"Hornochsen" wollen Wiedergutmachung

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Sebastian Vettel (l.) und Mark Webber.

Istanbul - Sebastian Vettel hat keine guten Erinnerungen an den GP der Türkei. Der Formel-1-Weltmeister und sein Teamkollege Mark Webber wurden nach ihrem Crash vor einem Jahr als “Hornochsen“ verspottet. Jetzt ist Wiedergutmachung angesagt.

Für Sebastian Vettel ist es wahrscheinlich die letzte Chance: Dem Großen Preis der Türkei droht 2012 das Aus und der Red-Bull-Pilot will unbedingt mit seinem ersten Sieg im Istanbul Park Circuit die “Stierkampf“-Schmach vom Vorjahr tilgen. “Ich liebe diesen Kurs“, sagte Vettel und hofft auf eine Formel-1-Fortsetzung am Bosporus. “Die Türkei ist für mich etwas Besonderes, weil ich dort auch zum ersten Mal für BMW getestet habe.“ Es sei schade, wenn das Rennen vom Kalender gestrichen würde.

Trotz aller Sentimentalitäten wegen des möglichen Endes des Europa-Auftakts steht beim Weltmeister am Sonntag (Start: 14.00 Uhr MESZ/RTL und Sky) selbstredend das Sportliche im Vordergrund. Die jüngste Niederlage in Shanghai gegen Lewis Hamilton hat verdeutlicht, dass Vettel trotz seiner fahrerischen Klasse und der Vorteile des RB7 gegenüber den anderen Rennwagen höllisch aufpassen muss, um seinen immer noch souveränen Vorsprung in der WM-Wertung nicht zu verspielen.

Wer und was ist Red Bull? Und ist wirklich Stierhoden-Extrakt drin?

Red Bull ist in vieler Munde, nicht nur wegen Sebastian Vettel. Wir beantworten die 13 wichtigsten Fragen. © Getty
Wer ist Red Bull? Ein Unternehmen mit 6900 Mitarbeitern weltweit. Die Red-Bull-Zentrale liegt in Fuschl am See bei Salzburg.  © dpa
Wem gehört Red Bull? Zu 49 Prozent dem Österreicher Dietrich Mateschitz (66). Er steht laut Forbes-Magazin auf Platz 260 der Liste der der reichsten Männer der Welt. Die anderen Anteile gehören thailändischen Partnern. © dpa
Wer ist Dietrich Mateschitz? Ein Unternehmer, der in schwierigen Verhältnissen ohne Vater in der Steiermark auf wuchs. Er absolvierte in Wien die Hochschule für Welthandel. Danach arbeitete er für Jacobs Kaffee und den Zahnpastahersteller Blendax. © dpa
Womit wurde er reich? Mit dem Drink Red Bull. © dpa
Wie erfand Dietrich Mateschitz den Energiedrink? 1982 lernte Dietrich Mateschitz auf einer Dienstreise die in Asien populären „Tonic Drinks“ kennen. In der Bar des Mandarin Hotels von Hongkong hatte er die Idee, Energy Drinks auch in Europa auf den Markt zu bringen, was er zusammen mit thailändischen Partnern auch tat. © dpa
Was ist Red Bull? Ein Energie-Drink. Er enthält das Kohlenhydrat Glucuronolacton. Dieser Stoff unterstützt den Körper beim Abbau von Abfallstoffen. Weiterer Bestandteil ist Taurin, eine Aminosäure. Weiters enthält Red Bull unter anderem Koffein sowie B-Komplex-Vitamine und Sucralose. © dpa
Es gibt Gerüchte, dass Taurin aus Stierhoden gewonnen wird? Nein. Das Taurin in Red Bull wird rein synthetisch hergestellt. © dpa
Wie wirkt Red Bull Energy Drink? Red Bull gilt als Muntermacher, soll unter anderem die Leistungsfähigkeit, die Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit erhöhen. © dpa
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Wie werden die Zutaten für Red Bull Energy Drink hergestellt? Woher kommen sie? Sämtliche für Red Bull Energy Drink verwendeten Zutaten werden synthetisch hergestellt, die meisten von Pharmaunternehmen. © dpa
Seit wann gibt es Red Bull? 1984 gründete Mateschitz die Firma Red Bull. Nach der Verfeinerung der Rezeptur und der Entwicklung eines Marketingkonzepts wurde es 1987 im österreichischen Markt eingeführt. Während sich der Absatz in Österreich von Jahr zu Jahr verdoppelte, landete Red Bull in den ersten Auslandsmärkten: 1989 in Singapur und 1992 in Ungarn. 1994 kam die Zulassung für Deutschland, 1995 folgte die Einführung in Großbritannien und 1997 startete das USA-Geschäft in Kalifornien. © dpa
Was ist das Erfolgsgeheimnis? Mit einem konsequenten Dosendesign, ausgefallenen Werbestrategien und der Kampagne „Red Bull verleiht Flügel“ erreichte der Drink vor allem bei jungen Menschen rasch Kultstatus. © dpa
Wie viele Dosen Red Bull werden jedes Jahr verkauft? Heute werden in 160 Ländern pro Jahr ca. 4 Milliarden Dosen Red Bull verkauft. © dpa
Was gehört zum Imperium von Dietrich Mateschitz? Er besitzt rund zwei Dutztend Unternehmen: Restaurants, Baufirmen, eine Formel-1-Rennstrecke, einen Flugplatz sowie Hotels. Privat gehört ihm auch ein Militärjet sowie die ehemalige DC 6 von Marschall Tito. Ein Teil der Markenstrategie des Österreichers ist außerdem das Sponsoring von Trend-, Event-, aber auch Rennsportarten. Mateschitz besitzt zwei Auto-Rennställe, darunter das Formel-1-Team mit Sebastian Vettel. © dpa

