Halbfinal-Showdown

Bryce Taylor soll es richten

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Bryce Taylor ist Bayerns konstantester Basketballer. Am Donnerstag soll er zum Schlüsselspieler im Halbfinal-Showdown werden.

München - Bryce Taylor ist Bayerns konstantester Basketballer. Am Donnerstag soll er zum Schlüsselspieler im Halbfinal-Showdown werden.

Manchmal gibt es auch in einem Basketballspiel diese kleinen Momente. Diese Aktionen, die die Dynamik eines Spiels auf den Kopf stellen können. Am Dienstag in Oldenburg wäre Bryce Taylor beinahe ein solcher gelungen. Als der Guard in Diensten des FC Bayern knapp fünf Minuten vor dem Ende Oldenburgs Routinier Rickey Paulding den Ball noch einmal aus den Fingern stibitzte und die eigene Vorlage per krachendem Dunk verwandelte. Aus zwischenzeitlich 19 Punkten Rückstand waren nur noch sieben geworden. Die gelbe Party in der Arena wich plötzlich eisigem Schweigen.

Alleine: Es war nicht der Abend, an dem die Bayern die Situation hätten nutzen können. Am Ende stand eine 60:70-Niederlage, die diese Halbfinalserie endgültig wieder auf Null stellte. Das Wiedersehen heute Abend (19.30 Uhr/Sport1) im Audi Dome muss entscheiden, wer ab Sonntag gegen ALBA Berlin den deutschen Meister ausspielen darf.

Und bei diesem finalen Showdown gegen die Niedersachsen werden die Münchner wieder auf Bryce Taylors besondere Momente setzen. Daran dürften auch die Schulterprobleme kaum etwas ändern, die ihn seit dem letzten Treffen plagen. Weil der 27-jährige Kalifornier sie halt so zuverlässig beigesteuert hat im Verlauf dieser seit Dienstag für die Bayern 70 Spiele alten Saison. Könnte Regisseur Malcolm Delaney seinen Titel als wertvollster Spieler der Saison (MVP) teilen, so sagen nicht wenige, sein 1,95 Meter langer Landsmann wäre wohl erste Wahl. Findet auch Sportchef Marko Pesic: „Dass er ein talentierter Spieler ist, wusste ich. Aber dass er sich bei uns so schnell entwickelt, hätte ich nicht für möglich gehalten.“

Die Münchner hätten für diese Saison gar nicht unbedingt eine so prägende Rolle im Sinn gehabt, als sie Taylor im Sommer an Bord holten. Einen Mann für die kleinen Dinge im Spiel hatten sie sich versprochen. Einen Fleißarbeiter, der den kreativen Kräften den Rücken freihalten kann. Doch sie bekamen einen Allrounder, der eine Defensive führen und gleichzeitig vorne mit feinem Händchen Punkte sammeln kann. „Er ist in beiden Bereichen sehr stark geworden“, sagt sein Trainer Svetislav Pesic, „so etwas ist selten.“

Es scheint, dass Taylor in München endgültig zu seinem Glück gefunden hat. Dort traf er auf einen Trainer, „zu dessen Philosophie ich perfekt passe“, wie er selbst sagt. Und auf einen Verein, mit dem er sich schon identifizierte, bevor er seine Arbeit angetreten hatte. Unmittelbar nach Vertragsunterschrift stattete er sich in Santa Monica mit einer FC-Bayern-Jacke aus: „Weil ich so stolz war, Teil dieses Vereins zu sein.“

Was schon überraschende Töne sind von dem Modellathleten mit den spektakulären Flugqualitäten. Für den einst sogar eine Karriere in der NBA eine reale Option gewesen war. Doch anders als sein Vater Brian (u.a. Denver) entschied er sich für den Schritt nach Europa und gegen die Unsicherheit eines nicht garantierten Vertrages in der Basketball-Traumfabrik. Wobei Taylor keiner jener vielen sportlichen Nomaden ist, die Jahr für Jahr ein neues Engagement in einem neuen Teil des Kontinents annehmen. „Ich wollte mich für ein Land entscheiden und mir dort einen Namen machen“, sagt er. Er wurde in der BBL fündig, nach Engagements in Bonn, Berlin und zuletzt Quakenbrück ist Deutschland „längst meine zweite Heimat geworden“. Und daran dürfte sich so schnell nichts ändern. Bei den Bayern besitzt er noch einen Vertrag für eine weitere Saison.

Wo Taylor übrigens unbedingt nachholen will, was ihm in seiner Karriere bislang versagt blieb: Er will seinen ersten Titel, am liebsten schon in diesem Jahr. Ein Sieg muss dafür her heute Abend gegen Oldenburg. Taylor könnte ihn mit dem ein oder anderen großen Moment selbst wahrscheinlicher machen.

VON PATRICK REICHELT

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