Großer Preis von Sakhir

Mercedes-Pannen kosten Russell-Sieg: Perez siegt in Bahrain

Sergio Perez
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Der Mexikaner Sergio Perez vom Team Racing-Point steuert sein Auto auf der Rennstrecke zum Sieg. Foto: Giuseppe Cacace/Pool AFP/AP/dpa
Vettel und Perez
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Sebastian Vettel vom Team Scuderia Ferrari steuert sein Auto auf der Rennstrecke vor dem späteren Sieger Sergio Perez vom Team Racing-Point. Foto: Giuseppe Cacace/Pool AFP/AP/dpa
George Russell
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Fahrer-Talent George Russell aus Großbritannien ersetzte Lewis Hamilton im Mercedes-Cockpit in Bahrain. Foto: Giuseppe Cacace/Pool AFP/AP/dpa
Grand Prix von Sakhir
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Hamilton-Ersatz George Russell (l) und Mercedes-Teamkollege Valtteri Bottas führen das Feld zunächst an. Foto: Tolga Bozoglu/Pool EPA/AP/dpa

Wieder ein irres Formel-1-Rennen in Bahrain: Lange sieht alles nach einem Sieg für Lewis Hamiltons Ersatzmann George Russell aus. Doch dann patzt Mercedes schwer - und ein Mexikaner darf jubeln.

Sakhir (dpa) - Eine Pannenserie bei Lewis Hamiltons Vertreter George Russell und Mercedes hat dem Mexikaner Sergio Perez zum ersten Sieg in der Formel 1 verholfen.

Der 30-Jährige staubte beim vorletzten Saisonrennen in Bahrain in seinem Racing Point Platz eins ab, nachdem das sonst so dominante Silberpfeil-Team erst beim Boxenstopp mit den Reifen durcheinander geraten war und Russell dann bei seiner Aufholjagd auch noch von einem Plattfuß gebremst wurde. «Ich hoffe, ich träume nicht», sagte Perez überglücklich. Zweiter wurde der Franzose Esteban Ocon im Renault, Platz drei holte auf dem staubigen Kurz-Kurs in Sakhir Perez-Teamkollege Lance Stroll.

Für Perez, der im Sommer wegen einer Corona-Infektion zweimal pausiert hatte, war der Sieg in seinem 190. Grand-Prix-Start eine besondere Genugtuung. Der Routinier muss zum Jahresende sein Cockpit für Sebastian Vettel räumen, der im Ferrari diesmal als Zwölfter wieder ohne Punkte blieb. «Ich bin sprachlos, Jungs», funkte Perez mit tränenerstickter Stimme. «Checo, Checo, Checo», skandierten seine Mechaniker. Nach einem Unfall in der ersten Runde war Perez noch ans Ende des Feldes zurückgefallen.

Der größte Pechvogel des Tages war Russell, der lange wie der sichere Sieger aussah und dann nur Neunter wurde. Erst am Mittwoch hatte der 22-Jährige die Freigabe seines Williams-Teams für den Einsatz im Mercedes erhalten, überholte am Start Teamkollege Valtteri Bottas und führte mit einer brillanten Leistung lange das Rennen an. Dann jedoch ging bei einem Boxenstopp während einer Safetey-Car-Phase bei Mercedes alles schief.

«Ich bin frustriert, absolut frustriert. Aber danke, dass ihr mir diese Chance gegeben habt», funkte Russell, ehe er traurig am Streckenrand kauerte. Nun muss er hoffen, dass er am kommenden Sonntag beim Finale in Abu Dhabi noch einmal Hamilton vertreten darf. Es ist unsicher, ob der bereits als Weltmeister gekürte Superstar nach seinen positiven Corona-Tests dann wieder fit ist. «Wenn er einen negativen Test hat, wird er fahren. Wenn nicht, dann ist es George», sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff bei Sky.

Eine Woche nach dem schockierenden Feuer-Unfall von Romain Grosjean richtete sich die Formel 1 auf ein weiteres Spektakel an gleicher Stelle ein. Der französische Haas-Pilot, der den Horror-Crash mit Verbrennungen an den Handrücken überstanden hatte, wird in diesem Jahr nicht mehr fahren. Als Lehre aus den Geschehnissen hatte der Weltverband in einigen Streckenbereichen die Sicherheitsmaßnahmen noch einmal verschärft.

Und doch musste schon wieder kurz nach dem Start das Safety-Car ausrücken. Ferrari-Pilot Charles Leclerc raste zu optimistisch in die Kurve und krachte in den Racing Point von Perez. Beim Ausweichmanöver rutschte Max Verstappen in die Begrenzung, für den Niederländer und Leclerc war der Arbeitstag beendet. «Ich würde sagen, es war Pech», befand Leclerc. Verstappen indes meinte: «Charles war da viel zu aggressiv, hat viel zu spät gebremst.»

An der Spitze fuhr da schon Hamilton-Vertreter Russell. Auf der nur 3,543 Kilometer langen Außenstrecke des Bahrain International Circuit, die erstmals von der Formel 1 befahren wurde, hielt er seinen Mercedes-Rivalen Bottas meist klar auf Distanz.

Derweil steckte Ferrari-Star Vettel wie so oft in diesem Jahr im Mittelfeld fest. Schon im Training war der Hesse nicht in Fahrt gekommen, zudem musste auch noch sein Motor wegen eines technischen Problems getauscht werden. Zu allem Überfluss patzten seine Mechaniker gleich bei beiden Boxenstopps, das kostete den 33-Jährigen wertvolle Sekunden.

Noch schlimmer lief es bei Mercedes. Weil Russells Williams-Vertreter Jack Aitken seinen Frontflügel verlor, kam erneut das Safety-Car auf die Strecke. Mercedes holte beide Piloten zum zweiten Mal zum Reifenwechsel, weil ihr Vorsprung sehr groß war. Doch die Mechaniker kamen mit den Pneus durcheinander, brauchten ewig für den Stopp von Bottas und mussten Russell wegen vertauschter Reifen sogar noch einmal an die Garage beordern.

Plötzlich führte Perez das Rennen vor Ocon und Stroll an. Bottas war nun Vierter und lag vor dem verärgerten Russell. «Du solltest einen Reifenvorteil haben», funkte der Mercedes-Kommandostand. Russell antwortete: «Das hoffe ich, verdammt nochmal.»

Und tatsächlich: Als die Strecke wieder frei war, schnappte sich Russell umgehend Bottas, dann auch Stroll und Ocon. Doch kurz darauf dann die Enttäuschung: Reifen platt, Ende aller Hoffnungen. Damit war der Weg frei für Perez.

© dpa-infocom, dpa:201206-99-594621/5

Infos zur Strecke

Informationen des Weltverbands

Mercedes-Mitteilung zu Russell

Rubriklistenbild: © Tolga Bozoglu

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