Bayern-Baskets feuern Trainer Bauermann!

München - Paukenschlag bei den Bayern-Basketballern! Knapp eine Woche vor Saisonbeginn trennte sich der Verein am Donnerstagnachmittag von Coach Dirk Bauermann! Der reagierte "tief bestürzt".

„Nach ausführlichen Diskussionen über mehrere Wochen haben sich unterschiedliche Auffassungen über die Führung und Weiterentwicklung der Mannschaft ergeben“, erklärte FCB-Vize Bernd Rauch. „Aus diesem Grund haben wir uns zu diesem für uns alle schwierigen Schritt entschieden.“

Der Trainer, dessen Vertrag bis 2014 läuft, wurde erst am Nachmittag über diese Entscheidung informiert. Der bisherige Assistenztrainer Yannis Christopoulos übernimmt die Position des Chefcoaches. „Der Grund für die Beurlaubung liegt in der unterschiedlichen Auffassung über die zukünftige Entwicklung des Basketballs beim FC Bayern München“, hieß es in einer Pressemitteilung des Vereins. Noch am Vormittag hatte es eine Pressekonferenz mit Dirk Bauermann und FCB-Forward Jan Jagla gegeben - alles war wie immer. Der Trainer gab Auskunft über Führungsspieler, das am Samstag anstehende Testspiel gegen Panathinaikos Athen (17.00 Uhr) und die bisherige Vorbereitung - kein Anzeichen deutete auf die bevorstehende Trennung hin.

Im Anschluss daran traf die tz den Coach in seinem Büro zu einem exklusiven Interview. Gesprochen wurde über die neue Saison, Stärken und Schwächen der Mannschaft und die Ziele für die kommende Spielzeit. Auch hier deutete nichts auf Bauermanns bevorstehenden Abschied hin. Wie der Coach erst im Anschluss des Treffens erfuhr, war es eines seiner letzten Interviews als FC-Bayern-Trainer. Am Abend reagierte Bauermann nur kurz per SMS auf eine Anfrage. „Ich werde nichts sagen können - dass ich zutiefst bestürzt bin, versteht sich von selbst“, schrieb er.

Die 16 Richtlinien des FC Bayern

Sehen Sie hier die 16 "Mia san mia"-Leitsätze zum Durchklicken. © 
01. Mia san ein Verein: Unsere Herkunft, Entstehung und Geschichte liegt in einer gemeinnützigen Idee eines Vereins, die wir bis heute leben. © Quelle: Bayern-Magazin
02. Mia san Botschafter: Durch unser Auftreten im In- und Ausland haben wir ein großes Maß an Verantwortung. Jeder Spieler, Trainer, Manager, Betreuer und Angestellte trägt mit seiner Persönlichkeit nicht nur zum Image des FC Bayern, sondern zu einem Bild des Clubs in der Öffentlichkeit bei. © Quelle: Bayern-Magazin
03. Mia san Vorbilder: Auf und neben dem Platz sind wir Vorbilder für die Jugend. An unseren Werten und wie wir diese leben orientieren sich die Sportler von morgen. © Quelle: Bayern-Magazin
04. Mia san Tradition: Wir haben eine lange und erfolgreiche Geschichte und die Entwicklung des Fußballs maßgeblich mitgeprägt. Darauf können wir stolz sein. © Quelle: Bayern-Magazin
05. Mia san Innovation: Die Verbesserung auf allen Ebenen unserer Arbeit ist unser Ansporn. Ob sportlich, administrativ, technologisch oder zwischenmenschlich, lernen wir täglich dazu und wollen Maßstäbe setzen und Vorreiter als einer der Topclubs der Welt sein. © Quelle: Bayern-Magazin
06. Mia san Selbstvertrauen: Wir gehen in jedes Spiel, um zu gewinnen. Neunzig Minuten spielen wir mutig nach vorne und setzen unser Spiel durch. Wir haben stets das Heft in der Hand. © Quelle: Bayern-Magazin
07. Mia san grenzenlos: Unsere Wurzeln und Werte resultieren aus der Entwicklung unseres Landes. Durch unsere kulturelle Vielfältigkeit und die Erfahrungen, die wir in der täglichen Arbeit mit unseren Spielern machen, verbinden wir unsere Tugenden mit globaler Denkweise und verbessern unser Spiel. © Quelle: Bayern-Magazin
08. Mia san Fußball: Ob alt oder jung, männlich oder weiblich, schwarz oder weiß, ob Champions League oder Kreisklasse, wir sind Fußball zum Anfassen und Mitspielen. Für uns ist die „schönste Nebensache der Welt“ einfach unsere Berufung. © Quelle: Bayern-Magazin
09. Mia san Respekt: Ob Spieler, Geschäftsstellenmitarbeiter, Betreuer, Vorstand, Trainer, Aushilfen oder Präsidium – ohne unseren respektvollen Umgang im Team wären wir nicht auf diesem Weltklasseniveau. © Quelle: Bayern-Magazin
10. Mia san Freude: Wir freuen uns am Spiel, an der Arbeit, am Gewinnen, am Wettbewerb, am Tore schießen, am Zweikampf, an der Gemeinschaft und am Teamgeist. Dies alles treibt uns täglich an. Aber wir akzeptieren auch Niederlagen. © Quelle: Bayern-Magazin
11. Mia san Treue: Über zwölf Millionen Fans bekennen sich allein in Deutschland zum FC Bayern, zehntausende reisen von weit her zu unseren Spielen an. Alles für 90 Minuten Leidenschaft. © Quelle: Bayern-Magazin
12. Mia san Partner: Zu unseren Fans, Fanclubs, Mitgliedern und Sponsoren pflegen wir ein partnerschaftliches Verhältnis. Doch wir wollen darüber hinaus zuverlässige, verlässliche Freunde sein. Wir leben und entwickeln den Sport mit all seinen Facetten zusammen weiter. © Quelle: Bayern-Magazin
13. Mia san Heimat Der FC Bayern München ist überall auf der Welt zu Hause. Doch wir wissen, wo wir daheim sind. © Quelle: Bayern-Magazin
14. Mia san Motor: Die vergangenen Jahrzehnte haben gezeigt, wie viel Energie im FC Bayern steckt. Dies gibt uns allen Selbstvertrauen und ist Motivation für die Zukunft. © Quelle: Bayern-Magazin
15. Mia san Verantwortung: Unserem gemeinnützigen Auftrag werden wir gerecht durch verantwortungsvolles Handeln. Vorbildlich kümmern wir uns um den Menschen. Toleranz, Hilfsbereitschaft und Fairness sind uns Verpflichtung. © Quelle: Bayern-Magazin
16. Mia san Familie: Auch nach einer aktiven Karriere ist unsere Tür für alle offen. Wir stehen ein Leben lang zusammen. © Quelle: Bayern-Magazin
Mia san mia. © Quelle: Bayern-Magazin

