folgte die Trotzreaktion, ein 1:0 über Freiburg. „Da hat man gesehen, wie unglaublich gefestigt diese Mädels inzwischen sind.“

Eine richtige Überraschung war das zwar nicht, denn sein Team hat ihm seinen tadellosen Charakter schon öfter demonstriert. Aber beim K.o. in der Königsklasse handelte es sich um eine Erfahrung, die nicht nur neu war, sondern unter Umständen auch desillusionierend hätte wirken können. Etliche Spielerinnen kamen zu Bayern, um sich dort den Traum vom internationalen Geschäft zu erfüllen. So früh um die Früchte gebracht zu werden, das hätte den Stecker ziehen können. Doch das Gegenteil trat ein. Während die anderen Titelkandidaten strauchelten, gehen die Bayern nun mit zwölf Punkten Vorsprung in die Winterpause. Am Sonntag saßen sie nach der Landung aus Potsdam noch mal auf ihrem Trainingsgelände in Aschheim zusammen. Im kleinen Kreis wurde der Abschied von Katie Stengel und Kristie Mewis gefeiert, und Wörle sagte seinen Spielerinnen, sie sollten die drei Wochen Ferien jetzt nutzen, um sich fallen zu lassen. „Sie dürfen mächtig stolz auf sich sein und einmal genießen. Während der Saison ist ja nie Zeit dazu.“

Auch der Coach freut sich auf ein paar Tage mit der Familie, ehe es am 11. Januar wieder losgeht, unter anderem mit einem Trainingslager in Cadiz. Sein Sohn Fabian (7) und seine Tochter Emilia (4) „sollen mal einen Papa haben, der Zeit hat, der nicht gleich wieder weg muss, der mal mit ihnen spielt“, erzählt er, ein paar Tage in den Schnee will die Familie auch noch fahren. Natürlich kann er aber auch da nicht ganz abschalten. Außer den beiden US-Spielerinnen wird es keine Abgänge geben, aber dafür einen Import aus den USA. Verstärkung für die Defensive. „Mehr passiert vermutlich nicht, wir haben keine Not.“

Wörle imponiert am meisten an seinem Team, dass es „immer gierig geblieben ist. Nach der Meisterschaft habe ich mich schon gefragt: Sind sie jetzt satt? Aber nix dergleichen!“ Geheimnis des Erfolges ist wohl, dass sie sich alle nicht zu viele Gedanken machen über Themen wie Druck oder dass man jetzt als die Gejagten ins Jahr 2016 startet. „Wir haben alle unsere Aufgaben erledigt, und was mir am meisten gefällt, ist diese Beständigkeit“, sagt Wörle, „mal einen Coup landen, das kann jeder – aber danach am Ball zu bleiben, sich immer wieder neu zu motivieren, das ist die hohe Kunst im Sport. Beständigkeit muss das Ziel sein.“

Wörle zieht da gerne das Beispiel Roger Federer heran. Die Tennis-Ikone ist ein Musterbeispiel an Beständigkeit. Wörles Wunsch zu Weihnachten? „Dass die Mannschaft so weitermacht wie seit vielen Monaten.“ Immer weiter, immer weiter im Roger-Federer-Modus. Mit Masochismus hat das nichts zu tun.

Quelle: fussball-vorort.de

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