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Haas-Teamchef Steiner im Interview: Schumacher-Zukunft? „Alles ist offen“

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Mick Schumacher, Haas Chef Steiner Formula 1 2022
Haas-Pilot Mick Schumacher (l.) und Chef Günther Steiner - wie lang arbeiten sie noch zusammen? © Mark Sutton via www.imago-images.de

Wie lange bleibt Mick Schumacher noch bei Haas? Teamchef Günther Steiner verrät im Interview, wie er sich die Zukunft seines Rennstalls vorstellt.

München - Seine Karriere begann 1986 als Mechaniker – inzwischen leitet der Südtiroler Günther Steiner (57) das US-amerikanische Haas-Team, in dem Mick Schumacher seine erste Formel-1-Saison bestreitet. Das tz-Interview: 

Herr Steiner, Audi hat den Einstieg in die Formel 1 verkündet, allerdings das Team noch nicht benannt. Steht Haas zur Debatte?

Günther Steiner: Nein, Sie wissen ja auch, mit wem Audi kommt.

Sauber.

Steiner (lacht): Genau! Wir sind es jedenfalls nicht.

Das Hauptthema, um das es sich aktuell bei Ihnen dreht, sind die Fahrer. Mick Schumacher hat noch keinen Vertrag für 2023. Wovon hängt es ab, ob Sie ihn behalten wollen?

Steiner: Am Ende auch vom Gefühl. Gehen wir das Risiko ein mit einem neuen Fahrer wie Daniel Ricciardo, der bei McLaren aber eine schwierige Zeit hinter sich hat? Oder bleiben wir bei einer bekannten Größe? Wenn Du beim Risiko gewinnst, stehst Du als Held da. Sonst bist du der Volltrottel.

Wenn Sie sich bei anderen Piloten nicht so sicher sind, warum ist eine Verlängerung mit Mick dann trotzdem nicht selbstverständlich?

Steiner: Wer sagt denn überhaupt, dass er gehen soll? Ich sage: Alles ist offen. Das heißt auch, dass Mick bleiben könnte.

Was spricht für Mick?

Steiner: Er muss Leistung bringen.

„Seine Leistungen in Kanada, Silverstone und Österreich sprechen für Mick“

Okay, aber was spricht bisher für Mick?

Steiner: Seine Leistungen in Kanada, Silverstone und Österreich. Die sprechen für ihn. Deswegen: Wir sind ja fair. Aber ich muss jetzt auch nicht schnell jemanden bekanntgeben, nur um die Öffentlichkeit zufriedenzustellen.

Haben Sie denn keine Angst, dass Sie ihn an ein anderes Team verlieren könnten?

Steiner: Angst habe ich nie.

Und Sorgen?

Steiner: Nein. Wenn er gehen will, dann soll es so sein. Dann ist es unsere eigene Schuld und dann werden wir eine andere Lösung finden.

Nach welchen Kriterien beurteilen Sie Fahrer?

Steiner: Speed, Potenzial für die Zukunft, wie arbeitet er mit dem Team, wie harmonisch läuft es? Der größte Faktor ist Leistung.

Wie schnell ist Mick Schumacher?

Steiner: Ich weiß es nicht.

Wie bitte?

Steiner: Ich weiß noch nicht, wie konstant schnell er ist. Ich glaube auch nicht, dass er es selbst weiß, denn sonst würde er ja konstant Leistung bringen. Ich glaube, er muss weiter Erfahrung sammeln. Erfahrung ist aber nicht wie Schokolade. Erfahrung schmeckt nicht immer süß.

Wie gut ist er im Umgang mit dem Team? Man hört, er soll sich da vieles bei seinem Vater Michael Schumacher abgeschaut haben.

Steiner: Ich habe mit seinem Vater nie gearbeitet, kann dazu deshalb nichts sagen. Wir müssen auch langsam von seinem Vater wegkommen: Mick ist eine eigene Persönlichkeit. Ich respektiere seinen Vater, aber wir müssen jetzt Mick Schumacher aufbauen. Er kommt mit seinem Renningenieur sehr gut aus, mit dem Rest vom Team auch. Dahingehend macht er einen guten Job.

„Wir wollen die besten verfügbaren Fahrer haben. Um Geld geht es nicht“

Können Sie verstehen, dass uns das aus deutscher Sicht interessiert?

Steiner: Natürlich. Ich verstehe das komplett. Ich bin ja nicht ganz doof.

Die deutschen Fans fragen sich natürlich: Wer ist denn aktuell auf dem Markt, der besser sein könnte?

Steiner: Wer besser ist, da muss ich nachdenken. Wenn ich es wüsste, würde ich ja die Entscheidung treffen. Wir wollen die besten verfügbaren Fahrer haben. Um Geld geht es nicht. Wir haben es letztes Jahr mit zwei Rookies probiert, als wir sowieso wussten, dass wir keine Punkte holen. Einer ist übrig geblieben. Das ist Mick. Und der muss jetzt halt beißen, um noch mal übrig zu bleiben. Meine Aufgabe ist, herauszufinden: Wo liegt das größte Potential für Haas F1 mit dem kleinsten Risiko. Hülkenberg wäre ein Risiko, Ricciardo wäre ein Risiko. Alle sind Risiken außer Hamilton oder Verstappen. Aber die kommen nicht.

Aber umgedreht wäre Mick Schumacher dann ja das kleinste Risiko, weil seine Parameter bekannt sind.

Steiner: Da muss ich Ihnen diesmal Recht geben. Von den Leuten, die auf dem Markt sind, ist er das kleinste Risiko. Das heißt aber noch lange nicht, dass wir das kleinste Risiko gehen wollen.

Welche Rolle spielen für Sie die Nebengeräusche, die der Name aktuell verursacht? Konkret die Kritik von Ralf Schumacher und Sky Deutschland beispielsweise.

Steiner: Das spielt keine Rolle. Das hat ja nichts mit Mick zu tun. Das ist ja nicht er, der das sagt. Wir haben auch drüber gesprochen. Und ich habe ihm gesagt: Ich bin’s langsam satt, dieses blöde Gerede. Ich habe aber kein Problem damit, was dein Onkel sagt.

Und wie geht’s weiter?

Steiner: Teambesitzer Gene Haas und ich entscheiden zusammen, wobei Gene mich logischerweise überstimmen kann. Wir reden in Ruhe, wenn er nach Zandvoort und Monza kommt.

Das heißt: Entscheidung Mitte bis Ende September?

Steiner: Netter Versuch. Schauen wir mal.

Interview: Ralf Bach

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