Er ist eben keine 21 mehr

Ist Xabi Alonso zu alt für eine lange CL-Saison?

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Mal vorneweg, oft hintendran: Xabi Alonso kann als Ballverteiler so wertvoll sein, kommt aber – wie hier gegen Teixeira – derzeit auch öfter zu spät.

Lwiw – "Der Schiedsrichter war eine einzige Katastrophe", sagte Karl-Heinz Rummenigge nach dem CL-Spiel in Donezk. Die Bayern verurteilen die Gelb-Rote Karte gegen Xabi Alonso. Das Problem aber ist ein anderes.

Dass Matthias Sammer am liebsten allen Dingen auf den Grund geht, ist beim FC Bayern kein Geheimnis. Auf das Spiel bezogen äußert sich der Sportvorstand des FC Bayern bevorzugt taktisch-analytisch, darüber hinaus darf es aber auch gerne tiefgründiger werden. So wie in dieser Nacht zum Mittwoch, als er in fast philosophischer Manier sagte: „Manchmal genügen ein, zwei Blicke – und du weißt, wie der andere sich fühlt.“

Der 47-Jährige spielte auf seine Begegnung mit Xabi Alonso an, die sich wenige Augenblicke zuvor in der Kabine zugetragen hatte. Die Augen des Spaniers waren klein, von Enttäuschung gekennzeichnet, auch als er im feinen Zwirn die Arena in Lemberg (Lwiw) in Richtung Flughafen verließ. „Er ist ein Vollprofi, aber er ist ein bisschen traurig“, berichtete auch Sammer von seiner psychologischen Tiefenanalyse. Klar, fügte er hinzu, es gehe „immer weiter im Fußball“. Aber Xabi Alonso hatte sich sein 100. Spiel in der Königsklasse doch anders vorgestellt. Die vorzeitige Beendigung seines Arbeitstages nach einer Gelb-Roten Karte gut 25 Minuten vor dem Schlusspfiff der Nullnummer gegen Schachtjor hatte sein Jubiläums-Plan sicher nicht vorgesehen.

Fast versteinert hatte der 33-Jährige nach seinem dummen Foul gegen Alex Teixeira die Entscheidung von Schiedsrichter Albert Undiano Mallenco aufgenommen und sie auch im Nachgang nicht kommentiert. Es gab aber genug andere, die das übernahmen. „Der Schiedsrichter war eine einzige Katastrophe. Wahrscheinlich hat er gemeint, weil er aus Spanien ist, müsste er besonders gegen Spanien pfeifen“, schimpfte der aufgebrachte Karl-Heinz Rummenigge. Die zweite Gelbe Karte für die Aktion, in der Xabi Alonso seinen brasilianischen Gegenspieler festhielt und zu Fall brachte, sei „keine gewesen“, führte der Klubboss fort und bilanzierte: „Das ist kein Champions League-Format, was der gute Schiedsrichter hier abgeliefert hat.“ Sammer beurteilte die Leistung des Referees als „merkwürdig“.

Die Bayern hatten sich eingeschossen auf den Unparteiischen, der schon das Gruppenspiel gegen Manchester City im Herbst des vergangenen Jahres geleitet hatte. Damals hatte kein Bayern-Spieler die Gelbe Karte gesehen, am Dienstag waren es drei (Rafinha, Jerome Boateng und Bastian Schweinsteiger), dazu der vom Platz gestellte Alonso. Sicherlich: Der Stil von Undiano Mallenco ist gewöhnungsbedürftig, schadete bisweilen auch dem Spielfluss. Die Gelb-Rote Karte für Alonso aber war berechtigt – und zeigt ein ganz anderes Problem auf. Nämlich dass in der zweiten Saisonhälfte diese Spiele kommen, in denen zu merken ist, dass Xabi Alonso nicht mehr 21 ist wie bei seinem Debüt in der Königsklasse 2003. Sondern 33. Ab und an kommt man dann eben zu spät.

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„Schweinsteiger und Alonso auf einer Höhe, das kannst du machen, wenn du defensiv spielen willst, aber das ist dann nicht der FC Bayern“, sagte Ehrenpräsident Franz Beckenbauer. Die Diskussion, ob die beiden Aufbau-Strategen zusammenpassen, wird mit Blick auf Spiele wie dem gegen Donezk in naher Zukunft kein Ende nehmen. Dass Pep Guardiola das vergleichsweise langsame Duo immer wieder zusammen auf den Platz schickt, ist angesichts des Stotterstarts in die Rückrunde kaum nachvollziehbar. Bevor er einen der beiden draußen lässt, riskiert er lieber, dass die Laune von Robert Lewandowski immer schlechter wird. Wie gegen Schalke musste der Pole in Lemberg auf der Bank Platz nehmen. Seine Miene war ähnlich wie die von Alonso.

Beim 8:0 gegen den HSV hatte Alonso wegen muskulärer Probleme pausiert. Das muss man nicht als Zeichen deuten, es ist aber doch auffällig, dass der Glanz, den der edle Ballverteiler bei seinem Wechsel nach München versprühte, nach und nach verfliegt. Die Gegner begegnen Alonso nicht mehr ehrfürchtig, sondern zunehmend frecher. Alonso stößt dann ab und an an seine – sicher auch altersbedingten – Grenzen.

Sammer fand „in Ordnung“, was der Spanier abgeliefert hatte. Er sei aber „auf einem Weg, und er kann noch besser“. Diese Analyse kam direkt aus Alonsos Augen.

hls

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