Leise Motoren, zu wenig Racing, zu wenig Show

Formel 1 in der Krise - Vorbild NASCAR?

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NASCAR ist in den USA ein Zuschauer­magnet.

München - Die Zuschauer schwinden, vergangenes Jahr verlor die Formel 1 weltweit 25 Millionen Zuschauer. Echten Motorsport liefern andere, zum Beispiel der NASCAR-Sprint-Cup in den USA.

Die Tore auf dem Nürburgring hatten vergangenes Wochenende geöffnet – für Touristenfahrten. Der Deutschland Grand Prix fiel aus, weil die Ausrichter zuletzt immer wieder Verluste einfuhren. Nürburgring-Geschäftsführer Carsten Schumacher war nicht mehr bereit, die von Bernie Ecclestone aufgerufene Antrittsgage in zweistelliger Millionenhöhe an den Chefpromoter der Königsklasse zu überweisen. Am Sonntag fahren Weltmeister Lewis Hamilton & Co. ihre Runden in Ungarn (14.00 Uhr/RTL und Sky), aber in fast allen europäischen Kernländern steckt der PS-Zirkus in der Krise. Der Grand Prix von Frankreich wurde vor Jahren gestrichen, für 2016 wackelt Monza aus finanziellen Gründen. Auch der belgische Grand Prix in Spa steht immer wieder einmal auf der Kippe. Nur in totalitär geführten Ländern wie Bahrain oder Abu Dhabi klingelt noch die Kasse. Im nächsten Jahr drehen Vettel und Co. erstmals in Aserbaidschan ihre Runden. Doch die Motorshow der früheren Jahre findet in der Formel 1 nicht mehr statt. Die Boliden sind leiser, die technischen Entwicklungen immer komplizierter. Die Zuschauer sind genervt und schwinden, vergangenes Jahr verlor die Formel 1 weltweit 25 Millionen Zuschauer.

Echten Motorsport liefern andere, zum Beispiel der NASCAR-Sprint-Cup in den USA, der dieses Wochenende beim Jeff Kyle 400 at the ­Brickyard Race auf dem legendären Oval in Indianapolis (21.50 Uhr, Motorvision TV) gastiert. Dient die NASCAR-Serie als Vorbild für die Formel 1? In puncto Nähe und Kontakt zu den Fans ist sie der Formel 1 weit voraus. Die Boxengasse und das Fahrerlager sind vor den Rennen frei zugänglich, es gibt Pre-Race-Shows und die Zuschauer campieren mit ihren Wohnwägen im Innenraum der Stadien. Läuft das Race, können die Fans den Boxenfunk über Kopfhörer mitverfolgen.

Die Technik in den Autos (5,8 Liter V8, 160 db) ist simpel und im Gegensatz zu einem Formel-1-Boliden (1,6 Liter Turbo V6, 130 db) leichter zu verstehen. Eine Teamorder ist verboten, der Unterhaltungswert ist durch die vielen Tür-an-Tür-Kämpfe bei 300 km/h sehr hoch. Auch weil es im Oval (bis zu 150) deutlich mehr Überholmanöver als auf den Formel-1-Kursen (circa 20) gibt. Während in der Formel 1 Nico Rosberg und Lewis Hamilton (beide Mercedes) acht von neun Rennen gewannen, gab es im Sprint Cup zehn verschiedene Sieger bei bisher 21 Rennen. Und, die NASCAR hat sogar eine Fahrerin zu bieten: das US-Girl Danica Patrick (33) fährt seit 2012 in der Serie. Ein weibliches Gesicht im Fahrerfeld würde Vermarktungsfuchs Ecclestone sicher auch gut stehen.

Formel 1 Nascar
Rennanzahl 19 36
Renndauer max. 120 Min. 150 – 270
Topspeed 350 km/h 325 km/h
Fahrerfeld 20 Fahrer 43 Fahrer
Fahrzeugkosten 1,3 Mio € 230.000 €
Ticketpreise 150 – 700 € 32 –160 €
Zuschauer 300 Mio. 80 Mio.
Preisgelder 2 – 7,8 Mio. €
(pro Rennen pro Team)
4,5 – 20 Mio. €
Alltime-Stars M. Schumacher J. Johnson

Mathias Müller

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