Monisha Kaltenborn im Interview

Keine Besserung in Sicht! Vettel fährt auch im Aston Martin hinterher - „Irgendwas kann nicht passen“

Sebastian Vettel sitzt auf einem Sessel und greift sich hinter die Ohren
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Es läuft auch bei Aston Martin nicht rund: Sebastian Vettel fährt in der Formel 1 nur noch um hintere Plätze.

Monisha Kaltenborn war einst Teamchefin in der Formel 1. Nun begleitet sie ein neues Rennprojekt. Die Köningsklasse des Motorsports behält sie dabei im Blick.

München - Monisha Kaltenborn (50) kennt man als Teamchefin aus der Formel 1. Mittlerweile arbeitet die 50-Jährige im Simracing, das am Wochenende mit einer eigenen Rennserie startet. Im tz-Interview spricht sie über Simulatoren, die Formel 1, Max Verstappen und mehr.

Für den Rennsport geboren: Monisha Kaltenborn war einst am Formel-1-Kommandostand zu Hause, nun haben es ihr Simulatoren angetan.
Frau Kaltenborn, worum geht es bei Racing Unleashed?
Kaltenborn: Wir veranstalten Rennen auf unseren Simulatoren, gefahren werden Formel-1-Autos aus 2020. Den High-Tech-Simulator haben wir selbst entwickelt, mit vielen Details aus der Formel 1 wie Pedalerie, Lenkrad oder Sitz. Wir haben ein Motion-System, also ein sehr präzises Bewegungssystem, das es uns erlaubt, das Fahrgefühl mit Curbs und Bodenwellen realistisch wiederzugeben. Das führt dazu, dass es darin richtig rumpelt und man ziemlich ins Schwitzen kommt. Und es ist auch ein sehr gutes Hilfsmittel für junge Fahrer, die die Strecken kennenlernen wollen. Früher ging es quasi auf die Kartbahn, heute in die Racing-Lounge (lacht).
Wie gut wäre ein Simulatorfahrer für das reale Rennauto ausgebildet?
Kaltenborn: Der Sprung von der virtuellen Welt in die reale ist kein einfacher, aber mittlerweile komme ich zum Schluss: Wer Talent hat, kann diesen Sprung schaffen. Und die Chancen werden immer größer, weil die Instrumente immer präziser werden. Fest steht: Wir wollen den Motorsport so der Allgemeinheit zugänglich machen und Talente entdecken - und das Ganze datenbasiert.
Heute sprechen wir ganz selbstverständlich von Gleichberechtigung und Diversität. Wie haben Sie es erlebt, die erste Teamchefin zu sein?
Kaltenborn: Für mich war das gar kein großes Thema. Was auch daran lag, dass Peter Sauber und auch Mario Theissen mich immer schon mit in die Teamchef-Sitzungen genommen haben. Trotzdem glaube ich, dass einige Diskussionen in der Runde mit ein paar mehr Frauen anders verlaufen wären. Vielfalt ist von Haus aus gut, weil andere Standpunkte oder Schwerpunkte zur Sprache kommen. Mehr Frauen würden der Formel 1 schon guttun. Ich sehe auch bis heute keinen Grund, warum eine Frau nicht auch im Cockpit sitzen sollte.
Sie hatten Simona de Silvestro und Tatiana Calderon als Testfahrerinnen zu Sauber geholt. Konnten Sie da sehen, dass beide theoretisch in der Lage gewesen, ein Formel-1-Auto am Limit zu bewegen?
Kaltenborn: Nicht nur theoretisch. Simona de Silvestro hatte sogar alle Voraussetzungen für die Superlizenz erfüllt. Bei Tatiana Calderon sehen wir jetzt in der WEC, dass sie durchaus ordentlich mitfährt. Das Problem ist: Die Gruppe an Mädchen, die es im Motorsport versuchen, ist noch zu klein. Außerdem brauchen die Mädchen wirklich die gleiche Unterstützung, die ein junger, talentierter Bursche bekäme.
Kommen wir von den Frauen zu den Männern. Welche Rennfahrer haben Sie am meisten beeindruckt?
Kaltenborn: Ich denke immer wieder gerne an die Zeit mit Kamui Kobayashi zurück, weil wir es mit ihm in seinem Heimatland Japan aufs Podest geschafft haben. So etwas Emotionales habe ich selten erlebt. Da stand eine ganze Haupttribüne hinter dem einheimischen Fahrer! Aber auch die Zeit mit Sergio Perez war schön. Ich erinnere mich noch gut, wie er eine Runde vor dem Podiumsergebnis in Malaysia an den Kommandostand funkte, der Motor sei ausgegangen (lacht). In dem Moment brauchst du das nicht, aber heute kann ich drüber lachen.
Perez fährt jetzt Red Bull. War es aus Ihrer Sicht die richtige Entscheidung, ihn anzuheuern?
Kaltenborn: Aus meiner Sicht ist er nach wie vor ein sehr guter Fahrer. Er konnte sich schon damals perfekt auf unterschiedliche Situationen einstellen. 2012 war unser Auto nicht einfach zu fahren. Im Qualifying standen wir oft weiter hinten und haben es dann aufgrund von Sergios Reifenmanagement weit nach vorn geschafft. Da muss der Fahrer schon mit dem Auto umgehen können. Ich war übrigens auch größter Kritik ausgesetzt, als ich ihn eingestellt habe. Im Nachhinein kann ich sagen: Ich habe es richtig gemacht!
Sie haben auch Sebastian Vettel als jungen Bub mit Zahnspange als Testfahrer bei BMW erlebt. Können Sie sich erklären, was derzeit bei ihm los ist?
Kaltenborn: Das Fahren hat er sicher nicht verlernt. Es sind so viele Faktoren für den Erfolg und Misserfolg zuständig. Irgendwas wird ihm fehlen, damit er sein Können zeigen kann. Von außen ist das schwer zu beurteilen. Aber irgendetwas kann nicht passen, denn dass er ein ausgezeichneter Fahrer ist, zeigen seine Erfolge und WM-Titel.
Wenn ein Formel-1-Fahrer bei Ihnen mitfahren würde, würde er alles in Grund und Boden fahren?
Kaltenborn: Nein. Wir sehen, wenn ab und zu Fahrer von der realen Rennstrecke kommen, dass sie sich schwertun. Aber jemand, der talentiert ist, lernt das. Max Verstappen ist ein sehr gutes Beispiel dafür. Er hat das Talent und die Fähigkeit, sich schnell anzupassen.

Interview: Ralf Bach

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