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Hoeneß' Appell an die Fans: "Unsere Tür steht offen"

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Protest in der Südkurve. © M.I.S.

München - Bayerns Klubführung kann die neuen Stadionkontrollen gut begründen – die Fans sind dennoch unzufrieden. Die Bosse bemühen sich um Deeskalation, rücken aber nicht von ihrem Standpunkt ab.

Um das Problem einmal besser veranschaulichen zu können, wählte Karl Hopfner einen Vergleich aus einem Bereich, mit dem nahezu jeder was anfangen kann: Straßenverkehr. „Wenn Sie auf einer Landstraße, auf der 100 km/h erlaubt sind, mit 130 km/h aufgehalten werden, können Sie auch nicht einfach sagen, es sei ja alles frei gewesen.“ Soll bedeuten: Regeln gelten. Immer. Denn im Zweifel sind sie sinnvoll.

Das Problem, das beim 6:1 gegen den OSC Lille wieder frisch aufs Tapet gebracht wurde, ist nicht neu. Die Bayern sind bei Champions League-Spielen gezwungen, die Auflagen der UEFA zu erfüllen. In dem Zusammenhang wurde ein neues Einlasssystem geschaffen, das verhindert, dass Fans in Blöcke geschmuggelt werden können, für die sie kein Ticket haben. Am Mittwoch blieb der wichtige Bereich hinter dem Tor in der Südkurve frei, aus Protest. Der Anhang empfindet die verschärften Sicherheitsmaßnahmen als zu scharf. Die Bayern können ihr Vorgehen zwar recht gut begründen, doch man bewegt sich auf einem sensiblen Feld zwischen Vernunft und Frustration.

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Die Klubführung verweist auf ihre Aufsichts- und Haftpflicht. Wenn in einer Kurve mehr Menschen stehen als eigentlich erlaubt, wäre im Falle eines Unglücks die Katastrophe komplett. Hier greift Hopfners Vergleich: Natürlich kann man schneller fahren als erlaubt, solange nichts passiert. Aber wehe, wenn. „Kapazität ist Kapazität“, sagte der Vorstand, „wir mussten handeln und die Kontrollen verschärfen.“ Bis zu 500 Leute mehr als erlaubt seien zuletzt im Block 112/3 gewesen, rechnete Uli Hoeneß vor, „wenn da mal etwas passiert, helfen uns diese Leute nichts – dann stehen wir am Pranger, weil wir unsere Aufsichtspflicht vernachlässigt haben“.

Der „Club Nr. 12“ hatte am Spieltag gegen Lille zu einem Treffen aufgerufen, bei dem die Anhänger beschlossen, die Plätze hinter dem Tor freizulassen. In einer Erklärung äußerte man Verständnis für die Klubführung, sich Sicherheitsauflagen beugen zu müssen, beklagte aber, dass sich der Verein nicht wirklich im Sinne der Fans ins Zeug lege.

Hoeneß sieht bei der Darstellung der „Ultras“ eine „falsche Wahrnehmung“. Der FC Bayern pflege wie kein anderer Erstligist den Dialog mit seinem Anhang. „Unsere Tür steht für einen konstruktiven Austausch stets offen“, so der Präsident, „nur muss sich der Verein an die Gesetze halten. Pyrotechnik ist zum Beispiel einfach nicht erlaubt.“ Karl-Heinz Rummenigge mahnt im Vorwort des Stadionhefts, die Fankultur in Deutschland, „um die wir weltweit beneidet werden“, sei bedroht. „Der Fußball ist ins Visier der Politik geraten“, warnt der Vorstandschef, „wir müssen nun gemeinsam Lösungen finden, die die Politik zufriedenstellen und die von den Fans respektiert werden“. Das sei „ein gewaltiger Spagat – aber wir müssen ihn schaffen, sonst laufen wir Gefahr, dass die Politik Lösungen ohne Einbeziehung des Fußballs findet. Und die würden drastischer ausfallen.“ Kontrollen wie am Flughafen könnten eine mögliche Konsequenz sein.

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Die Bayern verweisen auf den Arbeitskreis Fan-Dialog, in dem Lösungen gemeinsam erarbeitet werden. Der Vertreter des „Club Nr. 12“ habe dort „von sich aus sein Amt niedergelegt – uns einen Mangel an Kommunikation vorzuwerfen, ist eine Umkehrung der Geschichte“, sagte Hopfner. Die Fanvereinigung will nun ein neues Gremium „Südkurvenrat“ einführen.

awe

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