Plötzlich keine Deutschland-Flagge mehr

Formel 1 in der Türkei: Vettel mit neuem Helm-Design – wichtige Botschaft steckt dahinter

Für Sebastian Vettel geht es in der Formel 1 um weit mehr als Pole Positions und Podiumsplätze. Das macht der Ferrari-Pilot mit einem angepassten Helm-Design deutlich. Die Deutschland-Flagge musste weichen.

  • Sebastian Vettel trägt beim Grand Prix der Türkei einen Helm mit einer besonderen Botschaft.
  • Den Ort für das Design wählte der Ferrari-Pilot nicht zufällig aus.
  • Von der Deutschland-Flagge ist deshalb an diesem Wochenende nichts mehr zu sehen.

Istanbul - Viele Sportstars teilen ihre Meinungen zu großen gesellschaftspolitischen Themen vor allem über ihre Social-Media-Kanäle mit. Wenn überhaupt. Sebastian Vettel geht da andere Wege. Der viermalige Formel-1-Weltmeister nutzt weder einen Twitter-Account noch ein Instagram-Profil, um sich zu erklären. Aber er sorgt dafür, dass seine Botschaften ankommen.

Wie nun beim Grand Prix der Türkei in Istanbul. Dort setzt sich Vettel einen Helm mit einem besonderen Design auf den Kopf. Am auffälligsten ist der Regenbogen, der von vorne nach hinten einmal über das Oval verläuft und die dort ansonsten erstrahlende Deutschland-Fahne ersetzt. Ein klares Zeichen, dass der 33-Jährige die Diversität - also die Vielfältigkeit - in der Gesellschaft aktiv unterstützt. Auf dem Haupt prangen inmitten des Regenbogens die Worte „no borders, just horizons - only freedom“ - also: „keine Grenzen, nur Horizonte - einzig Freiheit“.

Formel 1 in der Türkei: Vettels Helm gibt die Antwort auf die Spaltung in einigen Staaten

Daneben steht „together as one“ - „gemeinsam eins“. Also: Schluss mit der Spaltung, die sich aktuell durch zahlreiche Nationen zieht - geschürt von Machthabern wie Donald Trump oder auch Recep Tayyip Erdogan. Am unteren Helmrand sind rundherum die Mitglieder einer bunten Gesellschaft zu sehen, wie sie im 21. Jahrhundert angesichts der Globalisierung und der weitgehenden Reisefreiheit eigentlich selbstverständlich sein sollte. Aber sogar in führenden Staaten nach wie vor nicht ist.

So ist es laut Vettel kein Zufall, dass er diesen Helm ausgerechnet in der Türkei überstülpen wird. Eine entsprechende Nachfrage eines Sky-Reporters, warum Istanbul der richtige Ort für dieses Design sei, beantwortete der dreifache Familienvater kurz und bündig: „Ich glaube, das erklärt sich von alleine. Lassen wir es so stehen...“ Womöglich wäre die Bühne in den USA eine ungleich größere gewesen, doch wegen der Corona-Pandemie wird die Formel 1 in diesem Jahr einen Bogen um die tief gespalten Staaten machen.

Formel 1 in der Türkei: Schon bei Red Bull zeigte sich Vettel in Sachen Helm-Design experimentierfreudig

Vettel war schon während seiner Zeit bei Red Bull dafür bekannt, sein Helm-Design häufiger zu wechseln und sich dabei speziell von Austragungsorten der Rennen inspirieren zu lassen. Davon musste er 2015 jedoch ablassen, weil pünktlich zu seinem Ferrari-Transfer die entsprechenden Regeln verschärft wurden, um einen Wiedererkennungswert der Fahrer im Cockpit zu gewährleisten. In diesem Jahr ließ der Weltverband FIA wieder unbeschränkt Änderungen am Design zu.

Wovon Vettel nun also Gebrauch macht. Bereits seit Saisonbeginn protestiert er vor jedem Grand Prix gegen den weltweit um sich greifenden Rassismus, indem er an der Seite von Lewis Hamilton niederkniet. Am Bosporus geht er also auch im Cockpit mit gutem Beispiel voran. In einem Statement erklärte Vettels Management den Regenbogen „als ein Symbol der Vielfalt der Menschen und all ihrer Lebensformen in einer geeinten und harmonischen Welt“. Die Botschaft der Gleichheit aller liege „Sebastian in diesen schwierigen Zeiten sehr am Herzen“.

Neues Helm-Design, aber bewährter Fahrer: Sebastian Vettel tritt beim Türkei-GP für die Vielfältigkeit der Gesellschaft ein.

Formel 1 in der Türkei: Schon bei Red Bull zeigte sich Vettel in Sachen Helm-Design experimentierfreudig

Dass es ihm eine Herzensangelenheit ist, unterstrich Vettel auch in dem schon erwähnten Sky-Interview: „Wir haben am Anfang der Saison sehr viel darüber gesprochen. Wie immer geht sowas dann schnell verloren.“ Doch da will der Ferrari-Pilot gegensteuern. Seine eigenen Worte zu dem Thema klingen so: „Ich glaube, dass man die Scheuklappen wegnimmt und akzeptiert, dass es Unterschiede gibt, man aber keine Unterschiede macht. Jeden so nimmt, wie er ist und nicht schon in eine Kiste steckt aufgrund von unterschiedlichen äußerlichen Merkmalen.“ Das will Vettel allen wieder in Erinnerung rufen. Nicht von ungefähr auf dem Istanbul Park Circuit. (mg)

Rubriklistenbild: © MURAD SEZER/dpa

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