Weltmeister unterstützt Rivalen

Formel 1: Hamilton analysiert Fahrersituation bei Red Bull - Und bricht Lanze für Vettel-Rückkehr

F1 in Barcelona: Lewis Hamilton und Sebastian Vettel schätzen sich
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F1 in Barcelona: Lewis Hamilton und Sebastian Vettel schätzen sich.

Noch immer steht nicht fest, ob und wo Sebastian Vettel in der Formel 1 sein wird. Lewis Hamilton ist überzeugt, dass bei Red Bull ein Rennfahrer wie er benötigt wird.

  • Sebastian Vettel fährt seine letzte Formel-1-Saison für Ferrari und wird nach einer enttäuschenden Saison aufhören.
  • In der Königsklasse soll es für den Vierfach-Weltmeister jedoch weitergehen. Die Frage ist bei welchem Team?
  • Lewis Hamilton (Mercedes) spricht über die Cockpit-Situation bei Red Bull - und plädiert indirekt für eine Rückkehr.

Monza – Es fällt auf in den letzten Wochen: Immer wieder macht sich Lewis Hamilton in Interviews für Sebastian Vettel, der schon anfängt, über seine Zukunft zu scherzen, stark. Jetzt greift der britische Mercedes-Star ein Argument auf, wonach die Rückkehr seines Ex-Rivalen zu Red Bull Sinn macht. Hamilton übt dabei indirekte Kritik an Max Verstappens Teamkollegen Alex Albon. „Ich glaube, die Leute spielen es herunter, aber Red Bull hat ein sehr, sehr starkes Auto, und Max macht einen tollen Job damit“, so der Engländer. „Leider haben sie nicht zwei Fahrer wie mich und Valtteri (Bottas; d. Red.) da, und das macht es für sie schwieriger.“

Sebastian Vettel: F1-Champion Hamilton macht sich für Rückkehr zu Red Bull stark

Hamilton vergleicht die Situation bei Red Bull mit seiner eigenen in den Jahren 2008 und 2009, als ihn Heikki Kovalainen bei McLaren nicht ausreichend unterstützen konnte. Hamilton: „Ich habe das vor vielen Jahren erlebt, als ich bei McLaren war. Da war ich der Fahrer, der immer vorne lag und keinen Teamkollegen hatte, der mich unterstützte. Einerseits fehlen dann am Ende Konstrukteurs-Punkte. Aber man kann strategisch auch nicht mit den Autos spielen. Max ist deshalb auf sich alleine gestellt.“

Hamiltons Kommentare verstärken den wachsenden Druck auf Albon, der Verstappen in der Formel-1-Saison 2020 weder im Qualifying noch in einem Rennen schlagen konnte. Der Thailänder hat 48 Punkte auf dem Konto, Verstappen 110. Zuletzt in Spa wurde er als Sechster kurz vor Schluss noch von Renault-Pilot Daniel Ricciardo überholt. Unsere Zeitung weiß: Auch Verstappen selbst wünscht sich mehr Unterstützung, will das in der Öffentlichkeit aber nicht fordern. Auf den zu langsamen Beifahrer angesprochen, sagt er deshalb nur: „Ich brauche keinen Teamkollegen, der mich antreibt.“ Die strategischen Möglichkeiten eines starken Wingman lässt er dabei bewusst außer Acht.

Formel 1: Marko (Red Bull) bricht Lanze für Verstappen-Teamkollege Albon

Doch bei den Österreichern lässt man die Kritik an Alex Albon nicht gelten. Motorsportberater Helmut Marko: „Ich verstehe die negative Einstellung gegenüber Albon überhaupt nicht.“ Der Grazer hat denn auch gleich eine Entschuldigung für seine Nummer zwei parat. „Weil die Windkanal-Werte zu Beginn der Saison nicht mit jenen in der Realität übereingestimmt haben, mussten wir viel ausprobieren, um das Problem in den Griff zu bekommen. Dazu gehörte auch, dass wir beide Autos mit unterschiedlichen Teilen ausgerüstet oder während der Trainings mit verschiedenen Fahrwerkseinstellungen experimentiert haben. Das hilft einem jungen Fahrer natürlich nicht unbedingt.“

Dazu komme der zuweilen als Hitzkopf geltende „F1-Kannibale“ Max Verstappen, dessen Spezialität es ist, Teamkollegen regelrecht aufzufressen. „Bei dem haben sich in der Vergangenheit auch schon erfahrene Siegfahrer schwergetan“, spielt Marko auf Daniel Ricciardo an. Allein: Als Ricciardo bei Red Bull an der Seite von Verstappen fuhr, war das ein Duell auf Augenhöhe. Teaminterne Crashs inbegriffen, wie in Baku 2018. Dazu kommt: 2010 konnten Sebastian Vettel und Red Bull den WM-Titel nur gewinnen, weil mit Mark Webber im letzten Rennen der Saison in Abu Dhabi noch ein zweiter Red-Bull-Pilot Weltmeister werden konnte. Hauptkonkurrent Ferrari ließ seinen Titelaspiranten Fernando Alonso damals nur gegen Webber fahren und vergaß den Heppenheimer, der am Ende das Rennen gewann und den Titel holte.

Daran denkt auch Ralf Schumacher, wenn er sagt: „Red Bull muss genau analysieren, was sie wollen. Gerade sie wissen, warum zwei ähnlich starke Teamkollegen ein Vorteil sind.“ Ein Ex-Ferrari-Boss sprach sich außerdem für Vettel aus und kritisierte den italienischen Rennstall scharf.

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