Neuzugang beim Debüt

Xabi Alonso: Professor im Laborkittel

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Xabi Alonso bei seinem Debüt.

Gelsenkirchen - Xabi Alonso zeigt bei seinem Blitzdebüt, dass er Kunst und Kampf elegant vereint. Doch der "Professor" trägt noch einen Laborkittel.

Es lief die 89. Minute, Xabi Alonso saß seit einer guten Viertelstunde auf der Bank, doch der Neuzugang war weiter mit Eifer dabei. Er klopfte sich auf die Schenkel, unzufrieden, nervös, die Uhr tickte, und auch ein Neuzugang weiß, dass ein 1:1 auf Schalke kaum Münchner Ansprüchen genügt. Der Blick richtete sich hoch, auf den großen Videowürfel über dem Rasen, es würde eng werden. Seinen Lippen war es in dem Moment klar abzulesen: Mierda. Spanisch: Scheiße.

In der guten Stunde, die er zuvor mit seinen neuen Kollegen vom FC Bayern auf dem Platz zugebracht hatte, hatte er bereits angedeutet, dass er nicht allein für königliche Finesse, sondern auch fürs Deftige steht. Der 32-Jährige vereint Kunst und Kampf, auf eine überaus elegante Art. Sein Einstand ließ Luft nach oben, doch angesichts der Tatsache, dass er zuvor gerade einmal 20 Minuten mit den Münchnern trainiert hatte, war es ein bemerkenswertes Blitzdebüt.

Bei Real Madrid nannten sie ihn „Professor“, weil er das Spiel wie eine durchgeistigte Instanz leitete. Bei den Bayern muss er zunächst mal forschen, wie seine Kollegen arbeiten. Auf Schalke trug er quasi einen Laborkittel, doch seine ersten Versuchsreihen lasen sich prächtig: 88 Ballkontakte, die meisten, 90 Prozent seiner Pässe kamen an, die beste Quote, und er lief neun Kilometer, das war die längste Wegstrecke eines Bayern an diesem Tag. Wie selbstverständlich organisierte er in der Zentrale das Umschaltspiel, trat bereits die Freistöße – wie er da so die Kommandos gab, wirkte er, als sei er schon ewig ein Münchner.

Zwei Mal die 5! Bilder & Noten zum Alonso-Debüt auf Schalke

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„Ich beobachte die Bayern und die Liga schon lang“, sagte Xabi Alonso, „ich will jetzt erst einmal ankommen und den Verein richtig kennenlernen. Der FC Bayern bedeutet einen Grund, stolz zu sein, es ist ein Privileg, zu diesem großen Klub zu gehören.“ Seine Kollegen waren angetan, wie schnell er sich bereits akklimatisiert hatte. „Dass Real ihn einfach so abgegeben hat, wundert mich“, meinte Manuel Neuer, während aus Madrid durchsickerte, dass sogar Coach Carlo Ancelotti überrascht vom Wechsel war. „Es war einfach Zeit, diesen Zyklus zu beenden“, sagte Xabi Alonso und präsentierte bereits einige deutsche Vokabeln: „Guten Tag, ich bin Xabi, wie geht’s?“ Er lernt recht schnell, dieser Professor.  

awe

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