Sportpsychologe erklärt die FC-Bayern-Blockade

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Chevon Troutman (vorne.), Jared Homan & Co. wollen den Auswärtsfluch durchbrechen

München - Die Auswärtsbilanz der Bayern-Baskets wird immer dramatischer. Jetzt soll ein Sportpsychologe helfen. Im tz-Interview erklärt Manfred Wegner die FC-Bayern-Blockade.

Zehn Niederlagen in elf Spielen! Die Auswärtsbilanz der Bayern-Baskets wird immer dramatischer. Zu Hause demonstrieren die Roten dagegen zuverlässig, was wirklich in ihnen steckt. Zuletzt beim 87:83-Heimsieg gegen Ulm.

Das sind die Roten Riesen: Der Kader vom FC Bayern München

Mit dem Aufstieg in die Bundesliga hatte der FC Bayern Basketball sein erstes Etappenziel erreicht. Die Premierensaison verlief einigermaßen zufriedenstellend, in der ersten Runde der Playoffs war allerdings Schluss. In der Saison 2012/13 schafften es die Roten Riesen in den Playoffs dann schon bis ins Halbfinale. Springt heuer NOCH mehr heraus? © dpa
Bayern-Präsident Uli Hoeneß (r.) unterstützt das ehrgeizige Projekt nach Kräften. © dpa
Nachdem Dirk Bauermann (r.) zu Beginn der Saison 2012/13 entlassen wurde, übernahm zunächst der bisherige Co-Trainer Yannis Christopoulos (l.) die Verantwortung. © sampics
Ende November 2012 übernahm dann Ex-Bundestrainer Svetislav Pesic. © dpa
Steffen Hamann (r.) ist Point Guard und einer der erfahrensten Profis im Kader. Sein Motto lautet: Don't be a part of the problem - be a part of the solution. © sampics
Der 2,08 Meter große Small Forward Robin Benzing ist deutscher Nationalspieler und einer der größten Hoffnungsträger des Klubs. © sampics
Der passionierte Kaugummikauer Chevon Troutman ist das Kraftpaket des Teams. Als Center räumt der US-Amerikaner unter dem Korb ab. © dpa
Der gebürtige Texaner Demond Greene spielt seit 2010 für die Roten Riesen. Mit 1,85 Meter ist der Shooting Guard einer der kleinsten im Team, macht das aber mit seiner Athletik und teilweise spektakulären Spielweise wett. © sampics
Mauricio Marin kommt von ALBA Berlin - mit ihm haben die Bayern Baskets einen der vielversprechendsten deutschen Nachwuchsspieler unter Vertrag genommen. Derr 1,92 Meter große Shooting Guard wurde 2011 zum besten Nachwuchsspieler der NBBL gewählt. © imago
John Bryant hat im Sommer 2013 einen Zweijahresvertrag bei den Bayern unterschrieben. Der 2,11-Meter-Riese aus den USA spielt auf der Position des Centers. © Christina Pahnke / sampics
Malcom Delaney eignet sich mit seinen 1,91 Metern bestens als Combo Guard. Im Sommer 2013 wechselte der Amerikaner von Budiwelnyk Kiew zu den Bayern nach München. © AFP
Nihad Djedovic spielte schon beim FC Barcelona und Alba Berlin, zur Saison 2013/14 wechselte der Bosnier an die Isar. © dpa
Yassin Idbihi spielt auf der Position des Centers. Der 2,08-Meter-Hüne aus Köln wechselte im Juli 2013 von ALBA Berlin zum FC Bayern. © sampics
Power Forward Boris Savovic kam eine Woche vor Saisonstart 2013/14 noch an die Isar. "Er war kurzfristig auf dem Markt, deshalb haben wir sofort reagiert", sagt Geschäftsführer Marko Pesic. © Christina Pahnke / sampics
Heiko Schaffartzik hat die Position des Point Guard. Im Jahr 2013 wechselte er aus der Hauptstadt an die Isar. Der 1,83 Meter große Berliner hat ein aufregendes Leben hinter sich: Als Jugendlicher erkrankte er an Leukämie, konnte die Krankheit aber besiegen. Später wurde der junge Spieler des Marihuanakonsums überführt und für einige Spiele gesperrt. © dpa
Lucca Staiger wechselte zur Saison 2013/14 zum FC Bayern und spielt dort die Position des Shooting Guards. © AFP
Auch Bryce Taylor hat bei den Roten Riesen die Position des Shooting Guards inne. Der US-Spieler wechselte ebenfalls zur Saison 2013/14 zu den Münchnern. Davor stand er bei den Artland Dragons und Alba Berlin unter Vertrag. © Christina Pahnke / sampics
Alassane Dioubate ist eines der hoffnungsvollen Nachwuchstalente im Bayern-Kader. Der Kölner kam 2010 als 16-Jähriger nach München, er spielt auf der Forward-Position. © fcb-basketball.de

