TV-Hammer! Zwei Sender teilen sich künftig die Champions League - Platzhirsch ist raus

TV-Hammer! Zwei Sender teilen sich künftig die Champions League - Platzhirsch ist raus

Für den Erfolg gab er alles

Michael Schumacher: Ein Leben der Extreme

+
Der siebenmalige deutsche Formel 1-Weltmeister, Michael Schumacher, stürzt am 12.06.2008 beim freien Motorrad-Training mit seiner IDM-Superbike auf dem Sachsenring bei Zwickau.

Grenoble - Michael Schumacher steht wie kein anderer für Geschwindigkeit - egal ob im Formel-1-Auto, beim Fallschirmspringen oder beim Skifahren. Der 44-Jährige lebte stets für den Erfolg - und gab seinen Körper dafür. 

Im Moment der größten Katastrophe ist die Welt des Michael Schumacher (44) plötzlich zum Stillstand gezwungen. Zum Warten und Bangen, zum Hoffen und Beten. Das Leben des erfolgreichsten Formel-1-Rennfahrers liegt nach seinem schweren Skiunfall nun in den Händen von Ärzten. Die Sportwelt hält inne, Freunde und Familie zittern um einen der größten deutschen Sportler überhaupt – und gleichzeitig um eine ganz eigene Persönlichkeit, dessen Lebensinhalt das Extreme ist.

Schumacher lebte den Erfolg und gab seinen Körper dafür

Nur 300 Mark im Monat verdiente der spätere Multimillionär als 20-Jähriger, als er seine Lehre zum Kfz-Mechaniker abschloss – 1000 Mark erhielt er für sein erstes Formel-1-Rennen im belgischen Spa am 25. August 1991. Die Geschichte dazu ist legendär: Mit einer Pizza und Herzklopfen übernachtete der junge Schumacher in einer Jugendherberge, den Platz im Jordan-Cockpit beschaffte ihm Manager Willi Weber. Eine Megakarriere nahm ihren Lauf: Nur ein Jahr danach gewann er sein erstes Rennen und wechselte später zu Benetton und Ferrari. Schumacher kontrollierte sich und seine Gegner – mit dieser Art beherrschte er die Formel 1 und brach alle Rekorde: Schumacher gewann 91 Grand Prix – so viele wie kein anderer. Er wurde siebenmal Weltmeister. So oft wie kein anderer. Er stand 68-mal auf der Pole. Öfter als jeder andere. Schumacher lebte den Erfolg und gab alles dafür – auch seinen Körper. Schwere Verletzungen zeichneten seinen Weg, doch sie hielten ihn nicht ab. Er kurierte sich und gab immer wieder Gas. Auf und neben der Rennstrecke. Denn er liebte die Extreme, forderte Risiken heraus, um Grenzen auszuloten. Und überwand sich immer wieder neu.

Ein Leben der Extreme – und eines für den Erfolg

So besiegte Schumacher seine Höhenangst und wurde zum leidenschaftlichen Fallschirmspringer. Regelmäßig stürzte er sich aus Tausenden Metern in die Tiefe. 2009 überlebte er einen schweren Sturz auf dem Motorrad nur knapp und brach sich mehrere Halswirbel. Insgesamt sechsmal verunglückte er auf der Formel-1-Strecke schwer. In Ruhe altern? Das schien für den gebürtigen Kerpener nicht möglich. Immer wieder brauchte und suchte er die Herausforderung, startete nach sieben Jahren Rennzirkus in der Formel 1 und drei Jahren Pause im Frühjahr 2010 noch einmal durch. Schumachers großes Comeback: Die italienische Zeitung Repubblica bezeichnete ihn als „Sklaven der Geschwindigkeit“.

„Ich bin kein Mensch, der gerne Emotionen zeigt, außer bei denen, die mich gut kennen“, sagte Schumacher einmal über sich selbst – nach außen wirkt er getrieben, distanziert und kühl. Ein Leben der Extreme – und eines für den Erfolg. Trotz Welterfolgen bezeichnet er sich selbst als bodenständig, privat gilt Schumacher als Familienmensch – seit seinem endgültigen Karriereende stehen Ehefrau Corinna und die beiden Kinder Gina-Maria (16) und Mick (14) im Vordergrund. „Keine Sekunde“, habe er den Abschied aus der Formel 1 bereut. Aus dem Rennfahrer wurde der Privatier Michael Schumacher. Auch das eine extreme Veränderung.