Aber wieso entschied sich der Verein zu diesem denkbar schlechten Zeitpunkt für diesen Schritt? Sportdirektor Marko Pesic wollte sich auf Anfrage der tz am Abend nicht mehr genauer äußern. Zunächst einmal müsse die Mannschaft von ihm informiert werden, sagte er. Wie die tz aber aus Insider-Kreisen erfuhr, hatte es zuletzt immer wieder Diskussionen mit Bauermann über dessen sportlichen Führungsstil gegeben. Es sei versucht worden, Lösungen bei der internen Kommunikation zu finden, dies habe allerdings nicht funktioniert.

Außerdem soll es Unstimmigkeiten zwischen Vereinsführung und Bauermann in Bezug auf dessen Reaktion zu nächtlichen Ausflügen einiger Spieler gegeben haben. Ein weiterer Grund soll der sportliche Zustand des Teams sein. Die FCB-Baskets hatten am Wochenende bei einem Vorbereitungsturnier im Audi Dome deutlich gegen Moskau und Kaunas verloren. Von Seiten der Vereinsführung will aber niemand schmutzige Wäsche waschen. „Dirk Bauermann hat maßgeblichen Anteil an der positiven Entwicklung des Basketballs beim FC Bayern“, sagte Rauch, der Vater des Basketball-Projekts.

Mit der überraschenden Trennung von Bauermann steht das ambitionierteste Projekt im deutschen Basketball also nach zwei Jahren vor einem Neustart. 2010 hatten Bayerns Basketballer zum Sturm auf die deutsche Spitze geblasen und - damals noch zweitklassig - dafür den damaligen deutschen Nationaltrainer Bauermann verpflichtet. Der Aufstieg in die Bundesliga gelang - und Bayerns Cheftrainer konzentrierte sich fortan nur noch auf sein Vereinsprojekt.

Doch schon in der vergangenen Saison mit dem Aus im Viertelfinale lief es bei den Münchnern nicht ganz so rund wie erwünscht. Intern geriet Bauermann für seine Art, Basketball spielen zu lassen, schon in der vergangenen Spielzeit in die Kritik. Immer wieder war von seinem strengen „System-Basketball“ die Rede.

Nach Bauermanns Entlassung kochte die Gerüchteküche über: Wie die SZ berichtet, könnte nach der EM 2013 der deutsche Nationaltrainer Svetislav Pesic, der Vater von Marko Pesic, ein Thema als Bayern-Coach werden.

 

lm

Anbei die Presseerklärung des FC Bayern im Wortlaut:

Nach intensiven Gesprächen haben die Verantwortlichen des FC Bayern München Trainer Dirk Bauermann am heutigen Donnerstag, den 27. September 2012, mit sofortiger Wirkung beurlaubt. Dirk Bauermann wurde heute Nachmittag über diese Entscheidung informiert.

Der Grund für die Beurlaubung liegt in der unterschiedlichen Auffassung über die zukünftige Entwicklung des Basketballs beim FC Bayern München.

„Dirk Bauermann hat maßgeblichen Anteil an der positiven Entwicklung des Basketballs beim FC Bayern. Nach ausführlichen Diskussionen über mehrere Wochen haben sich unterschiedliche Auffassungen über die Führung und Weiterentwicklung der Mannschaft ergeben. Aus diesem Grund haben wir uns zu diesem für uns alle schwierigen Schritt entschieden“, so FC Bayern-Vizepräsident Bernd Rauch.

Die Position des Cheftrainers übernimmt ab sofort Yannis Christopoulos.

Rubriklistenbild: © Sampics

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