Formel 1 im Budgetstreit "am Scheideweg"

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Ross Brawn sieht die Formel 1 am Scheideweg.

Berlin - Die Formel-1-Teams streiten mal wieder ums Geld. Im Zentrum der Debatte um verbotene Mehrausgaben steht Sebastian Vettels Red-Bull-Team. Bei den Verhandlungen um das künftige Kostenlimit droht eine Zerreißprobe.

Die Ein-Mann-Show von Sebastian Vettel könnte den Streit in der Formel 1 um Schummeleien bei der Budgetgrenze weiter vertiefen. Die kaum versteckten Vorwürfe gegen den dominierenden Red-Bull-Rennstall und zuletzt auch Mercedes, für Erfolge auf der Strecke beim vereinbarten Kostenlimit zu mogeln, bedrohen inzwischen sogar die Zukunft der Teamvereinigung FOTA. Für das nächste Rennen in Abu Dhabi haben die Teams ein Krisentreffen anberaumt, das zur Zerreißprobe werden dürfte. “Wir stehen am Scheideweg“, sagte Mercedes-Teamchef Ross Brawn.

Red-Bull-Teamchef Christian Horner drohte jüngst sogar mit einem Ausstieg aus der FOTA. Der Vettel-Rennstall fühlt sich zu Unrecht von den hartnäckigen Gerüchten um kreative Buchführung verfolgt. “Das ist der Neid der schlechten Verlierer. Sie werfen mit Dreck und hoffen, dass etwas kleben bleibt“, wetterte Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko am Rande der Indien-Premiere in der “Bild“-Zeitung.

Zuvor war immer wieder spekuliert worden, Red Bull würde über Partnerfirmen mehr Personal als erlaubt beschäftigen, den Windkanal länger als zulässig betreiben und Finanzdaten verheimlichen. Auf diese Weise habe sich das Team Vorteile verschafft und die Grundlage für die Triumphserie von Doppel-Weltmeister Vettel gelegt. “Das stimmt nicht. Die anderen Topteams sollen einfach mal erkennen, dass wir effizienter arbeiten als sie“, entgegnete Marko.

