Youngster will endlich wieder F1 fahren

Angeschlagener Wehrlein im tz-Interview: „Brenne auf den Einsatz“

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Will in Bahrain seinen Saisoneinstand geben: Pascal Wehrlein fühlt sich bereit für den Start.

München - Die ersten beiden Saison-Rennen hat Pascal Wehrlein verletzt verpasst. Umso mehr fiebert der Youngster seinem Debüt für Sauber entgegen.

Pascal Wehrlein (22) stemmte rund 9000 Kilometer entfernt fleißig Gewichte für seine Formel 1-Rückkehr - und trotzdem wurde in Shanghai viel über den Sauber-Piloten gesprochen. Wehrleins Verletzung sorgte im Fahrerlager für Wirbel. Am Wochenende in Bahrain soll er nun wieder starten. Das tz-Interview:

Herr Wehrlein, wie erleichtert sind Sie, dass Sie endlich wieder fahren können?

Wehrlein: Sehr. Ich brenne auf den Einsatz. Nach einem Spezialtraining in Salzburg fühle ich mich jetzt bereit.

Warum konnten Sie in Melbourne nicht fahren?

Wehrlein: Ich war nicht fit genug, das musste ich dem Team und mir nach dem ersten Trainingstag leider eingestehen. Der Trainingsrückstand war damals einfach noch zu groß, um ein ganzes Rennen zu fahren.

Wie schwer ist Ihre Verletzung wirklich, die Sie sich beim Race of Champions zugezogen haben?

Wehrlein: Durch den Überschlag wurde der Rücken extrem gestaucht und es gab drei kleine Haarrisse im Bereich der Brustwirbel. Ein Normalbürger hätte nach ein paar Tagen seinen Job wieder aufnehmen können, aber bei einem Leistungssportler ist das nicht der Fall. Das Problem ist, dass die Formel 1 nicht so funktioniert wie Fußball. Wenn ein Fußballprofi nach einer Verletzung wieder zurück im Kader ist, kann man ihn im Spiel ein- oder auswechseln und so langsam aufbauen. Das aber ist in der Formel 1 nicht möglich.

Deutsche Piloten haben diese gewisse Historie bei Sauber: Michael Schumacher, Heinz-Harald Frentzen, Nick Heidfeld und Nico Hülkenberg fuhren schon für diesen Rennstall. Wie deutsch ist das Sauber-Team?

Wehrlein: Die meisten sprechen Deutsch in der Fabrik. Ich wohne nur knapp zwei Stunden von der Fabrik in Hinwil weg. Das alleine verbindet schon mal. Sogar der Dialekt in der Züricher Gegend ist dem meiner Heimatregion nicht unähnlich. Wir würden uns auch noch verstehen, wenn andere Untertitel bräuchten. Aber ansonsten ist Sauber ein hochprofessionelles internationales Team.

Hamilton erwartet respektvolles WM-Duell mit Vettel

Wann haben die Gespräche mit Sauber begonnen?

Wehrlein: Schon im Sommer gab es die ersten Kontakte, aber richtig konkret wurde es um den Brasilien-GP herum. Danach ging es dann, wie man so schön sagt, ums Eingemachte. Als es endlich grünes Licht gab, war ich erleichtert. Denn schon im Sommer hat sich Sauber zu meinem Wunschteam herauskristallisiert.

Obwohl Sie die Chance hatten, nach Rosbergs Rücktritt ins Mercedes Werksteam zu wechseln?

Wehrlein: Diese Chance bot sich ja erst im Dezember. Selbst beim letzten Rennen in Abu Dhabi wusste ja außer Nico noch niemand, dass er zurücktreten würde. Natürlich hofft man dann, es könnte klappen, ins Weltmeisterteam zu wechseln. Aber als sie sich für Valtteri Bottas entschieden hatten, hielt sich meine Enttäuschung in Grenzen. Weil für mich ja der ursprüngliche Plan A in Erfüllung ging.

Wie hat man Ihnen bei Mercedes erklärt, warum man Sie noch nicht reif für das Duell mit Hamilton hielt?

Wehrlein: Toto Wolff (Mercedes-Motorsportchef, d. Red.) sagte, er wolle mich nicht verheizen. Sie würden aber weiterhin an mich glauben und mich lieber in Ruhe aufbauen.

Haben Sie das verstanden?

Wehrlein: Von Mercedes-Seite aus schon. Ich denke, sie hatten drei Szenarien im Kopf. Man setzt mich in den Mercedes, weil man schon jetzt an meine Siegfähigkeit glaubt und riskiert damit eine Menge. Man glaubt an meine Zukunft und gibt mich zu Sauber. Oder man glaubt nicht an meine Zukunft und bringt mich zurück zur DTM.

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Wie war Ihr erster Eindruck von der Sauber-Fabrik?

Wehrlein: Unglaublich. Ich hatte ja vorher nur von ihrer Fabrik gehört und dem speziellen Windkanal. Als ich das erste Mal hingefahren bin, war ich baff. Ich denke, in dem Team steckt ein Riesenpotenzial. Aber man muss auch ein wenig Geduld haben.

Letzte Trainingsfahrt: Seit dem ersten Tag des Australien-Wochenendes saß Pascal Wehrlein nicht mehr am Steuer des Sauber.

Haben Sie Geduld?

Wehrlein: Die habe ich im vergangenen Jahr bei Manor gelernt. Bis zu meinem Formel-1-Debüt war ich es nur gewohnt, um Podiumsplätze, Siege und Titel zu fahren. Dann ging ich zu Manor und musste umdenken. Das Team war gut, aber im Vergleich zu den Topteams hatten wir keine Chance, auch nur annähernd mitzuhalten. Als ich auf dem Red-Bull-Ring den WM-Punkt gewinnen konnte, wurde das im Team gefeiert wie ein WM-Titel. Als ich dann in der zweiten Saisonhälfte meinen Mercedes-Juniorkollegen Ocon als Teamkollegen zur Seite bekam, entstand eine extreme Konkurrenzsituation. Hätte ich ihn im Duell nicht geschlagen, wäre meine Zeit in der Formel 1 womöglich vorbei gewesen…

…die Karriere von Ocon ging aber erstaunlicherweise weiter!

Wehrlein: Auch die Karriere von Ocon liegt im Ermessen von Mercedes. Dafür bin ich der falsche Ansprechpartner. Jedenfalls stellte ich bei Manor fest, dass es vielleicht sogar die größere Herausforderung ist, mit einem Team zu wachsen.

Kann man sich dann nicht auch vorstellen, längerfristig bei Sauber zu fahren. Nicht nur ein Jahr?

Wehrlein: Solange ich bei Mercedes unter Vertrag stehe, wird dort über meine Zukunft entschieden. Ginge es nach mir, könnte ich mir schon jetzt in der Tat vorstellen, länger bei Sauber zu fahren.

Interview: Ralf Bach

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