München gegen Berlin

Welche Lehren die Münchner aus der Pleite ziehen

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John Bryant (l.) hatte in Berlin einen schweren Stand (hier im Playoffs Halbfinale gegen EWE Baskets Oldenburg).

München - Mit 95:81 hat ALBA Berlin gegen den FC Bayern gewonnen. Jetzt müssen die Münchner Lehren aus der Pleite ziehen.

Nach getaner Arbeit wäre Sasa Obradovic beinahe etwas ganz Ungewöhnliches passiert. Um ein Haar hätte der Trainer von ALBA Berlin gelächelt. Der 95:81-Erfolg seiner Profis im zweiten BBL-Finale gegen den FC Bayern muss den strengen Serben dann doch ein größeres Glücksgefühl beschert haben. Doch der Mann, um den sich zu den Finaltagen (mäßig glaubhafte) Gerüchte ranken, er könnte schon mit dem entthronten Meister aus Bamberg einig sein, hat die Kurve ja gekriegt. Fast schon grimmig erklärte er: „Das ist nur ein Sieg, aber er gibt uns Selbstvertrauen für das kommende Spiel.“

Das folgt am Sonntag. Um 17 Uhr (Sport1) stehen sich beide Teams dann im ausverkauften Münchner Audi Dome gegenüber. Und dann wollen allerdings auch die Bayern schaffen, was den Berlinern nach der Auftaktniederlage am vergangenen Sonntag so gut gelang. Man will schnell Lehren ziehen, um mit dem eigenen Publikum im Rücken dem Titel doch einen vielleicht entscheidenden Schritt näher zu kommen. „Wir müssen das Spiel genau analysieren“, sagte Trainer Svetislav Pesic. Auf welche Brennpunkte er dabei stoßen wird, ist ziemlich klar.

Die Defensive: 54 Punkte hatten sich die Bayern schon zur Pause eingefangen, am Ende konnte man die, eigentlich als Defensivexperten erwarteten Gastgeber nur mit reichlich Mühe unter der 100-Punkte-Marke halten. Weil es den Münchnern halt auch nicht gelang, das präzise Passspiel des im Kollektiv besser funktionierenden Gegners zu stören. 20 direkte Korbvorlagen hatte Alba am Ende zu Buche stehen, die Münchner gerade einmal deren acht. Dass man auch unter dem Korb schwächelte und gleich 12 offensive Rebounds zuließ, tat sein Übriges. „Ohne Defense kannst du in den Finals kein Spiel gewinnen“, haderte deshalb auch Yassin Idbihi.

Schaffartzik: „Ich gehe emotionslos ins Spiel“

Die Konzentration: Sicher, das Münchner Spiel ist schon per se riskanter angelegt. Während Berlin meist geduldig nach der richtigen Wurfgelegenheit sucht, drücken die Bayern, wann immer es irgendwie möglich ist, aufs Tempo. Eine etwas höhere Fehlerquote ist so programmiert. Doch 19 Ballverluste sind für ein Team von der Qualität des Hauptrundenchampions aus München nicht zu verkraften. Auch Malcolm Delaney, der alleine vier Mal den Ball verlor, gab sich via Twitter entsprechend selbstkritisch: „Das ist zu viel, das darf auf keinen Fall wieder passieren.“ Immerhin schafften es die Bayern erneut, die hitzigen Nebengeräusche des Finals auszublenden. Wobei die Feindseligkeiten selbst auf der Tribüne im Verlauf des Spiels immer mehr abebbten. Dem in Berlin besonders ungeliebten Heiko Schaffartzik war es egal: „Ich gehe emotionslos ran, denn Emotionen schaden mir hier nur.“

Die Langen: Gerade im Halbfinale waren Deon Thompson, John Bryant & Co. teilweise die Schlüssel für die Münchner Erfolgserlebnisse. In Berlin ging das Spiel an den langen Männern weitgehend vorbei. Für Bryant etwa standen am Ende neben überschaubaren fünf Punkten auch noch sechs Ballverluste zu Buche. Dieses Problem konnten letztlich auch die Münchner Guards mit ihren lange Zeit außergewöhnlichen Trefferquoten nicht kompensieren. Was auch Trainer Pesic irgendwie irritierend fand: „Wir haben 60 Prozent unserer Würfe getroffen, das ist rekordverdächtig, aber wir haben trotzdem mit 14 Punkten verloren. Da müssen wir an uns selbst arbeiten.“

Patrick Reichelt

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