Sebastian Vettel - Seine außergewöhnliche Karriere in Bildern

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Sebastian Vettel
Sebastian Vettel holte am 27. Oktober 2013 seinen vierten Weltmeister-Titel in der Formel 1. © dpa
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Wir stellen ihn vor. © dpa
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Vettel ist seit seinem siebten Lebensjahr im Motorsport aktiv. Er startete als Kartfahrer und konnte im Jahr 2001 die deutsche und europäische Juniorenkartmeisterschaft gewinnen. © dpa
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Im Jahr 2004 gewann Vettel mit dem Team Mücke Motorsport die Meisterschaft in der Formel BMW und stellte dabei mit 18 Siegen in 20 Rennen einen neuen Rekord auf. © dpa
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Vettel blieb im folgenden Jahr bei Mücke Motorsport und wechselte in die Formel-3-Euroserie. © dpa
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Er erzielte in der Formel-3-Euroserie sechs Podestplätze und belegte am Ende den fünften Gesamtrang. © dpa
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Vettel ergatterte 2007 einen Platz als Freitagstestfahrer beim BMW Sauber F1 Team in der Formel 1. © dpa
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Beim renommierten Macau Grand Prix 2005 wurde er nach Lucas di Grassi und Robert Kubica Dritter. © dpa
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Nach Robert Kubicas Unfall beim Großen Preis von Kanada 2007 in Montreal meldete BMW Sauber Vettel als Einsatzfahrer für den Großen Preis der USA in Indianapolis. Somit gab er am 17. Juni 2007 sein Formel-1-Renndebüt. © dpa
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In seinem ersten Qualifikationsrennen belegte der Heppenheimer den siebten Platz. © dpa
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Im folgenden Rennen rettete sich Vettel nach anfänglichen Schwierigkeiten auf den achten Rang. Er fuhr damit einen WM-Punkt ein und ist mit 19 Jahren und 350 Tagen der bisher jüngste Fahrer, der je in einem Formel-1-Rennen in die Punkteverteilung kam. © dpa
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Vettel wechselte im Juli 2007 zum Rennstall Toro Rosso. © dpa
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Beim großen Preis von China in Shanghai 2007 startete Vettel von Position 17 und fuhr am Ende auf Platz vier. Dies war die beste Platzierung jemals für den Rennstall Toro Rosso. © dpa
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Am 13. September 2008 eroberte Sebastian Vettel beim verregneten Qualifying für den Großen Preis von Italien in Monza seine erste Pole-Position. Er ist damit - im Alter von 21 Jahren und 73 Tagen - der jüngste Fahrer auf dem ersten Startplatz in der Geschichte der Formel 1. © dpa
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Am Tag darauf holte sich Vettel seinen ersten Sieg in einem Formel-1-Rennen. Damit wurde er zugleich auch der jüngste Grand-Prix-Sieger. © dpa
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Im Juli 2008 gab das Toro-Rosso-Schwesterteam Red Bull Racing bekannt, dass Vettel ab der Saison 2009 an der Seite von Mark Webber für den österreichischen Rennstall fahren wird. Der begeisterte Kicker nahm im gleichen Jahr an einem Benefiz-Fußballspiel teil. © dpa
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Für den WM-Titel reichte es in dieser Saison noch nicht. Durch seinen Sieg beim Saisonfinale in Abu Dhabi wurde Vettel Vizeweltmeister vor Rubens Barrichello. © dpa
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In Jahr 2010 bildeten Vettel und Webber erneut das Renngespann von Red Bull. Nach dem Großen Preis von Korea übernahm Vettel erstmals die Führung der WM-Rangliste. © dpa
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Vor dem letzten Saisonrennen, dem Großen Preis von Abu Dhabi 2010 belegte Vettel den dritten Platz in der Fahrerwertung. Er startete aber dafür von der Pole-Position. © dpa
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Vettel gewann das Rennen und wurde mit vier Punkten Vorsprung auf Fernando Alonso, der in Abu Dhabi nur Siebter wurde, Weltmeister. © dpa
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Mit dem Titelgewinn wurde Vettel mit einem Alter von 23 Jahren und 134 Tagen zum bisher jüngsten Formel-1-Weltmeister der Geschichte. Vettel sammelte in der Saison zehn Pole-Positions. © dpa
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Nach der Saison 2010 wurde der Heppenheimer Vettel als deutscher und europäischer Sportler des Jahres ausgezeichnet. © dpa
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Vettel kam durch seinen Vater Norbert zum Motorsport. Dieser hatte ihn bereits mit dreieinhalb Jahren erste Runden im eigenen Kart drehen lassen. © dpa
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Als sein größtes Vorbild bezeichnet Vettel Michael Schumacher, dessen Ehrgeiz und stets vollen Einsatz er sehr bewundere. © dpa
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Während er bereits Formel-3-Euroserie fuhr, beendete Vettel seine schulische Laufbahn im April 2006 mit einem Abi-Schnitt von 2,8. Seine letzte Prüfung legte er nur vier Tage vor seinem ersten Sieg in der Formel 3 ab. © dpa
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Eine weitere Besonderheit des Heppenheimers: Im Gegensatz zu den meisten seiner Kollegen hat Sebastian Vettel keinen Manager, sondern regelt seine geschäftlichen und vertraglichen Angelegenheiten selbst. © dpa

Auch bei Mercedes wird energisch dementiert, dass die eingeleitete personelle Aufrüstung für das Jahr 2012 den in der FOTA vereinbarten Kostenrahmen sprengt. Dennoch weiß Teamchef Brawn genau um den Grund für die verfahrene Debatte. “Es beginnt, den drei oder vier Teams wehzutun, die ihre Ressourcen kontrollieren müssen, um das Abkommen zu erfüllen“, erklärte der Brite.

Schon seit Wochen ringen die Formel-1-Teams daher um eine neue Auflage der Kostenbremse mit effektiveren Kontrollmechanismen. “Wir müssen in Abu Dhabi eine Lösung finden, eine endgültige Lösung“, forderte Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali. FOTA-Präsident Martin Whitmarsh, zugleich McLaren-Teamchef, warb vor allem im Sinne der finanziell schwächeren Rivalen für eine Einigung. “Wir haben die Pflicht, diesen Teams das Überleben zu ermöglichen“, sagte der Brite.

