tz-Interview vor dem Brasilien-GP

Rosberg: "Da wird die Luft sehr, sehr dünn"

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Nico Rosberg (r.) kann sich keinen besseren Teamkollegen als Lewis Hamilton vorstellen.

München - Nico Rosberg will trotz seines Rückstands auf Lewis Hamilton in den letzten beiden Formel-1-Rennen nicht auf das Alles-oder-nichts-Prinzip setzen.

„Es muss ein kalkulierbares Risiko sein“, sagt der 29-Jährige, der vor den Rennen am Sonntag (17.00 Uhr) in São Paulo und am 23. November in Abu Dhabi 24 Zähler hinter dem Engländer liegt. Das tz-Interview:

Herr Rosberg, warum glauben Sie, dass Sie noch Weltmeister werden?

Rosberg: Weil ich mich – obwohl ich noch Rückstand habe – nur konzentrieren muss, ein sehr hohes Level abzurufen. Wenn mir das in den letzten Rennen gelingt, ist der Titel drin.

Wir sehen, der Wille ist da. Was lief in den Rennen nach Spa schief?

Rosberg: Am meisten mein technisch bedingter Ausfall in Singapur. Und natürlich hat mein Teamkollege bessere Rennen abgeliefert.

Kann man nicht auch sagen, Sie haben schlechtere Rennen abgeliefert ?

Rosberg: Das weiß ich nicht. Wenn er besser fährt, muss ich auch wieder eine Schippe drauflegen. Da kommt man dann schnell in Bereiche, in denen die Luft sehr, sehr dünn ist. Da ist man schnell über dem Limit. Das war bei mir in Monza und nach dem Start in Sotschi der Fall.

Sie galten als Pilot, der so gut wie keine Fehler macht. Und dann, nach Spa, fast in jedem Rennen.

Rosberg: Ich analysiere meine Fehler ganz ohne Hektik, und lerne draus. Beispiel: In Sotschi bin ich übers Limit gegangen. Das kann man ja nicht wegreden. Das habe ich für mich dann analysiert. Für mich ist es dann aber auch abgehakt. Ich bin jetzt hier und voller Energie. Mein Motto ist: Volle Attacke und Aus – recht simpel.

Dann wissen Sie ja , was zu tun ist.

Rosberg: Man muss wissen: Man ist nie perfekt. Denn man kann immer noch mal ein wenig besser werden. Aber ich genieße meine Situation auch. Weil ich das erste Mal in meiner Formel-1-Karriere ein Auto habe, mit dem ich immer aus eigener Kraft gewinnen kann. Es gibt nur einen richtigen Gegner, nicht sieben oder acht.

Hamilton hatte schon öfter Topautos. Ist diese Erfahrung ein mentaler Vorteil für ihn? 

Rosberg: Da gibt es viele Vor- und Nachteile in dieser Situation. Aber welche Stärken und Schwächen Hamilton hat – und ich kenne sie alle – behalte ich für mich.

Die Schwächen würden uns schon interessieren?

Rosberg: Ja, das glaube ich. Aber da bin ich eisern und schweige. Denn die muss ich ja ausnutzen. Und auch ich habe meine Stärken und Schwächen in der Situation. Den größten Druck mache ich mir selber. Ich habe halt diesen unbändigen Willen, dass ich Erfolg habe.

Wie gehen Sie zwischen den Rennen mit dem Druck um?

Rosberg: Momentan überwiegt der Genuss. Nennen wir meinen Druck besser positive Anspannung.

Was machen Sie anders als beispielsweise im letzten Jahr?

Rosberg: Ich denke noch präziser in Richtung Rennsport. Also noch fokussierter sein, noch weniger Ablenkung haben.

Was war denn die Ablenkung?

Rosberg: Zu hartes Training kann auch Ablenkung sein. Trainieren wurde richtig zur Sucht. Dieses Jahr trainiere ich auf jeden Fall weniger. Viel ziel­orientierter.

Haben Sie sich auch persönlich weiterentwickelt? Zum Beispiel nach der Kollision in Spa, als Sie die Schuld auf sich genommen haben?

Rosberg: Ja, auf jeden Fall. Denn gerade in schwierigen Momenten entwickelt man sich am meisten.

Haben Sie jemanden, der Ihnen hilft, positiv zu denken?

Rosberg: Nein, das habe ich mir mit der Zeit selber beigebracht. Es ist ja letztendlich Konzentration, Fokus, Essenz. Das sind die Eckpunkte.

Sprechen Sie mit Ihrem Vater darüber?

Rosberg: Weniger. Er steht mir natürlich bei, wenn ich mal eine Frage habe. Aber ich frage nicht sehr oft.

Aber Sie fragen ihn bestimmt nicht, wie man schneller Kurven fährt?

Rosberg: Das hat er mal versucht. Er hat gesagt, wenn die Strecke abtrocknet, musst du da hinfahren, wo es hellgrau ist. Weil es da trocken ist. Ich habe gegrinst und die Augen verdreht. Seitdem hat er nichts mehr gesagt.

Wenn Sie sich einen Teamkollegen aussuchen könnten, würden Sie dann Lewis Hamilton nehmen?

Rosberg: Ja, auf jeden Fall.

Warum schwer, wenn es auch einfach geht? 

Rosberg: Für genau diese Herausforderung bin ich ja im Sport. Es geht um Kampf. Dieses selbst über mich Hinauswachsen, weil der Teamkollege so stark ist. Das ist das, warum ich Rennsport mache.

Interview: Ralf Bach

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