Interview vor dem Gastspiel beim FC Bayern

Werder-Kapitän Junuzovic: „Langweiliger Titelkampf? Eine Ausnahmesituation“

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Zlatko Junuzovic spielt seit 2012 für Werder Bremen, verlor bislang alle Duelle mit dem FC Bayern.

Vor dem Gastspiel beim FC Bayern spricht Zlatko Junuzovic von Werder Bremen über den FC Bayern, seine Vertragssituation und über Bald-Bayer Serge Gnabry.

In den letzten sechs Spielen in München gab es für Werder 32 Gegentore.

Zlatko Junuzovic: Es ist wieder ein neues Spiel, eine neue Chance. Natürlich ist es für uns eine große Herausforderung, wir wissen um die Qualität der Bayern. Dennoch werden wir unseren Plan entwickeln und werden versuchen, unsere Chancen zu nutzen. 

Befassen Sie sich noch mit den Ergebnissen der letzten Jahre?

Junuzovic: Natürlich wissen wir, dass der letzte Sieg ein paar Jahre her ist – 2008, glaube ich. Wir wollen das ändern. Die Ergebnisse der letzte Jahren sind Vergangenheit. Es muss natürlich vieles zusammen passen. Wir werden probieren, die Bayern vor Aufgaben zu stellen. Man muss ein gewisses Risiko eingehen, mutig sein und die richtige Körpersprache zeigen.

Der aktuelle Platz 16 würde die Relegation bedeuten. Ist Werders Kader nicht viel zu gut für den nackten Abstiegskampf?

Junuzovic: Wir haben auf jeden Fall die Qualität, unten raus zu kommen. Nur ist es so, dass die Liga sehr ausgeglichen ist. Jedes Spiel ist sehr intensiv und auf einem hohen Niveau. Wir werden jetzt nicht weit in die Zukunft blicken, sondern fliegen nach München und versuchen, das Bestmögliche zu holen. Darauf konzentrieren wir uns, alles andere ist nebensächlich.

„Generell finde ich die Liga sehr stark und ausgeglichen“

Wie stehen die Chancen für Werder?

Junuzovic: Es ist alles drin. Wir haben in jedem Spiel die Chance zu punkten – und wenn wir das tun, kommen wir schneller unten raus. Aber es ist natürlich sehr eng. Der Druck ist enorm, die Erwartungshaltung ist da. Keiner von uns Spielern, keiner von den Leuten im Verein und auch kein Fan will da unten sein. Je früher wir da unten rauskommen, desto besser ist es. Jedes Spiel ist extrem wichtig für uns.

Wie sehen Sie die Situation an der Tabellenspitze: Warum kann keiner die Bayern gefährden?

Junuzovic: Die Bayern haben durch den Trainerwechsel wieder richtig in die Erfolgsspur gefunden. Sie stehen zurecht oben, weil sie die Qualität haben und sich sehr, sehr gute Ergebnisse erspielt haben. Generell finde ich die Liga aber trotzdem sehr stark und ausgeglichen. Es ist in jedem Spiel etwas möglich.

England, Spanien, Frankreich – auch hier scheint der Titelkampf entschieden. Woran machen Sie die Dominanz einzelner Teams fest?

Junuzovic: Das ist jetzt diese Saison so, aber ich glaube nicht, dass es dauerhaft so sein wird. Dann wird wieder Spannung in den Titelkämpfen sein, aktuell ist es eine Ausnahmesituation. Man muss aber sagen, dass die Vereine auch gut arbeiten. Das Momentum für diese Vereine ist da, sie nutzen gewisse Situationen aus. Die Bayern sind in schwierigen Situationen in der Lage, den Schalter umzulegen und zu gewinnen.

„Man kann nicht mehr tun als wir im Moment“

Fehlt dieses Momentum dem SV Werder?

Junuzovic: Natürlich wollen wir für Überraschungen sorgen und eine Serie starten. Man kann im Voraus nicht sagen, dass wir eine Rückrunde spielen werden wie letztes Jahr. (29 Punkte in 17 Spielen, Anm. d. Red). Da hatten wir einen sehr guten Lauf und sind aus dem Abstiegskampf raus gekommen.

Alexander Nouri hatte in der Rückserie viel Erfolg, mittlerweile ist er schon wieder entlassen.

Junuzovic: Trainerwechsel sind nie etwas Schönes, das sind immer schwere Momente. Natürlich verändert sich hier und da auch immer etwas. Ich kann jetzt nur sagen, dass das neue Trainerteam sehr akribisch arbeitet. Sie bereiten uns sehr gut auf die Spiele vor. Wir machen viele Videoanalysen – von uns selbst und vom Gegner. Man kann nicht mehr tun als wir im Moment.

