Der ehemalige NBA-Profi im exklusiven Interview

Im Interview: FCB-Star Williams über Halloween, LeBron James und München

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Derrick Williams im "The Candy Store" in München

Er ist der neue Star im Kader der FCB-Basketballer. Derrick Williams stand schon für diverse NBA-Teams auf dem Parkett. Im tz-Interview spricht er exklusiv über seine bisherige Karriere, seine Heimat Los Angeles, Barack Obama und verrät, was er von LeBron James gelernt hat.

München - Er ist der neue Star im Kader der FCB-Basketballer. US-Profi Derrick Williams stand bereits für mehrere NBA-Teams auf dem Parkett, spielte mit Top-Stars wie LeBron James zusammen. München ist seine erste Station in Europa. Vor seinem Wechsel stand Williams ein Jahr in China unter Vertrag. Klar, dass man da an besonderen Tagen wie Halloween an die Heimat denkt. Die tz besuchte mit dem 27-Jährigen den Laden „The Candy Store“, in dem es originale US-Süßigkeiten gibt, und sprach über Traditionen, die NBA und ­Barack Obama.

Herr Williams, erinnern Sie sich gern an Halloween als Kind?

Williams: Oh ja, ich habe es geliebt! Ich bin jedes Jahr mit meinen Freunden von Tür zu Tür gezogen und habe Süßigkeiten gesammelt. Meine Mutter hat immer dafür gesorgt, dass ich ein neues Kostüm bekam. Ich erinnere mich besonders an ein Jahr, als ich als Ninja Turtle (Charakter einer Zeichentrickserie, d. Red.) verkleidet war. Ich glaube, ich war sechs Jahre alt. Das war großartig! Nicht zuletzt wegen der Süßigkeiten (lacht).

Und jetzt? Passen Süßigkeiten in Ihren Ernährungsplan?

Williams: Ich versuche, weitestgehend darauf zu verzichten, denn ich bin Profi. Aber hin und wieder gibt es bei mir einen Cheat Day, an dem es Süßes gibt, etwa einmal im Monat. Ich mag besonders gern süße Cornflakes und Weingummi. Viele Sorten hier erinnern mich an meine Kindheit.

Was vermissen Sie besonders an Ihrer Heimat Los Angeles?

Williams: Das ist nicht leicht… Ich bin es ja gewohnt, viel unterwegs zu sein. Ich denke, es ist vor allem das Gefühl, zu Hause zu sein. Es gibt ja immer Dinge, die für einen Heimat sind. Bei mir sind es der Strand, die kalifornische Sonne und meine Familie.

Sie haben mittlerweile vier Spiele für den FC Bayern absolviert. Bei wie viel Prozent stehen Sie derzeit?

Williams (lacht): Mein Ziel war es, mich schnellstmöglich ins Team einzufügen und ich wurde toll aufgenommen. Insofern freut es mich, dass ich bereits meinen Teil zu einigen Erfolgen beitragen konnte. Aber ich will noch viel lernen, die Abläufe weiter verinnerlichen und mich mehr und mehr den Ligen anpassen. Also ich bin längst nicht bei 100 Prozent, es gibt noch reichlich Luft nach oben!

Williams: In der BBL muss man in guter Verfassung sein

Wie schwer ist die Anpassung an die Unterschiede zur NBA?

Williams: Es gibt definitiv Unterschiede. Und damit meine ich nicht nur die grundlegenden Dinge, wie die Größe des Spielfelds. Es sind einfach Eigenschaften, die das Spiel in den einzelnen Ligen mit sich bringt. In der BBL wird beispielsweise sehr viel gelaufen. Man muss also schnell und in sehr guter Verfassung sein.

Sie haben immer wieder betont, dass das Ziel nach wie vor die NBA ist.

