Formel 1

Mercedes-Formel-1-Teamchef: „Ich kann mit Ferrari fühlen“

+
Mercedes-Formel-1-Teamchef Toto Wolff im Interview.

Auf geht’s zur Mission impossible heißt es für Sebastian Vettel, alles klar für den vierten WM-Titel bei Lewis Hamilton. Mercedes-Teamchef Toto Wolff kann mit Ferrari fühlen. 

Am Sonntag in Austin (21 Uhr, Sky und RTL) muss der Deutsche alles daran setzen, möglichst weit vor dem Mercedes-Mann zu landen. Doch das hat sich bisher in Texas als fast unmöglich erwiesen. 

Formel 1: So sehen Sie den Großen Preis der USA live im TV und im Live-Stream

Bei vier der bisherigen fünf Rennen in den USA siegte Hamilton. Gelingt ihm das am Sonntag erneut, muss Ferrari-Ass Vettel mindestens Fünfter werden, um die Titel-Entscheidung wenigstens bis Mexiko in einer Woche zu vertagen. Noch weiter in die Zukunft blickt Mercedes-Teamchef Toto Wolff im zweiten Teil des tz-Interviews.

Herr Wolff, die Saison ist in der entscheidenden Phase – trotzdem ein Blick in die Zukunft: Wie stellen Sie sich den Motor ab 2021 vor? Und was denken Sie über eine Budgetbeschränkung?

Wolff: Eine komplette Neuentwicklung der Motoren wäre falsch. Man sollte so viel wie möglich vom jetzigen Antriebsstrang behalten. Eine Budget­obergrenze wäre gut. Wir alle wollen am Ende des Tages Gewinne einfahren. Kann man es kontrollieren? Ich weiß es nicht. Am allerwichtigsten für die Formel 1 ist der sportliche Wettbewerb. Und er stimmt dieses Jahr.

Der Titel ist aber noch nicht unter Dach und Fach, oder?

Wolff: Wir sehen einen der härtesten WM-Kämpfe seit langer Zeit und wir müssen weiter alles geben, um diese Saison für uns zum Erfolg zu machen. Unser Auto ist immer noch eine Diva, die wir verstehen müssen. Auch mittelfristig gesehen. Wenn man sich unsere Performance anschaut, sind wir unseren Konkurrenten gegenüber nicht total überlegen. Wir haben auch von Ferraris Pech und Zuverlässigkeitsproblemen profitiert. Aber Ferraris Entwicklung von 2016 auf 2017 war unglaublich, solche Rückschläge sind Teil der Entwicklungskurve eines jeden Teams.

Es kann schnell gehen in der Formel 1: Jetzt sind Sie weit vorn, in Singapur saßen Sie nach der Klatsche im Qualifying minutenlang alleine in der Box und wirkten wie zur Salzsäule erstarrt.

Wolff: Ja, weil mir Verlieren extrem nahe geht. Ich versuchte mir rational zu erklären, was gerade zuvor passiert ist. Wo unser Rückstand herrührte. Aber Formel 1 ist manchmal eine Wissenschaft für sich. Ich kann deshalb jetzt auch mit Ferrari mitfühlen.

Es gab Zeiten, da wollten Sie Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene sogar „mal aufs Maul hauen“.

Wollf (lacht): Ja, irgendjemand sagte mal, dass sich Arrivabene und ich so gut verstehen. Da meinte ich: „Aber nicht während des Rennens.“ Da möchte ich ihm am liebsten eine reinhauen. Wir haben die Rugby-Mentalität in uns: Kampf bis aufs Blut während des Spiels, danach sind wir aber in der Lage, zusammen ein Bier zu trinken. Vor allen Dingen verstehen wir beide, dass wir uns in der Formel 1 auf einer gemeinsamen Plattform bewegen. Und die können wir nur gemeinsam erfolgreich machen.

Apropos gemeinsam: Im Vergleich zum Duo Hamilton – Rosberg wirkt die Kombination Hamilton – Bottas wie aus dem Priesterseminar. Haben Sie rechtzeitig zum Erstarken von Ferrari ein Traumduo?

Wolff: Wenn sich zwei Piloten verstehen, ist das gut für die Teamdynamik. Man muss sich dann nicht ständig mit irgendwelchen Scharmützeln beschäftigen. Jetzt haben wir eine völlig neue Dynamik und Zeit für andere Dinge. Die Frage ist, was danach kommt? Wollen wir diese Mischung beibehalten? Oder ist die nu­kleare Variante besser für uns?

Wie nervig war es denn nun wirklich?

Wolff: Es war aufwändig. Aber am Ende des Tages sind wir ein Sportteam und nicht eine Heile-Welt-Familie. Rivalität zwischen den Fahrern kann gut und wichtig für die Leistung sein, weil sie sich gegenseitig antreiben. Sie kann aber auch schlecht sein, wenn sie sich gegenseitig Punkte wegnehmen.

Interview: Ralf Bach

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Schumi-Unfall: YouTube-Videos sorgen für Entsetzen bei Fans
Schumi-Unfall: YouTube-Videos sorgen für Entsetzen bei Fans
Hamilton hält Schumachers WM-Rekord für unrealistisch
Hamilton hält Schumachers WM-Rekord für unrealistisch
Wolff rechnet 2018 mit Dreikampf um Formel-1-WM
Wolff rechnet 2018 mit Dreikampf um Formel-1-WM
FIA gründet Hall of Fame: Schumacher, Vettel und Rosberg dabei
FIA gründet Hall of Fame: Schumacher, Vettel und Rosberg dabei

Kommentare