Interview über Ziele, Hoeneß und Finanzen

Basketball-Boss Schels: "Stehen hinter der Sache"

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Regelmäißg voll: Der Audi Dome.

München - Die tz sprach mit FCB-Vizepräsident Rudolf Schels über diese Vorhaben, sein persönliches Zwischenfazit und die Rückkehr vom Vater der Basketball-Abteilung, Uli Hoeneß.

Die Basketballer des FC Bayern blicken auf ein bewegtes Jahr zurück. Da waren die Meisterschaft in der vergangenen Saison, Verletzungssorgen und einige bittere Niederlagen in der laufenden Spielzeit sowie das vorzeitige Aus in der aktuellen Euroleague-Saison. Im neuen Jahr soll alles daran gesetzt werden, den Meister­titel zu verteidigen und im zweitklassigen Eurocup möglichst erfolgreich zu sein. Die tz sprach mit FCB-Vizepräsident Rudolf Schels über diese Vorhaben, sein persönliches Zwischenfazit und die Rückkehr vom Vater der Basketball-Abteilung, Uli Hoeneß.

Herr Schels, jetzt an Weihnachten ist beinahe die Hälfte der Saison rum. Wie sieht Ihr Zwischenfazit aus?

FCB-Vizepräsident Rudolf Schels.

Rudolf Schels: Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass zu Unzufriedenheit kein Anlass besteht. Natürlich sind wir enttäuscht, dass die Euroleague-Top-16 verpasst wurde. Aber das ist längst verarbeitet und vor allem auch zu erklären: Wir hatten einfach viel Pech – gesundheitlich und verletzungsbedingt. Dass wir in der Bundesliga drei Spiele verloren haben, ist meiner Meinung nach kein Beinbruch. Auch wenn Berlin derzeit ungeschlagen an der Spitze der Tabelle steht, heißt das über den Ausgang der Saison noch gar nichts.

Sie haben das Verletzungs­pech bereits angesprochen. Wäre es Ihrer Meinung nach ansonsten möglich gewesen, mit dem aktuellen Kader die Top 16 der Euroleague zu erreichen?

Rudolf Schels: Klar ist, dass wir mit Abstand die schwerste Gruppe hatten. Aber ich bin davon überzeugt, dass wir weitergekommen wären, wenn wir nicht so viele Verletzte gehabt hätten. Die Mannschaft ist meiner Meinung nach hervorragend besetzt. Ich denke schon, dass sie sich im Vergleich zur letzten Saison weiterentwickelt hat und wir uns verstärkt haben.

Wie werten Sie die Aussagen von Trainer Svetislav Pesic, der zuletzt bemängelte, dass nicht ausreichend in den Kader investiert wurde?

Rudolf Schels: Das hat er ja so gar nicht gesagt. Aber ein Trainer muss ehrgeizig sein und immer mehr wollen. Außerdem muss er, um die Spannung zu erhalten, die Ziele möglichst hoch stecken. Insofern kann ich Svetislav Pesic ein Stück weit verstehen, wenn er ein wenig fordernd ist. Ein erfolgreicher Trainer muss fordernd sein. Dass wir allerdings nur im Rahmen unserer Möglichkeiten agieren können, weiß und sagt der Trainer auch. Und unsere finanziellen Möglichkeiten sind nicht nur der Geschäftsführung, sondern auch ihm eingehend dargelegt worden. Insofern ist das eher ein Sturm im Wasserglas.

Ist es wichtiger, zu investieren, um möglichst schnell sportliche Erfolge zu erlangen, oder geht es Ihnen in erster Linie darum, finanziell in den schwarzen Zahlen zu sein?

Volle Unterstützung für die Basketball-Abteilung, vor allem nach dem Titelgewinn 2014.

Rudolf Schels: Wirwollen uns keinen schnellen sportlichen Erfolg erkaufen. Das haben wir im Übrigen schon zu Beginn des Projekts so gehalten, als wir nämlich auf eine Wildcard der BBL verzichteten und uns den Aufstieg sportlich verdienten. Wir wollen gesund wachsen, aktuell heißt das: Entscheidungen und Vorschläge bei der Kaderplanung müssen zu den finanziellen Möglichkeiten passen. Wir haben den FC Bayern Basketball ganz bewusst in eine GmbH ausgegliedert, um diesen Sport langfristig erfolgreich und professionell weiterführen zu können. Sie wurde finanziell großzügig ausgestattet, sodass wir im Notfall einen Spielraum haben. Dass wir am Ende gern eine schwarze Null schreiben wollen, ist klar – wenn wir aber bei personellen Engpässen handeln müssen und die Bilanz deshalb mal nicht ganz ausgeglichen ist, geht die Welt auch nicht unter.