Michael Schumacher: Bilder seiner unglaublichen Karriere

Der erfolgreichste Pilot der Formel-1-Geschichte, Rekord-Weltmeister und Legende: Seine unglaubliche Karriere in Bildern sehen Sie hier. © picture alliance / dpa
Sein Formel 1-Debüt (Archivfoto vom 25.08.1991) gab Michael Schumacher auf dem Kurs von Spa-Francorchamps in Belgien in einem Jordan-Ford. Trotz seines Ausfalls nach wenigen hundert Metern machte er auf sich aufmerksam. Er wechselte umgehend zu Benetton. © picture alliance / dpa
Michael Schumacher (r.) und der Brite Nigel Mansell (er wurde Zweiter) mit dem Siegerpokal in Spa in Belgien. Am 30.08.1992, also nur knapp ein Jahr nach seinem Debüt, feiert Schumi seinen ersten Grand-Prix-Gewinn. © picture-alliance / dpa/dpaweb
Manager Willi Weber (l) im Gespräch mit Formel-1-Pilot Michael Schumacher in Silverstone. Auch im Jahre 1992 war Willi Weber schon der Manager von Michael Schumacher. © picture alliance / dpa
Die Brüder Ralf (l) und Michael Schumacher (r) in Kerpen mit ihrem Vater Rolf (Archivfoto vom 19.07.1993). © picture alliance / dpa
Michael Schumacher (Benetton-Ford) - hier auf den Schultern von Team-Manager Flavio Briatore (r.) und Rennleiter Tom Walkinshaw - ging am 13.11.1994 im australischen Adelaide als glücklichstes Unfallopfer und als erster deutscher Weltmeister in die Geschichte der Formel 1 ein. © picture alliance / dpa
Eine spektakuläre Kollision mit seinem britischen Titelkonkurrenten Damon Hill (Williams-Renault) beendete in der 36. Runde das bis dahin packende Duell um die WM-Krone beim Großen Preis von Australien, zugunsten des Deutschen. Das Aus für beide brachte dem 25jährigen Schumacher den WM-Titel mit einem Punkt (92) Vorsprung vor dem Briten. © picture alliance / dpa
Der Sieg wurde ausgiebig gefeiert. © picture alliance / dpa
Michael Schumacher ist erneut Weltmeister. Nach dem Triumph beim Großen Pazifik-Pokal im japanischen Aida jubelt der deutsche Formel-1-Pilot mit dem Siegespokal in der Hand über die erfolgreiche Titelverteidigung (Archivfoto vom 22.10.1995). © picture-alliance/ dpa
Nach seinem zweiten Titel wechselt Schumacher 1996 zu Ferrari. Hier feiert er seinen ersten Sieg im roten Renner, den er im Regenrennen von Barcelona am 02.06.1996 einfährt. Seinen Titel jedoch kann er nicht verteidigen, dieser geht an Damon Hill. © AFP
Im letzten Rennen 1997 verzockt er seine Titelchancen: Das Fernsehbild von RTL zeigt aus der Sicht der Bordkamera Michael Schumachers (l.) den Rempler gegen seinen direkten Konkurrenten Jaques Villeneuve (r) im spanischen Jerez beim letzten Rennen der Saison um die Weltmeisterschaft (26.10.1997).  © picture alliance / dpa
Da Villeneuve trotz der Attacke Schumachers weiterfahren konnte, der Kerpener aber vorzeitig ausfiel, wurde der Kanadier erstmals Weltmeister. Schumacher wurde der Titel des Vize-Weltmeisters nachträglich durch den Weltrat des Internationalen Automobil-Verbandes FIA wegen des Rammstoßes aberkannt. © AFP
Stolz auf ihren Sohn: Mama Elisabeth und Papa Rolf im Jahr 1997 auf der zu einem Fernsehstudio umgebauten Indoor-Kartbahn in Kerpen vor der Übertragung des Formel 1-Finales aus dem spanischen Jerez auf der Party eines Fernsehsenders. © picture-alliance / dpa
Nachdem er 1998 gegen Mika Häkkinnen im McLaren erneut den Titel nicht erringen kann, stoppt ihn 1999 ein schwerer Unfall. Im britischen Silverstone rast er noch in der Einführungsrunde in einem Reifenstapel und bricht sich das Bein (11.07.1999). © picture alliance / dpa
So kannten ihn die Formel-1-Fans: Regengott Schumacher in Aktion. Bei nassen Pisten konnte fast keiner seiner Kontrahenten mit ihm mithalten. © picture-alliance / dpa
Beim großen Preis von Japan 2000 sichert sich Schumacher endlich wieder den WM-Titel. Zudem holte sich Ferrari auch den Konstrukteurs-Titel. © AFP
Die italienischen Gazzetten feiern Schumacher. © picture-alliance / dpa
