Interview mit Formel-1-Teamchefin

Kaltenborn prangert an: "Wettbewerb ist nicht fair"

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Frau klarer Worte: Monisha Kaltenborn setzt sich vehement für ihren Sauber-Rennstall ein.

Sotschi - Die Formel 1 hat ein großes Problem: die Ungleichheit zwischen den verschiedenen Teams. Das prangert Monisha Kaltenborn an. Die Sauber-Teamchefin spricht im Interview Klartext.

Frau Kaltenborn, wie geht es Ihnen im Moment?

Kaltenborn: Gut, ich kann nicht klagen.

Anscheinend doch: Immerhin haben Sie und Force India eine Beschwerde bei der EU eingereicht.

Kaltenborn: Ja. Das Sauber F1 Team ist eines von zwei Teams, das eine Beschwerde an die Europäische Kommission wegen Verletzung des europäischen Wettbewerbsrechts eingereicht hat. Da der Prozess eingeleitet worden ist, können wir im Moment nicht mehr dazu sagen.

Wie schwer ist es denn heutzutage, ein kleines, unabhängiges Team zu leiten?

Kaltenborn: Sehr schwierig. Weil Geld viel mehr als früher eine zentrale Rolle für die Leistungsfähigkeit spielt. Es gab zwar immer große und kleine Teams, aber früher konnte auf Grund der damaligen technischen Regeln auch ein kleineres Team aufs Podium fahren. Heute ist das so gut wie nicht mehr möglich. Die Regeln, die gemacht wurden sind, benötigten immer größere Investitionen. Und speziell die Hybridmotoren, die es seit 2014 gibt, machten die Formel 1 zur Motorformel.

Und Sie können noch nicht mal über Regeln mitentscheiden. Im Gegensatz zu den großen Teams.

Kaltenborn: Als die Regeln gemacht wurden, waren wir nicht dabei. Ich habe nichts gegen die Technik des Motors. Es geht mir um die Kosten. Man hat uns vor die Tatsache gestellt: Nehmt die Motoren, die im Jahr 18 Millionen Euro kosten, oder lasst es! Der Motor steht aber nicht wegen der Kosten in der Kritik.

Sondern?

Kaltenborn: Weil die Motoren nicht gleichwertig sind. Es gibt erhebliche Leistungsunterschiede. Es ist kein Geheimnis, dass Mercedes das beste Aggregat hat, Ferrari das zweitbeste und Renault und Honda hinterherhinken. Das führt dazu, dass der Motor im Gegensatz zu früher wichtiger ist als Fahrer und Chassis. Aber mir geht es nur um die Kosten.

Ist das ein Fehler im System?

Kaltenborn: Ja. Denn es ist nicht richtig, wenn sechs Teams, die sich in der sogenannten Strategiegruppe befinden, über den Kopf der anderen hinweg willkürlich Regeln bestimmen. Das hat mit fairem Wettbewerb nichts zu tun.

Gibt es eine andere Sportart, bei der es ein ähnliches totalitäres System gibt?

Kaltenborn: Ich kenne keine. Man sollte vielmehr von anderen Sportarten lernen.

Von welchen?

Kaltenborn: Zum Beispiel von der NBA in den USA. Dort haben kleinere Teams die Möglichkeit, an der Spielerbörse zuerst zuzuschlagen. Oder Fußball ist auch ein gutes Beispiel. In England oder auch in Deutschland bekommen auch die schwächsten Teams noch so viel vom milliardenschweren Fernsehkuchen ab, dass sie nie in Existenzprobleme schlingern. Dort bekommen die Spitzenteams auch am meisten ab, aber jeder hat genug zum Überleben. Das ist in der Formel 1 nicht so. Die Ursache von allem Übel ist für mich das technische Reglement.

Inwiefern?

Kaltenborn: Man kann das Reglement einfacher machen. Das könnte man zum Beispiel durch eine vorgegebene Budget­regelung machen, sagen wir mal 100 Millionen Euro im Jahr: Daran muss sich dann jeder halten. Wie er das Budget ausreizt, ob mit Testfahrten, Computersimulationen, Windkanalstunden oder einem großen Technikerstab sollte jedem selbst überlassen werden. Ich denke, dann würde es auch keine negativen Schlagzeilen mehr geben. Man würde wieder mehr über den Sport als über wirtschaftliche Dinge berichten. Der Kreis würde sich im positiven Sinne schließen. Weil die Show dann besser ist, es wieder einen gesunden Wettbewerb geben würde und die Langweile wäre auch nicht mehr da.

Wo würde Sauber mit 100 Millionen mehr stehen?

Kaltenborn: Viel weiter vorne.

Warum aber sollten Hersteller sich noch weiter in der Formel 1 engagieren, wenn sie auf eine ihrer Stärken verzichten müssten? Das große Budget.

Kaltenborn: Die Formel 1 ist immer noch die Königsklasse. Da sollten sie deshalb präsent sein. Als Hersteller muss man aber auch den Mut haben, innerhalb einer Budgetobergrenze seinen Vorsprung durch Technik zu beweisen. Das ist sehr reizvoll und viel effizienter. Denn die Außenwirkung ist doch viel größer.

Wie stehen denn große Teams zu den Problemen der kleineren? Haben Sie ein offenes Ohr?

Kaltenborn: In der Formel 1 hat keiner ein offenes Ohr für die Probleme des anderen.

Interview: Ralf Bach

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