Coach Dirk Bauermann plant nun die Zusammenarbeit mit einem Sportpsychologen, um die Auswärtsschwäche zu bekämpfen. Im tz-Interview spricht Manfred Wegner (55), Professor für Sportpsychologie an der Universität Kiel, über mögliche Gründe für sportliche Blockaden und die Arbeit und Vorgehensweisen eines Sportpsychologen.

Herr Professor Wegner, die Bayern kämpfen derzeit gegen die Niederlagenserie in fremden Hallen. Coach Bauermann spricht von einer Blockade im Kopf. Wie entsteht so etwas?

Wegner: Da gibt es eine Reihe von Indikatoren. Beim FC Bayern ist beispielsweise die Feindseligkeit der gegnerischen Fans ein möglicher Auslöser. Wenn das Publikum einen Spieler auspfeift, ist es für ihn natürlich erheblich schwerer, die volle Leistung abzurufen. Außerdem gibt es auch die Möglichkeit der selbsterfüllenden Prophezeiung. Das bedeutet, dass die Spieler bereits mit einer negativen Erwartung an eine Partie herangehen. Läuft das Spiel dann nicht gut, gelingt es den Sportlern oft nicht, dagegenzusteuern.

Inwiefern kann ein Sportpsychologe helfen?

Wegner: Mithilfe eines psychologischen Trainings, das der Entwicklung der Persönlichkeit und der Leistungsstabilisierung dient. Ich spreche gerne von einer Werkzeugkiste, die die Spieler benötigen. Das sind Techniken, mit deren Hilfe die Sportler in schwierigen Situationen eine Lösung, einen Plan B finden, Misserfolge leichter verkraften und sich gegen äußere Störungen abschirmen können. Das geht beispielsweise über Konzentrationsübungen und positive Selbstgespräche, mit denen sich ein Athlet immer wieder zentrieren kann, sodass er im Spiel bleibt und nicht beginnt, darüber nachzudenken, was nicht klappt und was in der Halle los ist.

Wie sieht die Arbeit mit einem Psychologen konkret aus?

Wegner: Sie findet auf unterschiedlichen Ebenen statt: Das können Einzelgespräche mit Spielern sein, in denen man persönliche Ziele festlegt. Es wird auch mit der gesamten Mannschaft gearbeitet. Zum Beispiel, indem positive Momente, die das Team bei einer Partie erlebt hat, mithilfe einer Videokonfrontation zurück in die Köpfe geholt werden. Generell ist es wichtig, den Fokus weg vom Problem auf die Lösung und damit auf die Stärken zu lenken. Für die Bayern würde das bedeuten, sich darauf zu konzentrieren, erst einmal die Heimserie aufrecht zu erhalten und den Schwung dann in ein Auswärtsspiel zu nehmen.

Wird auch in der Praxis gearbeitet?

Wegner: Ja, an dieser Stelle ist eine enge Zusammenarbeit des Trainers und Sportpsychologen möglich, man spricht dann vom psychologisch orientierten Training. So kann beispielsweise der Druck in einer Freiwurfsituation simuliert werden, indem es für den Spieler im Training nur einen Versuch gibt und sich auch mögliche Konsequenz ergeben, wenn er nicht trifft. Es gibt auch die Möglichkeit unter Lärm zu trainieren, um das Abschirmen zu üben. Außerdem wird an kleinen Dingen wie der Körpersprache gearbeitet. Konkret heißt das für die Spieler: Sich auch nach einem Misserfolg aufrichten, nicht die Schultern hängen lassen! Das ist ein wichtiges Signal an die eigene Mannschaft und verhindert, dass der Gegner das Gefühl bekommt: Die habe ich jetzt.

Wie lange dauert es, bis durch Ihre Arbeit Erfolge erzielt werden können?

Wegner: Psychologisches Training ist ein systematisch geplanter Prozess. Es ist nicht so, dass da einfach ein Sportpsychologe vorbeikommt und alles wird gut. Der Athlet muss seinen Körper und seine Psyche in diesem Zusammenhang neu kennenlernen und sich vertrauen. So etwas braucht Zeit und muss erarbeitet werden.

lm

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