„Das finde ich frustrierend“

Vettel kritisiert Formel 1 massiv und zeigt sich „inspiriert“ von Greta Thunberg - „Ernst der Lage nicht begriffen“

Sebastian Vettel sprach sich in einem Interview offensiv für mehr Nachhaltigkeit im Motorsport aus. Der 33-Jährige fordert ein Umdenken in der Formel 1.

  • Formel-1-Fahrer Sebastian Vettel ist ein Sportler, der sich über die bewegenden Themen der Welt Gedanken macht.
  • Der ehemalige Ferrari-Pilot fordert ein Umdenken im Motorsport und mehr Nachhaltigkeit.
  • Die Klima-Aktivistin Greta Thunberg sei für den Hessen „eine Inspiration“.

Frankfurt - In der Formel 1 hat Sebastian Vettel seit seinem Debüt 2007 viel erlebt, neben vielen positiven Erlebnissen wie seinen vier Weltmeistertiteln stand der Hesse in der abgelaufenen Saison eine waschechte sportliche Krise durch. Vor seinem Wechsel zu Aston Martin zum kommenden Jahr gab der 33-Jährige ein Interview, in dem er zum Rundumschlag gegen die Formel 1 ausholte und eine technologische Kehrtwende forderte - zum Wohle der Umwelt.

Formel 1: Harte Worte von Vettel an die Königsklasse - „Der Ernst der Lage wird nicht begriffen“

Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung rief er die Motorsport-Königsklasse zum Umdenken auf. „Wo bleibt die Vorreiterrolle der Formel 1 auf dem Gebiet der Technik?“, fragt Vettel und bezieht sich auf die von der Formel 1 beworbenen Hybrid-Motoren. „Wir fahren den effizientesten Verbrennungsmotor auf der Welt. Aber er bringt der Welt nichts, weil er, so wie wir ihn fahren, nie den Weg in die Serie finden wird“, kritisierte der Heppenheimer.

Es ginge laut dem Fahrer lediglich um die „Nachricht und die Markenbotschaft“, da der Hybrid-Antrieb im Vergleich „viel positiver für die Umweltbilanz angesehen wird als der normale Verbrennungsmotor“. Das Enttäuschende daran sei Vettel zufolge, „dass wir so unsere Chance nicht nutzen“.

Die Machtpolitik in der Formel 1 ist laut Vettel scheinbar das Problem für die ausbleibende Umwelt-Wende, der Pilot lässt seiner Enttäuschung darüber freien Lauf. „Der Ernst der Lage wird nicht begriffen. Das finde ich frustrierend. Wir wissen es besser und machen es trotzdem nicht. So besiegeln wir unser Verschwinden in die Irrelevanz“, fürchtet der Ex-Ferrari-Pilot. Auch den niedrigen Anteil an Biosprit in der Formel 1 kritisierte Vettel im Gespräch massiv.

Formel 1: Sebastian Vettel spricht von „Chance“ - Klima-Aktivistin Greta Thunberg als Inspiration

Vettel selbst habe sein Verhalten auf Reisen und zu Hause „mehr und mehr angepasst“ und bezeichnet die schwedische Umwelt- Aktivistin Greta Thunberg als „eine Inspiration“. Thunberg sei eine Person, die „jeden Tag ihre Überzeugung“ vorlebe. „Ich sehe aber nicht, dass sie andere verurteilt, die nicht so leben wie sie“, meinte Vettel, der im vergangenen Jahr mit einem Zitat für Aufsehen sorgte. Er hätte demnach „kein Problem“ mit der Schwedin essen zu gehen, allerdings zweifelte er an dem Interesse der Aktivistin, da er wohl nicht als Vorbild in Sachen Umwelt gelte.

Dem Motorsport würde er dennoch nicht den Rücken kehren, stattdessen macht er sich Gedanken über die Zukunft der Königsklasse. „Statt die Leidenschaft zu begraben, sollte man sich die Frage stellen, ob man ihn nicht so gestalten kann, dass die Leidenschaft mit der Nützlichkeit einhergeht“, meint Vettel. „Besser kann heißen, mehr Spaß und nachhaltig. Wir sollten bei dem Thema nicht von Verzicht sprechen, sondern von der Chance.“ (ajr)

Rubriklistenbild: © imago images / Poolfoto Motorsport

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