Willi Weber im tz-Interview

Ex-Manager über Schumi: "Man kann es nicht ewig verheimlichen"

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Michael Schumacher und Willi Weber 2001 am Nürburgring.

München - Am 29. Dezember jährt sich Michael Schumachers (46) tragischer Skiunfall zum zweiten Mal. Und die Ungewissheit, wie es dem Kerpener geht, ist größer denn je. Die tz sprach mit Ex-Manager Willi Weber (73) über den schwierigen Umgang mit der Wahrheit.

Das letzte Statement der Familie ist vom Mai. Darin heißt es, Schumi mache nicht näher erklärte „Fortschritte“. Seitdem gibt es nur Äußerungen von Freunden – und Gerüchte. Das jüngste betrifft Schumis Mobilität, was Managerin Sabine Kehm (51) jedoch richtigstellt: „Leider werden wir durch einen Pressebericht zu der Klarstellung gezwungen, dass die Behauptung, Michael könne wieder gehen, nicht den Tatsachen entspricht.“ Wie sehen die Fortschritte dann aus? Die tz sprach mit Ex-Manager Willi Weber (73) über den schwierigen Umgang mit der Wahrheit.

Herr Weber, was wissen Sie über Schumis Gesundheitszustand?

Weber: Ja, was wissen wir? Michael macht Fortschritte, aber die Frage ist: Fortschritte auf welchem Niveau? Michael hat es schlimm erwischt, darunter habe ich schon so gelitten und leide immer noch. Es tut weh, deshalb schaue ich auch kein Rennen mehr und gehe auch nicht mehr an die Rennstrecke. Das dauert noch lang, bis es weg ist. Vielleicht hilft ja doch das Beten.

Flavio Briatore sagt, er besuche Michael nicht, weil er ihn lieber so in Erinnerung behalten möchte, wie er ihn kannte. Gibt Ihnen das Anlass zur Sorge?

Weber: Wissen Sie was? So halte ich es auch. Wir haben so viel gemeinsam erlebt, diese Bilder in meinem Kopf halten die Erinnerung an ihn lebendig. Ich finde es bedenklich, dass man nichts von der Familie hört, und vermisse ein bisschen die Transparenz. Man muss doch sagen, was ist, und kann das nicht ewig verheimlichen. Michael war ein Mann, der in der Öffentlichkeit stand. Dass man da nicht endlich Aufklärung betreibt, finde ich nicht gut. Das ist ja wie ein Versteckspiel.

Ähnlich läuft es mit seinem Sohn Mick. Der darf in der Formel 4 antreten, muss aber Interviews mit Helm geben…

Weber: Finden Sie das gut? Ich nicht. Michael hat immer gesagt, seine Kinder sollen sich frei entwickeln können. Da ist es doch paradox, wenn man sie in die Öffentlichkeit entlässt, aber gleichzeitig so abschirmt und nicht frei reden lässt. Das grenzt schon an Paranoia. Ich hoffe, in Micks zweiter Saison normalisiert sich das alles.

Glauben Sie, dass er es in die Formel 1 schafft?

Weber: Ich hoffe es für ihn – und uns. Denn die Formel 1 gibt kein gutes Bild ab und könnte den nächsten Schumacher gut gebrauchen. Und das sage ich bei aller Wertschätzung für Sebastian Vettel, der bei Ferrari einen super Job macht und im kommenden Jahr die Silbernen hoffentlich öfter schlägt.

Schauen Sie sich 2016 mal ein Formel-4-Rennen an? Ralf ist ja auch als Teamchef dabei...

Weber: Nein, da gehe ich nicht hin, da werde ich noch zu sehr an Michael erinnert. Aber ich finde gut, dass sich Ralf so engagiert und etwas für den Nachwuchs tut. Er hat das Kartcenter übernommen, arbeitet im Kartklub als Jugendleiter, hat sogar ein Restaurant. Er ist ein richtiger Hansdampf, so war er schon immer. Es ist wichtig, dass sich einer kümmert. 

Interview: Oliver Reuter

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