Nach dem Euroleague-Aus wurde noch einmal die Bedeutung der Titelverteidigung in der BBL betont. Was ist, wenn das nun auch nicht klappt?

Rudolf Schels: Wir stehen zu unserem sportlichen Ziel, solche Ansprüche gehören zum FC Bayern. Das heißt aber nicht, dass wir nicht auch mal Zweiter oder Dritter werden könnten. Unsere Welt kann nicht nur dann in Ordnung sein, wenn wir siegen. Misserfolge machen einen stärker, wenn man aus ihnen lernt, das haben wir letzte Saison nach der Pokal-Niederlage erlebt. Diese Einstellung widerspricht also nicht unserem Ziel, die Meisterschaft verteidigen zu wollen.

Herr Schels, wie wichtig ist Ihnen die nun beginnende Teilnahme am Eurocup?

Rudolf Schels: Das kann uns nur weiterbringen. Der Eurocup genießt ein hohes Ansehen und wird von Experten nicht als Verliererwettbewerb abgestempelt. Unsere Motivation ist sehr groß, nun dort erfolgreich zu sein.

Wo steht der FC Bayern in drei Jahren?

Rudolf Schels: Wir wollen auch in drei Jahren ganz oben in der Bundesliga mitspielen. Außerdem möchten wir uns in Europa etablieren und eine Mannschaft haben, die durchgehend die Möglichkeit hat, die Top 16 zu erreichen – um auch mal den nächsten Schritt zu machen. Ich sehe wirklich gute Chancen, dass wir langfristig da hinkommen.

Und dann könnte es noch eine neue Spielstätte geben. In der vergangenen Woche wurde der Bau einer Multifunktionshalle für Eishockey und Basketball genehmigt.

An Stelle der Eventarena soll die neue Mehrzweckhalle entstehen.

Rudolf Schels: Es ist natürlich sehr positiv, was beschlossen wurde. Allerdings müssen wir nun erst einmal abwarten, wie die Verhandlungen mit Red Bull verlaufen. Wir stehen in Kontakt, beschlossen ist allerdings noch gar nichts. Insofern kann ich dazu noch nichts Genaueres sagen. Im Frühjahr werden die Gespräche weitergeführt. Dann muss auch erst einmal geschaut werden, ob sich zum Beispiel unsere Spieltermine mit denen des EHC München vereinbaren lassen.

Zuletzt wurde von einigen Medien festgestellt, dass Sie seltener bei Spielen im Audi Dome seien als noch in der vergangenen Saison. Wie bewerten Sie diese Aussagen?

Rudolf Schels: Es stimmt, ich bin ein paarmal nicht in der Halle gewesen, aber das ist kein Ausdruck von Desinteresse, sondern hatte allein zeitliche Gründe. Da ist ein Eindruck entstanden, der mich gestört hat und auch nicht berücksichtigt, dass ich aufgrund der Veränderungen im Präsidium und nach der Wahl zum 1. Vizepräsidenten zusätzliche Aufgaben übernommen habe. Das ändert nichts daran, dass das gesamte Präsidium nach wie vor zu 100 Prozent den Basketball unterstützt.

Im neuen Jahr kehrt ein ehemaliges Präsidiumsmitglied zurück. Uli Hoeneß tritt nach seiner Haftlockerung eine Stelle in der Jugendabteilung des FCB an. Inwiefern wird er auch beim Basketball involviert sein?

Rudolf Schels: Ich weiß wirklich noch gar nicht, wie da die Abläufe sein werden. Aber wir werden uns hoffentlich bald wiedersehen, und das dann regelmäßig. Und für uns kann es ja nur gut sein, wenn man auch seine Meinung und seinen Rat einholt – das kann jeder nur wollen. Wir möchten ihn aber nicht gleich mit unseren Fragen löchern. Ich freue mich jetzt erst einmal, ihn wiederzusehen. Die Tatsache, dass Uli Hoeneß dann wieder da ist, ist es, die uns bewegt. Wir freuen uns, dass diese Zeit jetzt vorbei ist und er wieder regelmäßig an der Säbener Straße sein wird.

Interview: Lena Meyer

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