Williams: Ich denke, die NBA ist das Ziel von fast jedem Spieler. Natürlich haben viele über meine Entscheidung geredet. Gerade in den USA und in der NBA ist das Konkurrenzdenken unheimlich groß. Dieselben Leute, die von dir schwärmen, wenn du eine Bestleistung für ein NBA-Team zeigst, reden häufig negativ, wenn es mal nicht so gut läuft. Das ist einfach so. Aber ich mache meine Entscheidungen davon nicht abhängig. Veränderungen sind die Grundlage dafür, sich weiterzuentwickeln. Und zwar nicht nur spielerisch. Ich versuche immer, offen zu sein, Neues zu erfahren und dazuzulernen. Jetzt bin ich mit vollem Herzen in München und will alles dafür tun, dass meine Mannschaft erfolgreich ist.

Wussten Sie bei Ihrer Entscheidung sofort, wo München liegt? Müssen Sie Gegner wie Bremerhaven auf der Karte nachschlagen?

Williams: Na klar (lacht). Ich hatte natürlich von München gehört und habe einige Freunde, die die Stadt bereits kannten. Aber ich lebe zum ersten Mal in Europa. Zuvor war ich erst ein einziges Mal hier. Und zwar in Paris mit ein paar Freunden. Aber es freut mich, die Möglichkeit zu haben, immer mehr von Deutschland kennenzulernen.

Eigener Laden in Los Angeles

In Los Angeles haben Sie einen eigenen Laden, in dem es Sneaker, Sportkleidung und -Accessoires gibt.

Williams: Stimmt, schon als Kind war es mein Traum, einen eigenen Laden zu besitzen. Ich dachte damals immer, dann hat man wirklich etwas geschafft (lacht). Es ist wirklich cool, dass das geklappt hat. Ein Freund von mir ist der Geschäftsführer und kümmert sich um alles, so lange ich fort bin.

Sie tragen unter anderem den ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama als Tattoo auf dem Arm. Welche Bedeutung hat er für Sie?

Williams: Ich habe mir das Tattoo kurz nach seiner Wahl zum Präsidenten 2009 stechen lassen. Barack Obama ist ein besonderer Mann. Nicht nur, weil er der erste afroamerikanische Präsident war. Er verkörpert viel mehr als das. Barack Obama steht für Menschlichkeit. Eine Bewegung und das Ideal, dass alle Menschen die gleichen Möglichkeiten haben sollten. Er ist ein Beispiel dafür, dass man all das schaffen kann, was man will, wenn man hart an sich arbeitet.

Derzeit sieht die politische Lage in den USA angespannter aus…

Williams: Ja, das stimmt. Es passieren immer wieder Dinge in der Welt, die man selbst am liebsten verhindern würde. Aber vielleicht führt so etwas dann dazu, dass die Leute dazulernen und beim nächsten Mal anders entscheiden. Ich hoffe es.

Williams: Meine Mutter ist ein großes Vorbild

Das klingt optimistisch.

Williams: So hat meine Mutter mich erzogen. Sie hat mir beigebracht, immer das Positive zu sehen. Ich möchte jeden Tag aufstehen und immer das Beste daraus machen. Sie ist das beste Beispiel: Als alleinerziehende Mutter hat sie immer versucht, alles zu schaffen. Sie war bei jedem Spiel und hat mich immer unterstützt. Ich bin ihr unendlich dankbar und freue mich, wenn ich ihr heute etwas zurückgeben kann. Im Dezember werden sie und meine restliche Familie mich in München besuchen. Ich kann es kaum erwarten, dass sie bei einem Spiel im Audi Dome ist.

Wie würden Sie sich und Ihr Spiel beschreiben?

Williams: Ich würde sagen, dass ich vielseitig bin und meine Mitspieler immer im Blick habe. Ich liebe es außerdem, zu dunken und die Fans zu begeistern. Es ist ja immer ­jemand im Publikum, der dich noch nicht kennt. Und es freut einen natürlich, wenn er sich hinterher an das, was man geleistet hat, erinnert.

Sie standen für diverse NBA-Teams auf dem Parkett, haben auch mit ­LeBron James in Cleveland gespielt.

Williams: Ich bin über jede Station, jede Erfahrung sehr dankbar. Mit LeBron zu spielen, war großartig. Er ist ein toller Mensch und hat mir sehr geholfen. Ich habe einiges von ihm gelernt.

Interview: Lena Meyer

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