Legendäre Rennstrecke

Le Castellet/Circuit Paul Ricard: Formel-1-Kurs in Frankreich hat lange Geschichte

Sebastian Vettel steuert seinen Wagen über die Paul Ricard Rennstrecke.
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Sebastian Vettel steuert seinen Wagen über die Paul Ricard Rennstrecke.

Einst setzte Le Castellet neue Standards an Sicherheit und Streckenführung. Nach einer wechselvollen Geschichte kehrt die Formel 1 an die Côte d‘Azur zurück.

  • Als die Rennstrecke 1970 fertiggestellt wurde, war Le Castellet sicherheitstechnisch seiner Zeit voraus.
  • Außerdem ist die Strecke für die Mistral-Gerade bekannt.
  • Lange Zeit wurde die Rennstrecke nicht mehr verwendet.
  • Nach einem Besitzerwechsel ist die Formel 1 wieder zurück.

Le Castellet - Der Geschäftsmann Paul Ricard (91, † 1997) wollte die Gegend rund um Le Castellet an der Côte d‘Azur zu internationaler Bedeutung verhelfen. Aus diesem Grund kaufte er 1962 rund 1.000 Hektar Land und begann mit dem Bau eines Flugplatzes und einer Rennstrecke. 1970 wurde die Rennstrecke fertiggestellt.

Offizieller Name der Strecke ist Circuit Paul Ricard. Von 1971 bis 1990 fand hier die Formel 1 zum Großen Preis von Frankreich statt. Bei der Eröffnung setzte die Strecke neue Standards in Sachen Sicherheit. Sie war eine der ersten, welche die heute gängigen Curbs einsetzte, ebenso die Auslaufzonen aus Kies. Bemerkenswert war auch die „Mistral-Gerade“, eine 1,6 km lange Gerade, auf der die Fahrer richtig Vollgas geben können. Die Strecke wird wegen dieser Geraden für Testfahrten genutzt.

Ein paar Daten:

  • Streckenlänge: 5.842 Meter
  • Streckenbreite: 10 bis 12 Meter
  • Rennlänge: 309 km in 53 Runden
  • Kurven: 13
  • Fahrtrichtung Rechts im Uhrzeigersinn

Die wechselvolle Geschichte

Für knapp 20 Jahre blieb Le Castellet der Veranstaltungsort der Formel 1 im Wechsel mit Circuit de Dijon-Prenois und Charade. Im Jahr 1986 verstrich der Glanz der hoch-sicheren Strecke, als der BMW-Fahrer Elio de Angelis bei Testfahrten in der S-Kurve „La Verrière“ verunglückte. Als Unfallursache gilt der Bruch des Heckflügels während einer Geschwindigkeit von 300 km/h. Der Wagen überschlug sich mehrmals und stieß gegen die Leitplanke. Es zeigte sich, dass die Strecke nicht mehr den aktuellen Standards entsprach.

Dieser Teil der Strecke wurde anschließend nicht mehr genutzt und die Mistral-Gerade verkürzt. Ab 1991 fand der Große Preis von Frankreich nicht mehr in Le Castellet statt. Die Strecke wurde weiterhin für Testfahrten genutzt, jedoch fehlte es an Investitionen und Neuerungen für die Formel 1. Paul Ricard verstarb im Jahre 1997. Im Jahr 1999 wurde die Strecke an die Excelsis S. A. verkauft. Hier nimmt die Geschichte eine Wendung. Es folgten Investitionen und bedeutende Neuerungen.

Das neue Le Castellet

Die Strecke wurde umfassenden Modernisierungen unterzogen. Die Streckenlänge lässt sich durch optional befahrbare Schikanen und Verbindungen in gut 167 Varianten befahren und kann zwischen 5,861 km und 826 Metern variieren. Die Auslaufzonen betragen nun 25 Hektar und bestehen aus einem komplexen System aus verschiedenen Asphaltstreifen.

Dieses System wurde von dem deutschen Architekten Hermann Tilke entworfen. Die Auslaufzonen sind unterschiedlich gefärbt. In der blauen Zone sorgt bereits ein Extra-Grip für eine zusätzliche Bremsung, in der roten Zone ist der Grip-Effekt noch deutlicher zu spüren. Teilweise liegen die Reibwerte über der eigentlichen Fahrbahn. 2006 verlieh das FIA-Institut für Motorsport-Sicherheit den FIA Institute of Excellence Award. Die Strecke war der erste Preisträger.

Seit 2018 findet in Le Castellet wieder die Formel 1 zum Großen Preis von Frankreich statt. Rekordsieger auf der Strecke ist Alain Prost. Er ging in den Jahren 1983, 1988, 1989 und 1990 als Sieger hervor. Der bisherige Rundenrekord liegt bei 1:32,740 Minuten. Der Rekord wurde von Sebastian Vettel im Jahre 2019 im Formel-1-Ferrari aufgestellt.

Von Alexander Naumann

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