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Deutscher Formel-1-Star sucht neue Herausforderung - jetzt sitzt er im „Lenkmonster“

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Von: Marcus Giebel

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Für ihn steht die Ampel in der Formel 1 wohl auf Rot. Vielleicht findet er in den USA sein neues Racing-Glück. Wobei die erste Testfahrt von Nico Hülkenberg einige Tücken bereithielt.

München - Nico Hülkenberg hat viel Geduld bewiesen. Seit seinem Aus als Stammfahrer bei Alpine-Vorgänger Renault nach der Saison 2019 begnügte er sich mit der Rolle als Ersatzpilot. Im vergangenen Jahr absolvierte der Emmericher so drei Rennwochenenden für Racing Point, als deren Stammfahrer Sergio Perez respektive Lance Stroll mit einer Corona-Infektion ausfielen.

Im Jahr 2021 hält er sich für Mercedes und Aston Martin - dem Nachfolger von Racing Point - für den Fall der Fälle bereit. Doch es sieht nicht so aus, als würde noch ein weiteres Formel-1-Rennen zu seinen 179 Starts hinzukommen. Für die kommende Saison ist nur noch ein Cockpit frei und für den Fahrersitz im Alfa Romeo werden andere Namen gehandelt.

Hülkenberg verlässt die Formel 1: „Alles sortieren und schauen wie‘s weitergeht“

Hülkenberg hatte bereits Anfang September erklärt, sich anderweitig umschauen zu wollen. „Das Leben geht weiter. Ich habe spannende Anfragen aus anderen Serien und gerade keine Eile, eine Entscheidung zu treffen. Ich werde alles sortieren und schauen wie’s weitergeht“, betonte der 34-Jährige damals in der Bild.

Eine Spur könnte in die USA führen, wo auch die Formel 1 gerade erst Halt machte. Dort wird Racing pur noch intensiver gelebt als in Europa. Auf Ovalkursen das Material zu Höchstleistungen getrieben. Wie schwer aber auch die Fahrer im Cockpit arbeiten müssen, erlebte „Hülk“ bei einem Test für die IndyCar Series.

Nico Hülkenberg trägt seinen Helm unter dem rechten Arm
Auf zu neuen Ufern: Nico Hülkenberg kehrt der Formel 1 wohl endgültig den Rücken und sucht sein Glück in den USA. © IMAGO / HochZwei

Hülkenberg verlässt die Formel 1: 108 Runden in einem US-Boliden ohne Servolenkung

Die Serie hat ihre Saison bereits beendet, Champion wurde in seinem erst zweiten Jahr der Spanier Alex Palou. Hülkenberg nahm für einen Testtag im McLaren-Chevrolet des Schweden Felix Rosenqvist Platz. Den Kontakt hatte Andreas Seidl, Teamchef des F1-Teams von McLaren, hergestellt. Auf dem 3,7 Kilometer langen und mit 15 Kurvenkombinationen versehenen Barber Motorsports Park in Birmingham im US-Bundesstaat Alabama drehte er 108 Runden.

Dabei blieb der frischgebackene Familienvater knapp eine Sekunde über der Tagesbestzeit. Was ihm am meisten zu schaffen machte: Die US-Boliden haben keine Servolenkung. „Ich kann bestätigen, dass diese Lenkmonster körperlich sehr anstrengend sind“, schnaufte Hülkenberg nach getaner Arbeit durch: „Ich habe am Vormittag eine Weile gebraucht, bis ich mich wohlgefühlt habe. Aber am Nachmittag sind die Rundenzeiten und die Performance besser geworden und es war ein großer Spaß.“

Hülkenberg verlässt die Formel 1: Teampräsident attestiert „wirklich guten Job“

Teampräsident Taylor Kiel zeigte sich im Gespräch mit motorsport.com durchaus beeindruckt: „Zum einen ist es schon schwierig, 108 Runden zu drehen, wie Nico es getan hat.“ Dazu sei zu bedenken, dass Hülkenberg seit einiger Zeit kein Formel-Auto mehr gesteuert habe: „Er hat die Herausforderung angenommen und einen wirklich guten Job gemacht, alles was wir von ihm gefordert haben und ohne einen Fehler. Das war ein guter Tag.“

Kiel, der es amüsant fand, einen solch erfahrenen Racer wie einen Rookie an die Tücken des Fahrzeugs heranführen zu müssen, erwartet keine weitere Testfahrt für Hülkenberg. Ob das Team Arrow McLaren SP, das neben Rosenqvist noch den Mexikaner Patricio O‘Ward als Stammfahrer beschäftigt, und der langjährige F1-Pilot zusammenkommen, soll auf Grundlage der nun gemachten Erfahrungen entschieden werden.

Nico Rosberg (l.) und Nico Hülkenberg sitzen nebeneinander und halten Mikrofone in der Hand
Formel-1-Vergangenheit: Nico Rosberg (l.) hat seine Motorsport-Karriere beendet, für Nico Hülkenberg ist im dritten Jahr nacheinander kein Cockpit dabei. © IMAGO / Motorsport Images

Hülkenberg verlässt die Formel 1: McLaren will in IndyCar Series erst 2023 drittes Auto Vollzeit starten lassen

Allerdings ist bereits jetzt klar, dass Hülkenberg 2022 lediglich bei ausgewählten Rennen starten könnte. „Wir werden nächstes Jahr definitiv kein drittes Auto in Vollzeit einsetzen“, betonte McLaren-Geschäftsführer Zak Brown dem Bericht zufolge: „Wir werden ein Auto in Indianapolis einsetzen und wir beabsichtigen, später im Jahr erneut ein drittes Auto zu bringen. 2023 wollen wir dann ein Vollzeitprogramm mit dem dritten Auto.“

Allerdings schließt Hülkenberg aus, direkt auf einem der prestigeträchtigsten Fullspeed-Kurse sein Debüt zu geben. „Ich werde wahrscheinlich auch nicht sofort ins kalte Wasser springen und diese Superspeedways fahren“, zeigte er sich ehrfürchtig vor den besonderen Herausforderungen, die der US-Motorsport bietet: „Ich werde erst einmal im Kleinen anfangen. Erst einmal ein Test und dann ein Rennen in diesen kleinen, langsameren Ovalen.“

Grundsätzlich aber fiebert er einer neuen Chance entgegen. Bei Sky sagte der Blondschopf am Rande des US-Grand-Prix-Wochenendes: „Ich vermisse schon das Adrenalin, den Wettkampf, diese Spannungsspitzen. Formel 1 denke ich, ist der Zug abgefahren, und darum muss ich mir eine andere, coole Alternative suchen. Und ich glaube, die habe ich mit IndyCar.“ Nun soll sich seine Geduld auch auszahlen. (mg)

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