Interview mit dem zukünftigen Piloten

Neuer Stern am Formel-1-Himmel? Mercedes vor bahnbrechendem Wechsel

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bei Mercedes? Lewis Hamilton (von links) mit Valtteri Bottas und George Russell.
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Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bei Mercedes? Lewis Hamilton (von links) mit Valtteri Bottas und George Russell.

In der Formel 1 deutet sich eine Zeitenwende an: Kommende Saison wird Lewis Hamilton wohl einen neuen Mercedes-Kollegen haben. Jetzt spricht George Russell im Interview.

München - George Russell ist der Shooting-Star der Formel-1-Star. Dass er 2022 Mercedes fährt, pfeifen die Spatzen von den Dächern - er würde damit Valtteri Bottas nach fünf Saisons ablösen. Am Sonntag in Spa wurde er sensationell Zweiter. Unsere Zeitung sprach mit ihm.

Herr Russell, Gratulation zum zweiten Platz bei Regen in Spa. Sie fahren sich immer mehr in den Fokus der Formel-1-Welt. Woran liegt’s?
Russell: Ich hatte nichts zu verlieren, also habe ich alles in diese eine Runde gepackt. Ich hätte aber nie im Leben mit der ersten Startreihe gerechnet. Wir werden versuchen, die Position so lange es geht zu halten. Die Top fünf sind das Ziel, Punkte das Minimum.
Schon vor der Sommerpause sind Sie in Ungarn Achter geworden. Damals haben Sie sehr emotional reagiert, hatten Tränen in den Augen. Warum?
Russell: Es war das Resultat von zweieinhalb Jahren harter Arbeit mit vielen enttäuschenden Momenten. Manchmal fühlte es sich an, als würde sich der Erfolg nie einstellen. Wenn du dein Maximum gibst und es nicht genug ist, schlägt das auf die Moral. In Ungarn war das Glück auf unserer Seite.

George Russells großes Vorbild ist Michael Schumacher

Sie fahren als britischer Fahrer für ein britisches Traditionsteam. Was bedeutet das für Sie? 
Russell: Ich weiß, dass das ein Privileg ist. Dieses Wochenende ist deshalb auch ganz besonders für mich. Ich fahre meinen 50. Formel-1-GP. Manchmal muss ich mich kneifen, wie unglaublich es ist, dass ich Formel-1-Autos bewegen darf, um die Welt reise und das tue, was ich liebe.
Williams hat eine große Historie. Interessieren Sie sich für Formel-1-Geschichte?
Russell: In der Schule war ich nie gut in Geschichte (lacht). Ich mochte Mathe lieber. Aber mit der Williams-Historie kenne ich mich aus. Als ich zum Team gekommen bin, habe ich mich erst mal in die legendären Autos im Museum gesetzt.
Wenn Sie schon in den alten Williams-Rennern saßen, welcher der ehemaligen Piloten war Ihr Idol?
Russell: Das war Michael Schumacher. Meine Eltern haben mir einen kleinen Rennanzug von Michael gekauft, als ich ungefähr drei Jahre alt war und ein kleines Quad fuhr. Zu der Zeit hat Michael alles gewonnen, was es in der Formel 1 zu gewinnen gab. Und als Kind liebst du es einfach, wenn deine Lieblingsfarbe, also Rot, ständig vorne fährt und siegt. Michael war also mein erster Held.
Was hat Sie an Schumacher beeindruckt?
Russell: Ich versuche mir von jedem großen Fahrer das Beste raus zu picken. Michael hat nie aufgegeben, alles für den Sieg gegeben. Natürlich war er auch sehr talentiert.

George Russell über seine Zukunft bei Mercedes

In der kommenden Saison wird George Russell (r.) neben Lewis Hamilton (l.) im Mercedes Platz nehmen.
Ihre eigene Zukunft könnte im Mercedes liegen. Sie wirken relaxt hinsichtlich Ihrer Zukunft. Warum?
Russell: Weil ich weiß, dass sich Mercedes um mich kümmert. Sie haben mir gesagt: Wenn du performst, sorgen wir für dich. Ich muss mich nur um eine Sache kümmern: dass ich meine Leistung bringe.
Fühlen Sie sich bereit, gegen die Stars wie Hamilton, Verstappen, Leclerc um die WM zu fahren?
Russell: Absolut. Ich verbessere mich immer noch stetig, fühle mich aber bestens präpariert für den WM-Fight. Diese drei Jahre bei Williams haben mir so viel beigebracht. Wie man mit Enttäuschungen umgeht, aber auch mit einem schwierig zu fahrenden Rennwagen. Ich bin bereit – und will um Siege und WM-Titel fahren!
In Ungarn haben Sie bei Williams zudem gezeigt, welch ein Teamplayer Sie sein können, als Sie ihrem Teamkollegen Nicholas Latifi per Boxenfunk Unterstützung zusicherten. Das dürfte doch auch ein gewichtiges Argument für Toto Wolff sein…
Russell: Das ist alles hypothetisch. Ich sage aber immer: Ich würde es lieben, gegen Lewis in einem Team zu fahren. Er ist der beste Fahrer aller Zeiten – allein der Statistik wegen. Für mich wäre es eine tolle Möglichkeit, mich gegen den Besten zu beweisen und vom Besten zu lernen. 

George Russell über zukünftige Duelle gegen Mick Schumacher

Sie bewunderten Michael Schumacher, jetzt kämpfen Sie gegen seinen Sohn in der Formel 1. Wird auch er seinen Weg gehen?
Russell: Mick macht einen großartigen Job. Ich war auch mal in seiner Position, wo du an jedem Rennwochenende um die letzten Positionen kämpfst und das Auto schwer zu fahren ist. Das macht es doppelt schwer, denn ein schwierig zu fahrendes Auto zwingt dich in Fehler. In einem schlechten Auto ist es leicht, Fehler zu machen. Aber ich sehe auch: Er hat die richtige Einstellung und Arbeitsethik. Er wird noch lange in der Formel 1 sein.
Und dann auch gegen Sie um die WM kämpfen?
Russell: Gut möglich. Ich bin sicher, dass er in ein paar Jahren im Ferrari sitzt.
Sie im Mercedes, Mick im Ferrari, das wäre doch eine tolle Story.
Russell: (lacht wieder verschmitzt) Das haben Sie gesagt!

Das Interview führte Ralf Bach.

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