Vettel ist sich dieser Gefahr voll bewusst. Der 23 Jahre alte Heppenheimer stuft nicht nur das McLaren-Duo Hamilton und Jenson Button als ernsthafte Konkurrenten ein. Er warnt vor dem vierten Saisonlauf auch vor den bislang eher enttäuschenden Ferrari mit Doppel-Champion Fernando Alonso und Mercedes GP mit Rekord-Weltmeister Michael Schumacher und Nico Rosberg sowie den überraschend starken Renault mit Nick Heidfeld.

Trotz des großen Respekts vor den Rivalen vertraut Vettel aber den eigenen Fähigkeiten. “Wir hatten einen guten Start in die Saison“, sagte er und geht davon aus, dass die Leistungskurve weiter nach oben steigt. Für Istanbul hat Red Bull wie die meisten Teams einige technische Weiterentwicklungen an Bord. “Unser Auto sollte hier stark sein“, versicherte Vettel, fügte aber an: “Wir müssen unsere Gegner respektieren und können nie etwas als garantiert nehmen.“

Vettel geht davon aus, dass Technik-Guru Adrian Newey und die Red-Bull-Ingenieure während der dreiwöchigen Pause das Problem mit dem Bremsenergie-Rückgewinnungssystem KERS in den Griff bekommen haben. “Ich mache mir keine Sorgen“, betonte er.

Hamilton hofft indes, dass die “Roten Bullen“ wegen ihres häufig streikenden Zusatzschubs auch in der Türkei ins Stolpern kommen. “Dies ist ein Kurs, wo KERS ein großer Vorteil ist“, stichelte der Brite. Sollte Red Bull mit dem System weiter Schwierigkeiten haben, fiele Hamilton die Wiederholung seines Vorjahressieges um einiges leichter und er könnte Vettel noch näher auf die Pelle rücken.

2010 bekam Hamilton den Sieg wegen des stümperhaften Stallduells der Widersacher geschenkt: Vettel kollidierte damals nach einer Attacke gegen seinen führenden Teamgefährten Mark Webber. Obwohl der Australier langsamer war, verteidigte er rücksichtslos die Spitzenposition. Fatale Konsequenz des Crashs am Bosporus: Vettel schied aus, Webber konnte nur noch Rang drei sichern.

Leise Hoffnungen auf einen Podestplatz macht sich auch die Mercedes-Mannschaft. “Jetzt kommen neue Teile drauf. Das wird uns schneller machen“, sagte Rosberg. Der Wiesbadener hat den Frust von China inzwischen bewältigt, wo er einen greifbar nahen Podiumsrang wegen eines Rechenfehlers der Rennstrategen verpasste. Weil er rund sechs Kilogramm Sprit zu wenig im Tank hatte, konnte der zwischendurch sogar Führende am Schluss nicht mehr attackieren.

“Es ist mein Ziel, ein Rennen zu gewinnen. Das ist jetzt wieder realistisch“, sagte Rosberg. “Aber dazu gehört auch Glück, weil wir nicht das schnellste Auto haben.“ Schumacher ist ebenfalls zuversichtlich, dass das Team dank der neuen Teile in der Türkei “ein positives Wochenende erleben“ kann.

Sebastian Vettel: Der Weltmeister ohne Helm

Sebastian Vettel könnte auch als Model arbeiten. Doch der Sonnyboy ist einfach zu schnell - und hat sich daher für eine Rennfahrer-Karriere entschieden. Zum Leidwesen vieler Frauen, schließlich trägt er bei der Arbeit meist einen Helm. Zum Glück zeigt sich der Heppenheimer auch oft genug anders. Hier sehen Sie Bilder des flotten Fahrers - allesamt garantiert ohne Helm. © Getty
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Nach drei Rennen führt Vettel die WM-Wertung mit 68 Punkten nach wie vor souverän vor Hamilton (47) an. Der Brite könnte den Deutschen als einziger der Verfolger überholen, wenn er gewinnen und Vettel höchstens Neunter würde. Der Gesamtdritte Button (38 Punkte) und Webber (37) liegen zu weit zurück.

dpa

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