„Es liegt nicht mehr in Pascals Händen“

Kubica kämpft, Wehrlein wartet - wer bekommt das Williams-Cockpit?

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Pascal Wehrlein ist ein Kandidat für das Cockpit 2018 bei Williams.

In Abu Dhabi entscheidet sich die Formel-1-Zukunft von Pascal Wehrlein - doch er selbst hat keinen Einfluss mehr. Überzeugt Robert Kubica bei den Tests für Williams, dann schnappt er Wehrlein das letzte Cockpit weg.

Abu Dhabi/Köln - Pascal Wehrlein weiß nicht, wie es weitergeht. Nur ein Liveticker im Internet gibt dem Deutschen in diesen Tagen eine leise Ahnung von der eigenen Zukunft. Denn die Formel 1 ist nach dem Saisonfinale zum Testen in Abu Dhabi geblieben, Wehrlein selbst ist schon abgereist. Und eine Frage ist entscheidend für ihn: Wie schlägt sich Robert Kubica?

Der Pole, seit einem Rallye-Unfall vor fast sieben Jahren körperlich eingeschränkt, kämpft noch bis Mittwoch um sein Comeback in der Königsklasse. Das Traditionsteam Williams gibt ihm die Chance im aktuellen Boliden. Und wenn Kubica überzeugt, dann schnappt er Wehrlein das letzte freie Cockpit für 2018 weg - und die Formel 1 würde ihre Runden in Zukunft ohne einen der vielversprechendsten deutschen Piloten drehen.

"Es liegt nicht mehr in Pascals Händen", sagt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff, sein großer Förderer. Wehrlein gehört zum Juniorteam des Weltmeister-Rennstalls und soll eigentlich irgendwann im Silberpfeil sitzen. Doch dazu benötigt er weitere Lehrjahre in der Formel 1.

Schon jetzt scheint die Chance des 23-Jährigen auf das Williams-Cockpit "winzig", sagt Wolff: "Robert Kubica genießt Priorität", und Wolff kann das durchaus verstehen: "Für die Formel 1, für das Team und für Robert wäre es toll, wenn er es schafft."

Denn Kubicas Geschichte ist eine besondere. Der 32-Jährige fuhr einst auf einem Niveau mit Lewis Hamilton und Fernando Alonso, wurde als künftiger Weltmeister gesehen. Doch als Gaststarter bei einer unterklassigen Rallye verunglückte er 2011 so schwer, dass die Ärzte nur mit Mühe seinen rechten Arm retten konnten. Bis heute ist Kubica in seiner Beweglichkeit eingeschränkt.

Das Comeback des von Ex-Champion Nico Rosberg gemanagten Polen wäre für Williams ein PR-Coup und damit schon einiges wert. Kommt Kubica annähernd an sein altes Leistungsniveau heran, ist es ein lohnendes Geschäft. Alternativen sind neben Wehrlein der Schotte Paul di Resta und der Russe Daniil Kwjat.

Robert Kubica will zurück in die Formel 1.

Am Dienstag bewies Kubica auf dem Yas Marina Circuit schon mal Ausdauer, mit 100 Runden und damit fast zwei Renndistanzen war er fleißigster Testpilot und konnte konstante Rundenzeiten halten. Ähnlich hatte er sich schon im Sommer beim Test für das Renault-Werksteam präsentiert.

Wehrlein indes fährt seit zwei Jahren Formel 1, bislang nur bei den unterlegenen Teams Manor und Sauber. Seine Chancen beim Mercedes-Motorenkunden Williams schienen nun eigentlich gar nicht schlecht. Die Geschäftsbeziehung mit dem Team gab Wolff durchaus gute Verhandlungsmöglichkeiten. "Aber wir sollten sie nicht unter Druck setzen", sagte der Österreicher bei motorsport.com, "der Rennstall muss entscheiden."

Klappt es nun nicht mit der Königsklasse, bleibt Wehrlein wohl Ersatzfahrer bei Mercedes, für seine Zukunft sei das aber "nicht genug", sagt Wolff. Auch eine Rückkehr in die DTM sei nicht logisch, sinnvoller erscheinen Wettbewerbe, in denen Wehrlein an seiner Einsitzer-Karriere feilen kann: Die Formel E, die IndyCar-Serie in den USA oder die japanische Super Formula.

Wehrlein selbst denkt indes seit Monaten nur an seine kleine Chance in der Formel 1. Kubicas Testfahrten in Abu Dhabi werde er verfolgen, sagte er im Rahmen des Saisonfinales am vergangenen Wochenende. Der Liveticker muss erste wichtige Antworten geben.

SID

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