Doch beim Österreich-Grand-Prix kommt es zur Farce. Schumis Teamkollege Rubens Barrichello (r.), der das Rennen souverän anführt, wird vom Team angewiesen Schumacher überholen zu lassen ("Let Michael pass for the championship!"). Der Brasilianer lässt den Champion tatsächlich kurz vor der Ziellinie vorbeiziehen. Schumacher schiebt Barrichello bei der Siegerehrung auf das oberste Podest, schämt sich für die Stallorder. © picture-alliance / dpa/dpaweb
Das Jahr 2003 war ein trauriges für Michael und Ralf Schumacher: Die Mutter Elisabeth starb an Krebs. Bei dem Rennen in Imola gewann Michael den Grand Prix und vergoss mit Trauerflor am Arm und gesenktem Kopf Tränen auf dem Siegerpodest. Am Ende der Saison wird er wieder Weltmeister. © picture-alliance / dpa/dpaweb
Seit 1999 fährt auch Michaels Bruder Ralf Schumacher in der Formel 1. Einige mal stehen sie gemeinsam auf dem Siegertreppchen, feiern ausgiebig ihre Triumphe. Doch aus dem Schatten seines großen Bruders kann Ralf nicht heraustreten. © picture-alliance / dpa/dpaweb
Beim USA-Rennen 2004 kracht Ralf in die Mauer, seine Bolide kommt auf der Start-Ziel-Gerade zum stehen. Michael fährt mit seinem Ferrari vorsichtig vorbei. © picture-alliance / dpa/dpaweb
Im gleichen Jahr gewinnt Michael Schumacher zum siebten und letzten Mal die Weltmeisterschaft, seine fünfte mit Ferrari. Rechts neben ihm jubelt sein neuer Hauptkontrahent Fernando Alonso. © picture-alliance/ dpa/dpaweb
2005 holt der Spanier im Renault etwas überraschend den Titel und lässt den Rekord-Champion hinter sich. © picture-alliance/ dpa/dpaweb
Auch 2006 liefern sich die beiden ein packendes Duell, doch am Ende gewinnt wieder Alonso das Rennen um die Weltmeisterschaft. Schumacher kündigt seinen Rücktritt an. © picture-alliance/ dpa
Nach dem letzten Rennen des Jahres verabschiedet sich Schumacher als Legende aus der Motorsport-Königsklasse. © picture-alliance/ dpa
Schumacher widmete sich dem Motorradsport. Am 11. Februar 2009 war stürzte er im spanischen Cartagena, brach sich  7. Halswirbel und die erste Rippe links. © picture alliance / dpa
Nach dem Crash von Felippe Massa in Budapest am 26.07. 2009 sollte Schumacher ihn im Ferrari-Cockpit ersetzen. Doch seine Verletzungen verhindern das Comeback des Rekord-Champions - noch... © picture alliance / dpa
Denn 2010 kehrt er zurück. Mercedes übernimmt das Weltmeister-Team von Ex-Ferrari-Chef Ross Brawn und verpflichtet Michael Schumacher. Doch Teamkollege Nico Rosberg (l.) erweist sich als starker Partner, fährt Schumi regelmäßig davon. © picture alliance / dpa
Am Ende holt nicht Schumacher, sondern Youngster Sebastian Vettel die Weltmeisterschaft. Am Ende wird Schumacher nur WM-Neunter. Drei vierte Plätze sind seine beste Ausbeute. © picture alliance / dpa
Auch 2011 (8. der WM) und 2012 (13. der WM) bleibt Schumi hinter seinen Ansprüchen. Am Ende der Saison 2012, in der er zumindest noch einmal auf dem Siegerpodest stehen durfte (GP von Europ am 24.06.), erklärt Schumacher seinen zweiten Rücktritt aus der Formel 1. © pic ture alliance / dpa
Am 29.12.2013 verunglückt Schumacher bei einem Ski-Ausflug im französischen Meribel. Mit schweren Kopfverletzungen kämpft er um sein Leben. © picture alliance / dpa
Am 16. 06.2014 gab das Management von Michael Schumacher bekannt, dass er aus dem fünfeinhalb Monate andauernden Koma erwacht sei. Seitdem befindet er sich in einer Reha-Klinik. © dpa

Der Hang zum Risiko, das Rasante aber blieb ihm – selbst im Urlaub, beim Skifahren. Ein Schumacher steht für Geschwindigkeit. Nun hat ein Unfall sein Leben ausgebremst. Die Hoffnung bleibt, dass er den Weg zurückfindet.

Andreas Thieme

Lesen Sie auch:

Die Frau, die Schumi den Rücken freihält

So tückisch ist ein Schädel-Hirn-Trauma

Ticker: Schumi in einer der besten Kliniken

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

F1-Champion Hamilton: Wandel "manchmal eine gute Sache"
F1-Champion Hamilton: Wandel "manchmal eine gute Sache"
Lauda von FIA zur Persönlichkeit des Jahres ernannt
Lauda von FIA zur Persönlichkeit des Jahres ernannt

Kommentare