Ex-FCB-Vizepräsident

Herr Rauch, kribbelt's noch?

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Ex-FCB-Vizepräsident Bernd Rauch führte die Bayern-Baskets von der Regionalliga in die Bundesliga.

München - Svetislav Pesic und seine Jungs haben die Meisterschaft gewonnen. Der Vater des Erfolgs aber ist Ex-FCB-Vizepräsident Bernd Rauch, er führte das Team von der Regionalliga in die Bundesliga. Das tz-Interview.

Herr Rauch, der vergangene Mittwoch muss für Sie ein schöner Tag gewesen sein.

Rauch: Es war toll. Unglaublich. Ich hätte nicht gedacht, dass wir es schon in Berlin schaffen. Es war ein großer Wunsch das Projekt mit dem Titel zu krönen, das haben wir geschafft. Leider hatte ich einen anderen Termin und war nicht dort. Aber auch der Termin hängt gewissermaßen mit dem Basketball zusammen. Ich habe mich mit Gerald Wagener getroffen, er ist der Geschäftsführer der Deutschen Sportlotterie. Wir arbeiten seit zwei Jahren an diesem Projekt, nun haben wir endlich die Zulassung bekommen. Nach den Gesprächen habe ich das Spiel im Fernsehen gesehen.

Gerald Wagener hatte großen Anteil am Aufstieg der Bayern in die Pro A.

Rauch: Richtig. 2009 hätten wir als Regionalligameister in der Pro B spielen müssen, letztendlich hat uns Herr Wagener die Lizenz der Düsseldorf Magic geschenkt und wir konnten sofort in der Pro A antreten. Ohne ihn hätte sich das Projekt sicher um ein, zwei Jahre verzögert.

Die Pro A war ein wichtiger Schritt.

Rauch: Es war ein Glücksfall für uns, ab diesem Zeitpunkt wurden wir ernst genommen. Herr Wagener hat uns übrigens später noch einmal unterstützt, da er mit seiner Firma Schneekoppe als Sponsor aufgetreten ist. Ohne ihn hätten wir den damaligen Bundestrainer Dirk Bauermann nie verpflichten können. Und der hat die Sache weiter ins Rollen gebracht, durch ihn kamen Spieler wie Hamann, Greene oder Nadjfeji nach München.

Die heutigen Verantwortlichen nennen immer wieder zwei Menschen, denen sie ihren Dank aussprechen. Uli Hoeneß und Sie. Fühlen Sie sich geehrt?

Rauch: Es gibt einem ein gutes Gefühl. Aber man müsste auch Wagener, Wolfgang Heyder, der uns mit seinem Know-how geholfen hat, und viele mehr erwähnen, die den Verein aus der Regionalliga nach oben geführt haben.

Heute spielt die Mannschaft im Audi Dome, wie sahen die Regionalliga-Zeiten aus?

Rauch: Wir haben vor 350 Zuschauern in der Turnhalle gespielt. An Catering war nicht zu denken, wir haben uns notdürftig etwas zusammengestöpselt, aber das hatte nichts mit dem eigentlichen FC-Bayern-Niveau zu tun.

Dann kam der Umzug in die Olympia-Eishalle.

Rauch: Ein Anfang, aber auch das war kompliziert. Die Bodentemperatur zum Beispiel musste mindestens 16 Grad haben, das war schwierig wegen der Eisfläche. Wir haben Heizelemente auf dem Dach aufgebracht und Vorhänge installiert, um die Luftbewegungen in den Griff zu bekommen. Das Aufstiegsspiel gegen Würzburg fand vor 12 000 Zuschauern in der Olympiahalle statt. Unfassbar. Und alles ohne festen Mitarbeiterstamm, das war eine Erfahrung, die zusammengeschweißt hat.

In der Bundesliga reichte die Eishalle nicht mehr.

Rauch: Unsere Heimspiele hatten keinen Eventcharakter. Aber auch mit der Rudi-Sedlmayer-Halle hatten wir viel Arbeit. Ich übertreibe leicht, aber wir brauchten fast Kettensägen, um an die zugewachsenen Eingänge zu kommen. Auch die Stadt war skeptisch, heute ist sie froh.

Uli Hoeneß hat großen Anteil an Entwicklung

Welchen Anteil hat Uli Hoeneß an der Entwicklung? 

Rauch: Einen sehr großen. Als Uli 2009 das Präsidentenamt von Franz Beckenbauer übernommen hat, habe ich mich mit ihm unterhalten und gesagt, ich würde wieder kandidieren. Aber nur unter der Voraussetzung, dass ich versuchen durfte, Basketball in München erst­ligareif zu machen. Uli hat das so gesehen wie ich. Er hat zu mir gesagt: Wenn wir es machen, dann richtig. Ich wusste nicht, was er mit richtig meint, aber mir war klar, er lässt mich machen.

Am Ende wurde es auch sein Projekt.

Rauch: Er hat sich von einem Basketball-Liebhaber zu einem Mann entwickelt, der voll und ganz hinter dem Projekt stand. Ab diesem Zeitpunkt hatten wir noch bessere Möglichkeiten, Hoeneß wollte uns fördern. Ich hatte einen sehr engen Austausch mit ihm. Wenn wir auswärts gespielt haben und er nicht dabei war, habe ich noch am selben Abend einen Anruf bekommen. Es war nicht immer einfach, aber fruchtbar.

Die Meisterschaft konnte er nun nur bedingt mitfeiern.

Rauch: Glauben Sie mir, mir wäre es auch lieber, ich könnte jetzt mit ihm sprechen und feiern. Aber seien Sie sich sicher, er hat sich gefreut.

Wie ist es für Sie im ausverkauften Audi Dome ein Spiel zu verfolgen? Ist der Titel da nicht nur das i-Tüpfelchen?

Rauch: Die Geschwindigkeit, mit der wir Meister geworden sind, überrascht mich. Im Audi Dome bekomme ich heute noch ein Kribbeln. Für mich war der Weg das Ziel. Beim FC Bayern bedeutet das natürlich den Titel, deshalb ist das Projekt zu einem vorläufigen Abschluss gekommen. In diesen Tagen habe ich ein besonders gutes Gefühl in meinem Herzen.

So feiern die Basketball-Meister - Die Bilder

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Interview: Mathias Müller

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