Es geht ums Prinzip

Formel-1-Zoff erreicht nächstes Level: Teams schwärzen sich gegenseitig bei der FIA an

Erst hatte sich Mercedes bei der FIA beschwert. Jetzt schlägt Red Bull zurück. Es soll aber keine Retourkutsche sein, sondern eine normale Vorgehensweise.

Le Castellet - Red Bull ist gerade auf dem Höhenflug in der Formel-WM. Nach seinem Sieg in Le Castellet führt der niederländische „Mozart der Königsklasse“ Max Verstappen (23) mit zwölf Punkten auf Mercedes-Superstar Sir Lewis Hamilton (36) die Fahrerwertung an. Bei der Konstrukteurswertung haben die Österreicher ebenfalls den Hut auf. Hier haben sie 37 Zähler mehr auf dem Konto als Mercedes, der Seriensieger der vergangenen sieben Jahre.

Formel 1: Die Front-Flügel von Mercedes beschäftigen weiterhin Red Bull

Allein: Auf die faule Haut legen kommt aber nicht infrage. Vor den beiden Rennen in Spielberg (hier im Live-Ticker) will Red Bull weiter Druck machen, auf und neben der Strecke. Besonders bei den flexiblen Vorderflügeln von Mercedes lässt Red Bull nicht locker. Weil man der Meinung ist, dass sich die Frontspoiler bei den „Silberpfeilen“ mehr verbiegen als das Reglement erlaubt.

„Wir haben die FIA darauf aufmerksam gemacht, dass sie das prüfen sollen“, sagt Chefberater Helmut Marko (78) zur tz. Marko weiter: „Das ist eine ganz normale Vorgehensweise. Wenn man der Meinung ist, dass ein anderes Team das Reglement zu arg strapaziert und eine Grauzone in den roten Bereich geht, muss man für Klärung sorgen. Wir verlassen uns auf das Urteil der FIA und die Maßnahmen, welche die Motorsportbehörde dann ergreift. Wenn es die Klarstellung gibt, sind wir zufrieden.“ Von einer Retourkutsche will der Doktor der Rechtswissenschaften aber nichts wissen.

Bei seinem höchsten Angestellten klingt das schon etwas anders. Hintergrund: Red-Bull-Teamchef Christian Horner hat nicht vergessen, dass Mercedes nach dem GP von Barcelona mit dem Finger auf die extrem biegsamen Heckflügel von Red Bull gezeigt hat und die FIA daraufhin die Tests für Heckspoiler verschärft hat. Für das Rennen in Frankreich musste Red Bull seinen Heckflügel so verstärken, dass er auch die neuen, härteren Tests der FIA bestehen konnte.

Formel 1: Red Bull fühlt sich zu Unrecht angeprangert

Horner: „Es wurden Anschuldigungen gemacht. Aber wir haben uns an die Regeln gehalten und die Art und Weise, wie wir darauf reagiert haben, zeigt meiner Meinung nach, dass unsere Leistung nicht auf der Flexibilität des Heckflügels basiert“, sagt Horner. Er fühlte sich zu Unrecht angeprangert, deshalb sei der Sieg beim GP Frankreich die richtige Antwort auf die Anfeindungen gewesen. Sein Boss Marko redet Klartext: „Unser Sieg in Frankreich hat aber schon bewiesen, dass wir keinen Wettbewerbsvorteil hatten.“

Worum es Red Bull geht: Die Heckflügel-Versteifung kostete mehr als eine halbe Million Euro. Jetzt erwarten die Österreicher deshalb, dass auch Mercedes seine Frontspoiler nachträglich bearbeiten muss. Und ebenfalls eine Summe freimachen muss, die nicht im Budget geplant war. Dass der Mercedes dadurch schwächer wird, glaubt indes niemand. Es geht aber ums Prinzip.

Rubriklistenbild: © Francois Mori/dpa

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