Saisonstart in Spielberg

Formel 1: Vettel-Vertrauter deckt auf - Deshalb verlässt er Ferrari wirklich

Endlich heulen die Motoren wieder auf. Mit zwei Rennen in Österreich soll die kürzeste Formel-1-Saison seit vielen Jahren starten. Wir haben vorher mit Red-Bull-Berater Helmut Marko gesprochen.

  • Mit fast vier Monaten Verspätung soll die Ampel in der Formel 1 erstmals auf Grün schalten.
  • Den Auftakt der ungewöhnlichen Saison bilden zwei Rennen auf dem Red-Bull-Ring
  • Für Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko, einstiger Förderer und Freund von Sebastian Vettel, wird der Titel zwischen zwei Piloten ausgefahren.

München - Die Formel 1 geht endlich auf die Strecke. Nach der coronabedingten kurzfristigen Absage des Auftakts in Melbourne steigt das erste Rennen nun am Sonntag (15.10 Uhr, RTL und Sky) in Spielberg (hier im Live-Ticker). Die tz sprach zum Auftakt mit Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko (77).

Herr Dr. Marko, auf dem Red-Bull-Ring finden zwei Rennen in Folge statt. Wie schwierig war es für Red Bull als Veranstalter, diese Doppelveranstaltung auf die Beine zu stellen?

Marko: Als die erste Schockstarre wegen der Pandemie abgeklungen war, war uns klar, dass das Leben unter den gegebenen Umständen nicht stillstehen darf. Handeln ohne Reflektieren bringt genauso wenig etwas wie Reflektieren ohne zu handeln, besonders in schweren Zeiten. Als Herr Mateschitz im Mai grünes Licht gab, begannen wir sofort die Gespräche mit Liberty, dem Rechteinhaber der Formel 1. Wir mussten der Bundesregierung ein Konzept vorlegen, das alle Sicherheitsmaßnahmen gewährt und somit akzeptiert werden konnte.

Wie muss man sich das Wochenende für die Beteiligten in etwa vorstellen?

Marko: Jedes Team reist für sich und bleibt für sich. Auf der Rennstrecke, dann in den Hotels. Ohne negativen Testbescheid kommt gar keiner ins Gelände. FIA und Liberty haben ein meiner Meinung lückenloses System entwickelt, das strengstens kontrolliert wird. Es wird auch zwischen den beiden Rennen zwei Tests geben, die von beauftragten Firmen der Formel 1 durchgeführt werden. Alle sind besonders vorsichtig, weil unsere Rennen ja auch als Test für die kommenden Veranstaltungen gelten. Da darf nichts schiefgehen.

Formel 1 vor Saisonstart: Marko erwartet Zweikampf zwischen Hamilton und Verstappen

Wie schätzen Sie die Leistungsstärke der einzelnen Teams ein?

Marko: Bewertet man die Testfahrten in Barcelona vom Februar, so ist Mercedes leicht vorn. Dann kommen wir und dann, mit etwas Abstand, Ferrari. Wir erwarten einen Zweikampf um den Titel zwischen Lewis Hamilton und unserem Max Verstappen. Wir sind jedenfalls gerüstet. In dieser Saison darf man sich keinen Fehler erlauben, was gar nicht einfach ist, da man aufgrund der unsicheren Kalendersituation bei jedem Rennen wiederum mehr riskieren muss, um keine Punkte zu verschenken.

Konkret heißt das?

Marko: Bisher stehen acht Rennen sicher fest, 15 sind geplant. Wie viel es am Ende werden, weiß noch niemand ganz genau. Das bedeutet grob gesagt: Jedes Rennen ist quasi wie ein Endspiel, das man gewinnen will. Wir haben aus unseren Fehlern aus dem letzten Jahr gelernt. Da waren wir erst ab der Mitte der Saison richtig konkurrenzfähig.

Konnte man nach den Testfahrten in Barcelona viel am Auto entwickeln?

Marko: In Österreich kommen wir zum Saisonstart mit dem dritten Update seit Barcelona. Aber es ist nur Theorie. Wir konnten wie alle anderen unsere Daten nur auf Simulationen beziehen, aus CFD-Analysen und Windkanaltests. In Spielberg kommt die Wahrheit auf die Straße. Aber wir sind guter Dinge, auch wegen Honda. Sie waren schon vergangene Saison sehr gut und sie lernen ständig dazu. Der Maßstab ist aber immer noch Mercedes. Denn die haben ja auch nicht geschlafen.

Formel 1 vor Saisonstart: „Vettel hat kein Auto, mit dem er um Titel fahren kann“

Was ist mit Ferrari und Sebastian Vettel?

Marko: Abschreiben darf man beide nie. Aber ich habe den Eindruck, dass Sebastian in dieser Saison kein Auto hat, mit dem er um den Titel mitfahren kann.

Hat es Sie überrascht, dass er sich von Ferrari trennt?

Marko: Nicht wirklich. Es hat sich in den letzten Monaten abgezeichnet. Ich glaube, er hat den Glauben an Ferrari irgendwie verloren.

Auch wegen Leclerc?

Marko: Ja, aber nicht nur, weil er ein so großes Talent ist. Ich denke, es wurde im Umfeld von Leclerc eine Menge Politik gemacht. Das mag Vettel nicht. Der will Gas geben, gewinnen und keine Energie mit unnötiger Teampolitik verschwenden. Ich hoffe, Ferrari gibt ihm in seiner letzten Saison die Möglichkeit, sein Können unter Beweis zu stellen.

Interview: Ralf Bach

Mercedes wird in dieser Saison mit einer Tradition brechen - Hintergrund ist eine aktuelle gesellschaftliche Debatte. Derweil wird heftig über die Zukunft von Sebastian Vettel diskutiert.

Rubriklistenbild: © dpa / Jens Buettner

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