Lauda schimpft über Mercedes-Strategie

Ärger bei den Silberpfeilen

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Ein Bild sagt alles: Sieger Rosberg freut sich, Vettel als Zweiter auch, Hamilton nicht.

Monte Carlo - Nico Rosberg hat das Rennen in Monte Carlo gewonnen. Doch im Mercedes-Lager ist man weit weg von grenzenloser Freude.

Lewis Hamilton ist gewachsen in den letzten Jahren. Besonders in der Methode, mit ungerechten Schicksalsschlägen umzugehen, ist er gereift. Denn der Brite wäre ohne Zweifel der verdiente Sieger gewesen beim diesjährigen Grand Prix in Monte Carlo. Er dominierte das Training, den Start, das bis zur 63. Runde relativ ereignislose Rennen – bis zu jener 63. Runde, als die Rennleitung nach einem Unfall zwischen Formel-1-Youngster Max Verstappen (17) und Lotus-Fahrer Romain Grosjean das Safety-Car auf die Piste schickte. Scheinbar ohne Grund rief die Hamilton-Crew den Briten in der 65. Runde zum Reifenstopp in die Box. Man wollte ihm für die letzten 15 Runden noch mal frische Reifen geben und war sich sicher, dass Hamilton vor den Verfolgern zurückkehren würde. Doch dann flogen Nico Rosberg und Ferrari-Konkurrent Sebastian Vettel an ihm vorbei. Hamilton war und blieb Dritter. Dieser Boxenstopp war nicht nur einer der unnötigsten in der Formel-1-Geschichte – er sorgte auch für richtig Ärger bei den Silberpfeilen.

„Die Entscheidung, ihn reinzuholen, war komplett falsch“, schimpfte Mercedes’ Teamaufsichtsratschef Niki Lauda. „Inakzeptabel“ sei so etwas. Was also hatte Mercedes dazu verleitet, diesen Kardinalfehler zu begehen? „Irgendwie kam alles zusammen“, erklärte Teamchef Toto Wolff. „Wir dachten, dass Ferrari noch einmal versuchen würde, mit ­frischen Reifen eine Schluss­attacke zu reiten, und wollten dem vorgreifen. Wir dachten, der Vorsprung von Lewis würde locker reichen. Doch dann ging weder Vettel an die Box noch stimmten unsere Rechnungen. Es war unsere Schuld, und wir müssen uns bei Lewis entschuldigen.“

Hamilton war die Enttäuschung anzusehen, doch wollte er das Team nicht kritisieren. „Wir gewinnen zusammen und verlieren zusammen.“ Sieger Rosberg hatte gemischte Gefühle. „Ich freue mich natürlich über den Sieg, andererseits hätte Lewis den verdient gehabt“, sagte der Wahl-Monegasse. „Er war besser hier als ich.“ Sebastian Vettel hatte keine Gewissensbisse. „Ich nehme das Geschenk gerne an. Es gibt immer wieder Ups und Downs im Sport. Am Ende eines Jahres gleicht es sich immer aus.“

Den dritten Sieg in Folge in Monaco hat Rosberg jetzt eingefahren, das gelangen vor ihm nur Legenden: Graham Hill, Alain Prost und Ayrton Senna. Drei Stunden verweilte er noch an der Strecke, dann fuhr er mit der schwangeren Ehefrau Vivian zu seiner Wohnung auf der anderen Seite der Stadt. Denn ein Problem gab es noch zu lösen: Am Abend stand das Siegesbankett beim Fürstenpaar an, und Vivian sagte, sich über den Siebenmonatsbabybauch streichelnd: „Schatz, ich weiß gar nicht, ob ich noch ein Kleid habe, in das ich hineinpasse.“

rb

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