Interview vor dem Steiermark-GP

Ex-Pilot Heidfeld über Schumacher und die Formel 1: „Der Hype um Mick nervt”

Mick Schumacher im Overall.
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Mick Schumacher bekommt wegen seinem Vater besondere Aufmerksamkeit.

Am Wochenende findet in der F1 der Steiermark-GP statt. Ex-Pilot Nick Heidfeld spricht über die Rückkehr der Spannung, Sebastian Vettel und den Wirbel um Mick Schumacher.

München - Nick Heidfeld (44) bestritt von 2000 bis 2011 insgesamt 183 Rennen in der Formel 1. Vor dem Grand Prix am Sonntag in der Steiermark (27. Juni ab 15 Uhr) spricht er über den F1-Titelkampf und Neuling Mick Schumacher.


Herr Heidfeld, wie wichtig ist es, dass Lewis Hamilton mit Max Verstappen und Mercedes mit Red Bull endlich wieder einen Gegner auf Augenhöhe hat?
Nick Heidfeld: Es ist das Wichtigste überhaupt. Obwohl es früher immer wieder Zeiten gab, wo einzelne Fahrer und Teams dominiert haben und es trotzdem nicht so langweilig war.
Gewinnt Lewis noch seinen achten Titel? Zum Leidwesen von Michael Schumacher!
Heidfeld: Selbst wenn, das schmälert nicht die Genialität und die Erfolge des anderen.
Hat Verstappen mit Sergio Perez den besseren Partner? Kann er Verstappen mehr helfen als Valtteri Bottas Hamilton?
Heidfeld: Ich glaube, dass der Bottas schon sehr stark ist. Aber auch, dass Hamilton ein absoluter Ausnahmefahrer ist. Ich bin mir sicher, dass es ihm viel mehr Spaß macht, Herausforderungen wie diese Saison zu haben. Er kann unter Druck immer etwas Spezielles aus dem Hut zaubern und volle Leistung abliefern. Natürlich nimmt er sich alle Titel gerne mit, aber so macht es letztendlich viel mehr Spaß, als wenn man keine Gegner hätte. Diese Saison, in der es enger zugeht, kann ­Lewis noch mal einen rauspacken.

Formel 1: Zweifeln über Vettel-Start - Hype um Schumacher „übertrieben“

Hat es bei Sebastian Vettel und Aston Martin jetzt endlich „Klick“ gemacht?
Heidfeld: Da würde ich gerne noch ein Rennen abwarten. Ich hoffe es aber sehr. Es ist natürlich grandios, dass er auf den zweiten Platz gefahren ist. Die Pace war auch gut, beim Rennen davor lief es auch besser. Aber ich hatte ehrlich gesagt gehofft, dass es – sobald er das Team wechselt – sofort besser wird. Als er sich am Anfang wieder schwergetan hat, habe ich angefangen zu zweifeln, ob das noch mal was wird. Jetzt freue ich mich umso mehr.
Wie macht sich Mick Schumacher bisher aus Ihrer Sicht?
Heidfeld: Er macht seinen Job bis jetzt gut. Man darf ja nie vergessen, unter welcher Beobachtung er steht. Was mir aber nicht gefällt: Welch großen Welpenschutz er in den Medien hat. Es ist klar, dass jeder hofft; „Da kommt der nächste Schumacher, und der wird auch so erfolgreich und er wird ein Superstar“. Aber da macht er sein erstes Überholmanöver in der Formel 1 und es wird hochgejubelt, als wäre es das Größte der Welt. Das finde ich von außen betrachtet ein bisschen übertrieben. Dafür kann Mick aber nichts. Ich finde es natürlich besser, dass positiv berichtet wird, als dass auf ihm herumgehackt wird. Nur das ist natürlich dann auch die Gefahr, dass das irgendwann passieren könnte.

Das Interview führte Ralf Bach

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