Der Bayern-Chefcoach im Interview

FCB-Coach Radonjic über Herausforderungen, einen möglichen Neuzugang & Weihnachten

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FCB-Coach Dejan Radonjic auf dem Christkindlmarkt

Vor den FCB-Basketballern liegen zwei ereignisreiche Wochen voller Top-Spiele. Viel Zeit für weihnachtliche Feierlichkeiten bleibt da nicht. Die tz traf FCB-Trainer Dejan Radonjic auf dem Christklindlmarkt und sprach über das Hammer-Programm, einen möglichen Neuzugang und Weihnachten.

München - Viel Zeit für Besinnlichkeit haben die FCB-Baskets derzeit nicht. Auf die Münchner warten sechs Spiele in zwei Wochen. Am Mittwoch Abend (20.45 Uhr) müssen die Roten zum Euroleague-Duell in Mailand ran. Die tz traf im Vorfeld FCB-Coach Dejan Radonjic auf dem Christkindlmarkt und sprach über Weihnachten, die hohe Spielbelastung und einen möglichen Neuzugang.

Herr Radonjic, ist das Ihr erster Besuch auf einem Münchner Christkindlmarkt?

Radonjic: Mein zweiter! Anfang Dezember war ich mit meiner Frau bereits einmal hier. In erster Linie ihr zuliebe (lacht). Mir ist das etwas zu viel Getümmel. Ich habe es, wenn ich einmal frei habe, lieber etwas ruhiger.

Freie Zeit ist derzeit wahrscheinlich eher selten, oder?

Radonjic: Als Trainer sowieso. Da sind ja nicht nur die Spiele und die Trainingseinheiten. Wir haben natürlich noch diverse Meetings als Trainerteam, aber auch mit dem Staff und den Ärzten. Die Gegner werden analysiert oder es gibt Einzelgespräche mit den Spielern. Der Trainerberuf umfasst also viel mehr, als man auf den ersten Blick sieht.

Gibt es überhaupt Momente, an denen Sie nicht an Basketball denken?

Radonjic (lacht): Sehr wenige. Basketball ist meine Leidenschaft, die ich erst als Spieler ausüben durfte und nun als Trainer. Selbst, wenn ich etwas Freizeit habe, liebe ich es, spazieren zu gehen und nachzudenken. Über Systeme, Taktiken, den anstehenden Gegner. Beim Gehen kommen mir die besten Ideen und ich bekomme den Kopf etwas frei. Und wissen Sie, was lustig ist?

Was denn?

Radonjic: Wenn ich mich mit Freunden treffe, landen wir auch immer ganz schnell beim Thema Basketball (lacht). Es geht in meinem Leben also wirklich fast immer darum.

München ist Ihre erste Station in Deutschland. Wie viel Mut hat Sie damals dieser Schritt – so kurz vor Playoff-Start – gekostet?

Radonjic: Sicherlich ein wenig. Das ist ja immer so, wenn man etwas Neues beginnt und sich in ein neues Umfeld begibt. Ich bin sehr dankbar, dass ich diese Chance bekommen habe. München ist außerdem eine tolle Stadt. Meine Frau und ich fühlen uns sehr wohl hier.

Sie sprechen mittlerweile sogar ein wenig Deutsch...

Radonjic: Ich habe bereits während meiner Schulzeit ein wenig Deutsch gelernt und versuche, es nun weiter zu vertiefen. Leider fehlt mir auch da die Zeit, um intensiv lernen zu können.

Vor Ihnen und Ihrem Team liegen zwei harte Wochen mit insgesamt sechs Spielen. Worauf kommt es in dieser Zeit besonders an?

Radonjic: Mein Credo ist es, immer von Spiel zu Spiel zu denken. Es geht nur um den nächsten Sieg. Außerdem müssen wir natürlich auch die Belastung im Training anpassen. Ich hatte vor zwei Jahren als Trainer von Roter Stern Belgrad eine ähnliche Situation. Es ist wichtig, auf bestmögliche Regeneration zu achten und fokussiert zu bleiben.

Ausgerechnet jetzt fehlt Ihnen mit Devin Booker ein wichtiger Big Man. Auch ein Einsatz von Alex King in Mailand ist fraglich. Brauchen Sie, Ihrer Meinung nach, noch Verstärkung auf den großen Positionen?

Radonjic: Ich denke nur über die Spieler nach, die uns momentan und für die anstehenden Spiele zur Verfügung stehen. Der Ausfall von Devin ist natürlich ein Erschwernis. Aber ich habe der Mannschaft gesagt, dass sie jetzt nur noch enger zusammenstehen und diese Lücke durch noch mehr Einsatz schließen müssen. Und was soll ich sagen: Das Team hat am Freitag gegen Zalgiris Kaunas toll reagiert und eine gute Leistung gezeigt. Und auch am Sonntag hat es gegen die sehr starke Berliner Mannschaft gereicht. Das ist momentan alles, was zählt.

Präsident Uli Hoeneß sagte, dass die Mannschaft aus seiner Sicht noch einmal enger zusammengerückt ist. Können Sie das bestätigen?

Radonjic: Absolut. Die Spieler haben zuletzt Charakter gezeigt und sich als Team präsentiert.

Wo sehen Sie den größten Verbesserungsbedarf?

Radonjic: Ein Trainer ist nie zufrieden. Nach keinem Spiel (lacht). Es gibt immer etwas, das besser gemacht werden muss. Am Sonntag gegen ALBA war es beispielsweise unsere Reboundarbeit. Wir haben lediglich 22 Rebounds gemacht, was viel zu wenig ist. Da erwarte ich gegen Mailand wieder eine Steigerung. Es gibt also immer Dinge, die besser gemacht werden müssen.

Derrick Williams hat sich mittlerweile sehr gut ins Team eingefügt und ist in bestechender Form.- Wie beurteilen Sie seine Leistung?

Radonjic: Er ist eine große Unterstützung für unsere Mannschaft und wir können froh sein, ihn im Team zu haben. Er arbeitet sehr professionell – so wie alle anderen auch. Natürlich will jeder Spieler so viel wie möglich spielen. Aber was noch mehr zählt, ist, dass die Mannschaft erfolgreich ist. Und das sahen alle so, auch er.

Am Sonntag steht das Pokalviertelfinale gegen ALBA Berlin an. Ein Sieg ist Pflicht. Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?

Radonjic: So weit denke ich momentan noch nicht. Dank des Sieges am Sonntag können wir mit Selbstvertrauen in das Spiel gehen. Alles andere wird man dann sehen. Jetzt gilt es erst einmal, in Mailand zu bestehen und vielleicht für eine Überraschung gegen Real Madrid zu sorgen.

Wie werden Sie Weihnachten verbringen?

Radonjic: Da wir am 26. ja wieder ein Heimspiel gegen Würzburg haben, bleibt für Feierlichkeiten wenig Zeit. Was mich aber sehr freut, ist, dass in der kommenden Woche meine Kinder zu Besuch sein werden. Ich habe eine 24-jährige Tochter, die gerade ihr Jura-Studium abgeschlossen hat, und einen 21-jährigen Sohn, der ebenfalls schon als Basketballtrainer arbeitet. Beide wohnen in Belgrad. Am 24. werden wir also wahrscheinlich Essen gehen und ein wenig Zeit gemeinsam verbringen.

Und am 26. ist dann die gesamte Familie Radonjic im Audi Dome?

Radonjic: Ganz sicher (lacht). Meine Frau war schon immer bei jedem Spiel, als ich noch ein Profi war. Und auch jetzt verpasst sie keine Partie. Sie ist immer mit dabei.

Interview: Lena Meyer

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