Basketball

Trainerbeben beim FC Bayern: Djordjevic muss gehen - das sind die Gründe

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Bitteres Ende: Das Debakel gegen Alba Berlin war Djrdjevics letzter Auftritt in München

Vor der Endphase der Bundesliga haben die Münchner Basketballer einen Schnitt gemacht: Trainer Djordjevic muss gehen. Die Gründe dafür sind vielfältig.

München – Donnerstagmittag stand für die Basketballer des FC Bayern ein außerplanmäßiger Diensttermin an. Die Klubführung hatte geladen. So etwas verheißt selten Gutes und was Geschäftsführer Marko Pesic und Sportchef Daniele Baiesi zu sagen hatten, kommt tatsächlich einem mittelschweren Erdbeben gleich. Sasa Djordjevic ist nicht mehr Trainer des Bundesliga-Tabellenführers. In der Partie am Samstag bei den Baskets Oldenburg wird der bisherige Assistent Emir Mutapcic die Führung übernehmen. Was danach kommt, das bleibt abzuwarten. Dem Vernehmen nach soll Dejan Radonjic von Roter Stern Belgrad ein heißer Kandidat auf Djordjevics Nachfolge sein.

Es fällt natürlich auf, dass der Schnitt in die erste größere Delle einer für die Bayern bislang überaus positiven Saison fällt. Vergangene Woche kassierte das Team um Kapitän Anton Gavel erstmals gleich drei Niederlagen in Folge. Dem Halbfinal-Aus im Eurocup folgte eine deutliche Heim-Abfuhr gegen Alba Berlin. Doch als Kurzschlusshandlung ist Djordjevics Rauswurf nicht zu verstehen. „Nach den Eindrücken und Entwicklungen, die wir über einen längeren Zeitraum hinweg registriert haben, sind wir jetzt zum Entschluss gekommen, unserem hoch veranlagten Team einen neuen Impuls und Führungsansatz geben zu müssen“, sagte Pesic.  Mit anderen Worten: Dem Klub fehlt die Überzeugung, dass die ersehnte erste Meisterschaft seit 2014 mit Djordjevic zu erreichen sein würde.

Auch Djordjevic leistete sich Fehler

„Die Mannschaft ist nicht in dem Zustand, in dem ich sie erwartet hatte“, betonte dementsprechend auch Pesic. 

Die leisen Zweifel an der Person des serbischen Nationalcoachs haben die Verantwortlichen offenbar schon seit Herbst begleitet. Ein zentraler Grund dafür soll mangelhafte Kommunikation gewesen sein. Djordjevic soll sich in seinen Ideen und Plänen ausschließlich mit Assistent Goran Bjedov ausgetauscht haben – den Impulsen von Pesic und Baiesi aber hat er sich offenbar wiederholt verweigert. Was auch ein bisschen an die Geschichte von Ex-Bundestrainer Dirk Bauermann erinnert, der vor der Saison 2012/13 gehen musste, weil er sich den Klubgremien verweigert haben soll.

Und das ist insofern kritisch, weil sich auch Djordjevic durchaus Fehler leistete. Wenngleich die auch selten so ins Gewicht fielen wie in der vergangenen Woche. In Istanbul etwa war der Vorsprung der Bayern nach dem Wechsel binnen weniger Minuten von 17 Punkten auf drei zusammengeschrumpft, doch eine Reaktion des 50-Jährigen blieb aus. Dazu ließ er den defensiv heillos überforderten Maik Zirbes bis ins Schlussviertel hinein auf dem Feld. Im Rückspiel ließ der Coach die Chance aus, die Überlegenheit am Korb als Argument gegen den entfesselten Istanbuler Regisseur Scottie Wilbekin zu setzen. Alleine Danilo Barthel blieb über weite Strecken der zweiten Halbzeit auf der Bank.

„Das werde ich so nicht erlauben“

Den kräftemäßigen Einbruch im Bundesliga-Gipfel gegen Berlin nur zwei Tage danach muss man da nicht hinterfragen. Auch wenn die Art, wie die Niederlage zustande kam, nicht zuletzt Pesic schockierte. „Das werde ich so nicht erlauben“, sagte er. 

Klar ist, dass die Bayern für einen möglichen Start in der Euroleague in der kommenden Saison – die Qualifikation vorausgesetzt – für eine solche Ballung an Topspielen anders gerüstet sein müssen. Und wenn es durch eine stärkere Rotation der Akteure geschieht. Doch Alex King oder zuletzt auch Anton Gavel spielten kleine Rollen. Der aufstrebende Youngster Karim Jallow sowieso. Zu Letzterem hatte sicn Djordjevic vor einigen Wochen klar positioniert: „Unser Auftrag ist es, in diesem Jahr Spiele zu gewinnen, nicht junge Spieler heranzuführen.“

Gut denkbar, dass der neue Mann nun beides schultern müssen wird.

Patrick Reichelt

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