Whitmarsh räumte zudem ein, es gebe bislang keine handfesten Beweise für Verstöße gegen die Budgetgrenze. Die anhaltende Diskussion aber hat auch bei Red-Bull-Teamchef Horner einen Nerv getroffen. Er sehe die FOTA durchaus in Gefahr, bekräftigte der Vettel-Chef. “Wenn wir keine Einigung in der FOTA erzielen können, was ist dann ihr Zweck?“, meinte Horner nach den ergebnislosen Verhandlungen der vergangenen Wochen.

Vettel von A bis Z: Seine Lieblingsband, sein Markenzeichen und mehr

Vettel von A bis Z: Seine Lieblingsband, sein Markenzeichen und mehr

A wie Adrian Newey, Red-Bull-Technikguru und Konstrukteur der Weltmeisterautos © Getty
B wie Beatles, Sebastians Lieblingsgruppe © Getty
C wie Christian Horner, als Teamchef bei Red Bull Vettels Vorgesetzter © Getty
D wie Deutschland, Vettels Heimat, in der er aber bislang noch kein Formel-1-Rennen gewonnen hat © Getty
E wie Ehrgeiz, eine von Vettels herausragenden Eigenschaften: Er kann nicht verlieren, egal, wobei © Getty
F wie Fußball, womit Vettel schon als Kind aufgehört hat, weil er nicht gut genug war © Getty
G wie Geld, nicht so wichtig für Vettel, weshalb er lieber seine Ruhe genießt als noch mehr Werbeverträge abzuschließen © Getty
H wie Haare, blond und bares Geld wert - durch einen Werbevertrag mit einem Shampoo-Hersteller © Getty
I wie Indianapolis, der Ort von Vettels erstem Formel-1-Rennen, in dem er 2007 gleich als Achter einen WM-Punkt holte © Getty
J wie Jubelschreie, Vettels Ausbrüche am Boxenfunk nach gewonnenen Rennen sind fast schon legendär © Getty
K wie Kinky Kylie, Kosename für Vettels Rennauto © Getty
L wie Lächeln, mit dem der Weltmeister viele - vor allem weibliche - Fans fasziniert © Getty
M wie Monza, Ort von Vettels Durchbruch. Dort fuhr er 2008 im Toro Rosso als jüngster Fahrer der Formel-1-Geschichte auf die Pole Position und gewann ein Rennen © Getty
N wie Norbert, Vettels Vater, der die Karriere seines Sohnes von Beginn an unterstützt hat © Getty
O wie Otto Waalkes, der in der Bild-Zeitung ein Gedicht widmete © Getty
P wie Perfektion, ein Status, den Vettel immer anstrebt © Getty
Q wie Qualifikation, Vettels Domäne, in 12. von 15 Rennen fuhr Vettel in diesem Jahr auf die Pole Position © Getty
R wie Red Bull, Vettels Förderer schon seit Kartzeiten © Getty
S wie Suzuka, die Strecke, auf der er in drei Jahren zwei Rennen und einen WM-Titel gewann © Getty
T wie Tommi Parmakoski, Vettels finnischer Fitnesstrainer und Physiotherapeut, mit dem er übers Jahr gesehen die meiste Zeit verbringt © Getty
U wie unermüdlich, Vettel ist abends meist der Letzte im Fahrerlager, diskutiert lange mit seinen Ingenieuren © Getty
V wie Vettel-Finger, sein Markenzeichen, und als blaue Schaumstoffversion Standardausrüstung eines echten Vettel-Fans © Getty
W wie Wille, mit dem Vettel im vorigen Jahr in letzter Minute doch noch seinen ersten Titel geholt hatte © Getty
X wie x-beliebig, genau das, was Vettel nicht ist © Getty
Y wie youngest, englisch, steht für Vettels Rekorde, die er als jüngster Fahrer der Formel-1-Geschichte holte © Getty
Z wie Ziel, für Vettel immer gleich: beim nächsten Rennen das Optimum herausholen © Getty

Ohnehin liegt dem Ausgabenlimit bislang nur eine freiwillige Vereinbarung der Teams untereinander zugrunde. Weder der Weltverband FIA noch Chefvermarkter Bernie Ecclestone haben Kontrollbefugnisse. In Abu Dhabi muss sich nun entscheiden, ob der Formel-1-Frieden hält. Kommt es zum Bruch der Teams, fürchten Experten bereits eine Rückkehr zum sündhaft teuren Wettrüsten vergangener Tage.

dpa

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