Als Corinna für uns Kaffee kochte

Michael Schumacher: tz-Reporter erinnert sich an Schumachers F1-Debüt   

Michael Schumachers Formel-1-Premiere beim Großen Preis von Belgien in Spa 1991.
+
Michael Schumachers Formel-1-Premiere beim Großen Preis von Belgien in Spa 1991.

Michael Schumacher feierte sein Formel-1-Debüt 1991 in Spa. Reporter Ralf Bach war damals live dabei.

Als Michael Schumacher 1991 in Spa sein Formel-1-Debüt feierte, war ich, tz-Reporter Ralf Bach, live dabei. Dabei kam Michaels Formel-1-Einstieg für mich ebenso überraschend wie für ihn. Obwohl wir längst von der Formel 1 geträumt hatten. Wir, das waren Schumacher, Heinz-Harald Frentzen und ich. Die beiden gehörten dem Mercedes-Junior-Team an, ich war damals blutjunger Reporter in Köln. Wir trafen uns oft, träumten davon, die Arrivierten herauszufordern.

Beim Sportwagen-Rennen am Nürburgring zwei Wochen vor Spa eröffnete Michael mir plötzlich: „Ich kann in Spa den Jordan fahren.“ Jede Faser seines Körpers sagte mir: „Ich will!“ Michael war in 25 Runden beim Test in Silverstone eine Sekunde schneller als Stammpilot Andrea de Cesaris. Jordan brach den Test vorzeitig ab - aus Angst um das Auto. Michael damals verständnislos: „Ich war schnell am Limit, hatte aber noch nicht angefangen, das Auto abzustimmen.“

Michael Schumacher: GP-Wochenende in Spa 1991 veränderte die Motorsportwelt

Auf dem Weg nach Spa rief er mit seinem Knochen von Mobiltelefon noch aus dem Auto an und fragte nach dem Weg. Am Donnerstag war die Formel-1-Welt noch in Ordnung. Michael zog den Overall seines Teamkollegen an, klebte den Namen ab und lächelte geduldig in die Kameras. Am Freitag schaute er den Kollegen bei der Vorqualifikation zu, „um zu lernen“ - um acht Uhr morgens, irgendwo an der Strecke, unbeobachtet. Es war das letzte Mal, dass man den Nachwuchspiloten aus Kerpen in Ruhe ließ.

Schumachers Formel-1-Debüt in Spa: Eddie Jordan und Michael Schumacher auf einem Archivfoto von 1991.

Michael Schumacher: Sensationellen Einstand in der Formel 1

Die etablierten Fahrer wie Alain Prost und Nigel Mansell hielten den jungen Mann mit dem etwas zu großen grünen Overall zunächst für einen Mechaniker des Jordan-Teams. Am Freitag wusste dann jeder, wer dieser Schumacher war: Platz acht! Überhaupt hatte es keine fünf Runden gedauert, bis eine Aktion von Michael dazu führte, dass er zur Rennleitung zitiert wurde - wegen ungebührlichen Verhaltens. Er hatte Superstar Alain Prost im Ferrari die Faust gezeigt - mit der Begründung: „Der Herr Prost hat nicht in den Spiegel geschaut.“ Ich fand’s großartig. Die Strecke hatte er zuvor in zwei Runden auf dem Fahrrad kennengelernt. Gemeinsam mit Heinz-Harald Frentzen, der in Spa Formel 3000 fuhr. Die meiste Zeit verbrachte Michael eh im Fahrerlager der Juniorkategorie. Dort unterhielt er sich stundenlang mit Frentzen. Dessen Freundin Corinna - später Frau Schumacher - kochte Kaffee für die beiden - und mich.

Nach dem Qualifying waren alle durch den Wind. Michael hatte den unterlegenen Jordan auf Startplatz sieben gestellt. Franco Lini, ein italienischer Journalist und ehemaliger Ferrari-Teamchef kniff ihm in die Wangen: „Wenn der alte Enzo noch leben würde, er hätte dich heute angerufen.“ (rb) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Auch interessant

Kommentare