Die Wahrheit über Sauber

Wie Frau Kaltenborn ihr Team rettet

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Freundin Jennifer, Pilot Sutil: Eher können Schweine fliegen als Sutil 2015 siegen…

Berlin - Es ist an der Zeit, mal über das Sauber-Team zu schreiben. Um Sauber reinzuwaschen. Dabei steht eine Lady mit großem Herzen im Mittelpunkt, die, fangen wir mal damit an, allen Vorurteilen zum Trotz sogar einem Vorbestraften eine Chance gab, sich zu bewähren.

Und die erst dann löwenmuttergleich die Krallen ausfuhr, als sie ihr finanziell angeschlagenes Team retten musste. Weil ihr oberstes Ziel immer war und ist: dass jeder der 330 Mitarbeiter in der Fabrik in Hinwil bei Zürich seinen Job behält und am Ende jedes Monats das Brot auf den Tisch der Familie stellen kann.

Es ist auch die Geschichte über Formel-1-Piloten, die von ihrer Entourage in Watte gepackt werden. Die mit Rolls Royce oder Bentley zur ­Strecke fahren. Die nur nach dem Rennen Vollgas geben, um schnell von der Rennstrecke zu flüchten und wo die Freundin dann die schwere Entscheidung treffen muss: „Darling, fliegen wir jetzt in die Wohnung in Monaco oder in das Haus in die Schweiz.“ Über Fahrer, für die es schon ein verlorener Tag ist, wenn über ihrer Yacht in Ibiza die Sonne ausnahmsweise nur sechs Stunden am Tag scheint. Und die zusammen mit ihren Managern und Beratern Versprechungen machten, aber nicht einhielten. Die Lady ist Teamchefin und Anteilseignerin Monisha Kaltenborn. Sie steht jetzt bei manchen in der Kritik. Zu Unrecht, wie ich meine.

Die Situation ist folgende: Sauber hat innerhalb einer Woche die Piloten für 2015 bekanntgegeben. Dabei handelt es sich um den Schweden Marcus Ericsson und den Brasilianer Felipe Nasr. Ericsson fuhr seine erste Saison bei Caterham, steigerte sich stetig, musste die letzten Saisonrennen aber aussetzen, weil sein Team pleite ging. Seine Sponsoren sollen bei Sauber eine Mitgift im zweistelligen Millionenbereich schon überwiesen haben.

Nasr ist Testfahrer bei Williams, fuhr einige Einsätze in Freitagtrainings und liegt in der Nachwuchsserie GP2 vor dem letzten Saisonrennen in Abu Dhabi auf dem zweiten Platz der Gesamtwertung. Sein Hauptsponsor Banco do Brasil unterstützt das Talent ebenfalls mit einem zweistelligen Millionenbetrag. Und habe, so hört man, den Betrag auch schon überwiesen. An sich nichts Besonderes: Wären da nicht der Deutsche Adrian Sutil und der hölländische Ersatzpilot Guido van der Garde, die verlauten lassen, sie hätten bei Sauber für 2015 bereits gültige Verträge.

Mit Frau Kaltenborn über die Situation zu reden, ist erfolglos. Sie schweigt eisern, wenn es darum geht, Interna zu verraten. Nett aber bestimmt lächelt sie dir dann ins Gesicht: „Interna werden im Team besprochen. Aber ich weiß, was ich tue.“ Das heißt: Man muss seine Informationen woanders besorgen. Da mal eine nette Zwischendurchzigarette mit einem Mechaniker oder Ingenieur, dort mal ein Kaffee mit anderen Teammitgliedern. Auch beim Plaudern erfährt man was. Und zum Glück gibt es da ja noch die andere Seite. Besonders die Manager von Fahrern, beseelt von einem irren Mitteilungsdrang, antworten oft, ohne gefragt zu werden. Also fasse ich mal zusammen.

Bei Adrian Sutil ist es so: Man hat in dieser Saison von dem Deutschen, der 2011 von einem Münchner Gericht zu einer Bewährungsstrafe wegen Körperverletzung verurteilt wurde, eine Menge im Team erwartet. Schnell sollte er sein und mit seiner Erfahrung von sechs Formel-1-Saisons die 2014er-Autos mit den neuen komplizierten Antriebsaggregaten zur Rennreife bringen. Außerdem versprach man von Sutils Seite, Sponsoren und Investoren in Millionenhöhe zu Sauber zu bringen, falls es zur Verpflichtung käme. Nichts davon, so hörte ich bei meinen Plauderzigaretten heraus, traf ein. Im Gegenteil: Es gab weder Sponsoren noch Investoren, aber schlimmer noch: Im sportlichen Bereich enttäuschte Sutil an allen Fronten. Nicht nur, dass er kaum schneller war als sein unerfahrener Teamkollege Esteban Gutierrez aus Mexiko. Bei den Ingenieuren und Mechanikern ist er völlig unten durch. Er verbreite schlechte Stimmung, heißt es. Seine Aussagen über das Fahrverhalten des Autos seien wertlos. Und seine Freundin Jennifer Becks ginge allen nur noch auf den Keks. Sie steht in der Box im Weg, in der Startaufstellung ebenso, und man hat bei Sauber den Eindruck, Sutil sei nur Erfüllungsgehilfe und Begleitung seiner blonden Lebensgefährtin, die emsig ihr kosmopolitisches Leben mit ihrem rennfahrenden Anhängsel um die Welt twittert. Sutil-Manager Manfred Zimmermann, der schon mal Kolleginnen in einem cholerischen Anfall anbrüllt, wenn ihm was nicht passt, lässt jetzt verbreiten: Bis zu sieben Millionen Euro stünden seinem Schützling an Abfindung zu. Begründung: 2015 hätte er ja auch gewinnen und regelmäßig aufs Podium fahren können. Und die möglichen eigenen Sponsoren, die ihm jetzt entgehen, nicht zu vergessen. Das mag ja juristisch nachvollziehbar sein. Aber die Realität ist: Eher können Schweine fliegen, als dass Sutil 2015 siegen kann.

Man muss Zimmermann dennoch verstehen: Unter Zeugen sagte er, wenn es die Abfindung in dieser Höhe gäbe, dann wäre Sutils Leben in Zukunft abgesichert. Recht hat er: Sutils Luxusautos, die Wohnsitze in Monaco und der Schweiz, die blonde Freundin – das alles muss erst mal finanziert werden. Die Juristen müssen jetzt entscheiden, ob Sutil mit Wissen aller Hintergründen überhaupt eine Abfindung zusteht, und wenn ja, in welcher Höhe.

Bei van der Garde ist es anders. Er war beliebter im Team. Der Niederländer machte einen guten Job bei den wenigen Testeinsätzen, die er 2014 bei Sauber hatte. Allerdings wären die versprochenen Millionen, die van der Gardes Schwiegervater – ihm gehört eine große Modekette in Holland – ebenso ausgeblieben wie die von Sutil versprochenen Investoren. Fest steht: Das Überleben des Teams, das Gehalt der 330 Mitarbeiter, wurde erst von Ericcsons und Nasrs Partnern gesichert. Was hätten Sie also an Frau Kaltenborns Stelle getan? Ich für meinen Teil wüsste es…

Ralf Bach

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