Magere Zeiten für Sutil

Formel 1: Hungern! Sonst gibt’s Feuer

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Adrian Sutil.

München - Adrian Sutil stehen 2014 magere Zeiten bevor. Weil die Motoren schwerer geraten sind als erwartet, und weil alle Teams am neuen Gewichtslimit von 690 Kilo agieren, sind große Fahrer wie der Sauber-Neuzugang mehr denn je im Nachteil.

Adrian Sutil stehen 2014 magere Zeiten bevor – auf der Waage. Weil die Turbomotoren schwerer geraten sind als erwartet, und weil alle Teams am neuen Gewichtslimit von 690 Kilo agieren, sind große Fahrer wie der Sauber-Neuzugang mit seinen 1,83 Meter mehr denn je im Nachteil. Faustregel: Drei Kilo Mehrgewicht kosten ein Zehntel pro Runde. Sechs, sieben Hundertstel – oder auch zwei Kilo – hat sich Sutil von seinen einst 75 Kilo bis zum ersten Test in Jerez schon abgehungert. Ein weiteres Zehntel soll bis Melbourne dazukommen. „Der Winter war magerer als gewohnt“, verrät der Mann aus Gräfelfing. „Man muss sehen, wo man überhaupt noch etwas verlieren kann – und das sind eigentlich nur noch die Muskeln. Und trotzdem darf es der Leistung nicht schaden.“

In seiner siebten Formel-1-Saison startet der Wahl-Schweizer nun erstmals für ein anderes Team als Force India (vormals Spyker), wo er seit 2007 quasi zum Inventar wurde. Nur eine Stunde braucht er von zu Hause, von Oensingen im Kanton Solothurn, in die Sauber-Fabrik. „Perfekt für spontane Ausflüge, wenn es am Auto etwas zu verbessern gibt. Einfach mal rüberfahren, das war natürlich in den letzten Jahren etwas schwieriger, mit dem Hauptquartier in Silverstone.“ Schlecht sprechen von seinem langjährigen Team will Sutil keinesfalls – und schwärmt doch so engagiert von Sauber, dass Force India im Vergleich nur verlieren kann. „Sauber operiert wie ein Top-Team, da merkt man noch die BMW-Zeiten“, lobt Adrian, ist begeistert vom Windkanal, von den Großrechnern – und von seiner neuen Chefin Monisha Kaltenborn. Obwohl auch von indischem Blut, und doch der größte nur denkbare Gegensatz zum exaltierten Force-India-Zirkusdirektor Vijay Mallya. „Sie arbeitet schon sehr anders“, so Sutil. „Vijay war ein eigener Charakter, ein netter Kerl. Aber hier hast du ein Schweizer Team, eine ganz andere Kultur. Es ist einfach Qualitätsarbeit. Hier herrscht hohe Präzision.“ Der Feingeist mit Musiker-Vater, der ehemalige Pianist, und dazu die Schweizer Uhrwerker – gut möglich, dass sich hier eine Paarung gesucht und gefunden hat.

Alles perfekt somit? Nicht ganz. Sutil wäre nicht Sutil, würde nicht auch seine erste Sauber-Saison mit Fragezeichen beginnen. Wie groß die finanziellen Nöte des Teams tatsächlich sind, ist längst eines der großen Rätsel der Formel 1. Sauber war auf der Suche nach einem finanzkräftigen Bezahlfahrer. Die Öl-Millionen von Pastor Maldonado, die sich Lotus einverleibte, wären auch in Hinwil willkommen gewesen. Und vom jungen Russen Sergei Sirotkin, der im Rahmen eines Investorendeals in den Sauber hätte steigen sollen, spricht kaum mehr jemand.

Jetzt ist Sutil da. Lebensgefährtin Jenny Becks twitterte bereits, dass sie Adrian 2014 im Sauber-Ferrari C33 gerne auf dem Podest sehen würde. Geschnuppert am Stockerl hat Sutil schon des Öfteren – doch irgendwie, es ist wie verhext bei ihm, hat es nie funktioniert. Damit soll nun Schluss sein. Bye-bye, Inder – Grüezi, Sauber – Schluss mit den Pannen. Der Mann, der in der Formel 3 mit Lewis Hamilton mithalten konnte, träumt immer noch von Siegen, vom WM-Titel. „Ich bin kein Mensch, der einfach aufgibt. Es gibt viele Wege zum Erfolg“, weiß der Neue bei Sauber, und vielleicht ist seiner einfach nur besonders steinig. Adrian Sutil bleibt hungrig. Und wenn er schon Diät halten muss, sollen nun wenigstens in der Formel 1 die fetten Jahre anbrechen.

Jörg Heinrich

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