Jetzt geht's um Nicos Reputation

"Ekelhaft!" Rosberg in der Image-Falle

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Lewis Hamilton (l.) und Nico Rosberg bei der Dusche nach dem Rennen in Austin.

Austin - Nico Rosberg kann aus eigener Kraft den Titel nicht mehr gewinnen, sondern muss auf Probleme Hamiltons hoffen. Schlimmer aber als das reine Spiel mit den Zahlen: Der Deutsche muss immer mehr um seine Reputation kämpfen.

Spätestens seit diesem Sonntag hat Mercedes-Pilot Nico Rosberg (29) ein Problem. Nach seiner Niederlage gegen Teamkollegen Lewis Hamilton (29) beim Großen Preis der USA hat er es nicht mehr selbst in der Hand, den WM-Titel doch noch zu gewinnen. 24 Punkte Rückstand hat der Deutsche zwei Rennen vor Ende der WM. Das heißt: Dem Briten genügen zwei zweite Plätze um seinen zweiten WM-Titel nach 2008 zu sichern. Rosberg kann aus eigener Kraft den Titel nicht mehr gewinnen, sondern muss auf Probleme Hamiltons hoffen. Zum Beispiel am kommenden Sonntag in São Paulo (17 Uhr MEZ, RTL und Sky).

Schlimmer aber als das reine Spiel mit den Zahlen: Der Deutsche muss immer mehr um seine Reputation kämpfen. Er gilt als Denker im Cockpit, dem in entscheidenden Momenten aber die notwendige Aggressivität beim direkten Rad-an-Rad-Duell mit Hamilton fehlt. In der Tat: In keinem der Rennen in dieser Saison behielt Rosberg im direkten Zweikampf mit Hamilton die Oberhand. In Bahrain steckte Rosberg zurück, ebenso in Ungarn. In Spa hielt Rosberg einmal dagegen und kollidierte mit dem Briten – und wurde prompt vom Team öffentlich zum Sündenbock gemacht. Danach ließ er sich beim Rennen in Suzuka kampflos vom Briten überholen und jetzt wieder in Austin.

Ex-Mercedes-Pilot Karl Wendlinger wundert sich: „Rosberg überließ Hamilton kampflos die Kurve. Er wehrte sich nicht, fuhr keine Kampflinie vor Hamiltons Attacke in der 24. Runde, sondern ergab sich seinem Schicksal. Das kann ich nicht verstehen.“

Rosberg verteidigt sich, er versucht, die Überholsituation in Austin so zu erklären: „Ich dachte, ich hätte Hamilton deutlich gemacht, dass ich die Tür vor der Kurve zumache. Aber es war wohl nicht genug. Und das ist ein ekelhaftes Gefühl.“

Dachte, denkste, hätte – so wird das eher nichts mit dem Titel, sagt Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve und lässt die Erklärung nicht gelten. „Hamilton ist in den entscheidenden Momenten einfach aggressiver. Und nur so kannst du eine WM gewinnen.“

Silberpfeil-Legende David Coulthard ist es fast peinlich, seine Analyse mitzuteilen. „Ich traue es mich kaum zu sagen, weil Rosberg zu 95 Prozent ein perfekter Pilot ist. Er ist viel besser, als ich je war. Er ist technisch versiert, und sein Sieg im reinen Trainingsduell mit Hamilton zeigt, dass er den notwenigen Speed hat. Aber was er noch nicht bewiesen hat, ist, ob er die notwendige Härte im Zweikampf hat. Das muss er in den letzten beiden Saisonrennen dringend ändern. Nicht nur wegen des Punktestandes, sondern auch wegen seiner Reputation.“

Was kann Rosberg jetzt noch tun, um die WM zu gewinnen? „Im Prinzip zweimal gewinnen und darauf hoffen, dass Lewis einmal Probleme hat“, sagt Mercedes-Motorsport-Chef Toto Wolff cool. Allein: Zu rechnen ist nicht damit. Denn der Brite hat den Lauf. Er gewann mit dem USA-GP das fünfte Rennen in Folge.

Fest steht: Seit dem Rennen in Austin können nur noch die beiden Mercedes-Piloten die WM gewinnen. Deshalb ist es für Mercedes wichtig, dass dies sauber geschieht. „Wir wollen nicht, dass die WM durch schmutzige Tricks entschieden wird.“ Soll heißen: Hamilton darf Rosberg nicht ins Auto fahren, um seinen Vorsprung zu verteidigen. Vom braven Rosberg ist das sowieso nicht zu erwarten.

Ralf Bach

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