„Momentan liegt mir kein Angebot vor, über das ich nachdenken könnte“

Ihr Vertrag in Bremen läuft aus, so wie der von Robben und Ribéry in München. Können Sie verstehen, dass die beiden nicht bis zum Sommer auf eine Entscheidung des Klubs warten wollen?

Junuzovic: Jeder ist so gestrickt, dass er gerne eine gewisse Sicherheit hätte. Ich bin auch in der Situation, man wird sehen, was passiert. Momentan liegt mir kein Angebot vor, über das ich nachdenken könnte. Ich konzentriere mich jetzt voll und ganz auf den Fußball. Man muss professionell genug sein, dass man sich fokussieren kann und sich nicht zu sehr von den Nebengeräuschen ablenken lässt.

Sie hoffen aber schon auf ein neues Angebot von Werder?

Junuzovic: Ich bin mit meinem Berater im Austausch, der ist mit Frank Baumann (Geschäftsführer, Anm. d. Red) im Austausch. Da werden schon noch Gespräche stattfinden. Ich habe aber keinen Zeitpunkt im Kopf, bis zu dem eine Entscheidung getroffen werden soll.

„Gnabry hat das Potenzial, sich beim FC Bayern durchzusetzen“

Sie haben in Bremen auch eine Saison mit Serge Gnabry zusammengespielt. Hat er Zeug für den FC Bayern?

Junuzovic: Serge ist ein Super-Typ. Er ist außerhalb des Platzes sehr kommunikativ, für jeden Spaß zu haben. Er ist ein richtig guter Junge. Er hat das Potenzial, sich beim FC Bayern durchzusetzen. Er hat die sportlichen Fähigkeiten dafür. Er ist noch jung, er wird sich auch noch entwickeln. Er hat bei uns eine sehr gute Saison gehabt, das Jahr in Hoffenheim tut ihm auch gut.

Sie kennen David Alaba aus der Nationalmannschaft. Wie ist der Austausch vor dem direkten Duell?

Junuzovic: Vor dem Spiel werde ich sicher noch mal mit ihm reden. Manchmal tauschen wir uns über Whatsapp aus. Ich habe mit mich David immer gut verstanden – auch im Nationalteam. Er ist ein ganz ein netter. Nur wird es jetzt Zeit, dass ich auch mal gegen ihn gewinne.

Sie sprechen es an: bisher haben Sie alle neun Spiele gegen Bayern verloren.

Junuzovic: Natürlich will ich das mal beenden. Jetzt ist wieder eine Chance da. Ich würde schon gerne mal gegen David gewinnen, das muss ich auf jeden Fall noch schaffen.

„Es ist möglich, neben dem Fußball etwas zu machen“

Nils Petersen, zwei Jahre Ihr Mitspieler in Bremen, hat neulich gesagt, dass er als Fußballer seit zehn Jahre verblödet. Wie stehen Sie zu dieser Aussage?

Junuzovic: Das ist individuell zu betrachten. Viele machen eine Ausbildung, ich persönlich habe im letzten Jahr eine Management-Ausbildung gemacht. Generell ist es eher als Denkanstoß gedacht. Es ist wichtig, dass man über seine Zukunft nachdenkt und keinen Stillstand erlangt. Es ist wichtig, sich fortzubilden und Ziele zu haben. Es ist auf jeden Fall möglich, neben dem Fußball etwas zu machen.

Wie sah Ihre Ausbildung aus?

Junuzovic: Ich habe das immer am Abend gemacht, habe mich ein, zwei Stunden hingesetzt und gelernt. Natürlich ist das aufwändig, es gibt auch harte Tage, an denen man körperlich erschöpft ist. Jeder ist selbst für sich verantwortlich, wie viel und was er macht. Bei mir ist es so, dass ich das ganze Leben im Fußball bin – das ist meine Leidenschaft, meine Liebe. Ich habe aber auch viel Interesse an dem, was neben dem Fußball passiert. Ich möchte aber in diesem Sport bleiben. Deswegen habe ich auch diese Ausbildung gemacht, ich möchte mich auch in Zukunft in diesem Bereich weiter fortbilden.

Sehen Sie sich eher als Manager oder Trainer?

Junuzovic: Sowohl als auch. Die genaue Position habe ich für mich noch nicht definiert, das wird sich in Zukunft heraus stellen.

Interview: Jonas Austermann

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