Seb und die Mercedes-Esel

Niki Lauda schlägt nach Vettel-Vorstellung Alarm

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Vettel im (noch) ungewohntem Ferrari-Outfit.

Jerez - Nach zwei Tagesbestzeiten bei den ersten Tests in Jerez hat Ferrari-Neuling Sebastian Vettel es zumindest schon geschafft, dass bei Mercedes alle Alarmglocken angehen.

Mercedes-F1-Boss Niki Lauda trug als Mahnmal für seine Techniker am dritten Testtag extra einen Pullover in ferrarirot, um sie zu motivieren. Lauda: „Ohne Karotte läuft der Esel nicht. Deshalb habe ich auf meinen roten Pullover gezeigt und gesagt: Ferrari ist im Moment vor uns, ihr müsst Gas geben.“ Acht Zehntel, so hört man aus dem Ferrari-Umfeld wäre der Ferrari von 2015 schneller als sein Vorgänger – acht Zehntel kämen zudem vom im Winter überarbeiteten Motor.

Vettel hält den Ball lieber flach. Grundsätzlich wirkte der Heppenheimer aber zufrieden mit seinen ersten Tagen in Rot. „Es könnte schlechter laufen. Wir haben viele Runden abgespult. Mit dem Gefühl, das das Auto vermittelt, bin ich zufrieden. Darauf können wir aufbauen.“ Richtigen Aufschluss über den Speed geben die Tests noch nicht. Experten vermuten, dass Mercedes mit wesentlich mehr Sprit an Bord als Ferrari unterwegs war. Eine Faustregel besagt: Zehn Kilo mehr Benzin bedeuten vier Zehntel langsamere Rundenzeiten.

Immerhin: Das Zwischenmenschliche stimmt bei Ferrari. Vettel: „Man hat es mir leicht gemacht. Dass die Italiener sehr herzlich sind, kennen wir vom Italiener um die Ecke. So ist es auch beim Team. Es wird aber nicht nur gelacht und gegessen, sondern auch sehr hart gearbeitet. Das Potenzial ist riesig.“ Besonders sein erster Besuch in Maranello hat Vettel geprägt. „Der Ort hat was Magisches“, beschreibt der Hesse. „Ich war früher schon mal da, aber jetzt werden mir alle Schranken geöffnet. Das ist ein besonderes Gefühl. Aber man darf nicht vergessen, dass es um die Wurst geht. Und auch wenn alles schön ist, muss man klotzen.“ Selbstkritisch räumt er dann ein: „Auch ich kann noch einige Dinge besser machen als letztes Jahr.“

Deshalb bittet Vettel um Geduld. „Jetzt schaue ich erst mal auf das aktuelle Auto und versuche, das so gut wie möglich zu machen. Der Einfluss kommt aber erst mit der Zeit.“ Michael Schumacher hat fünf Jahre gebraucht, um Ferrari zum Weltmeister zu machen – dann holte er fünfmal den Titel. Vettel mag diese Vergleiche nicht. „Wenn man annähernd so erfolgreich wird wie Michael, wäre das schon ein Riesending.“ Auch Ferrari muss noch etwas lernen. Besonders den speziellen Humor von Vettel. Der nämlich hatte über den Applaus, den die Ferrari-Mechaniker ihm nach der letzten Testrunde in der Box gaben, gesagt: „Das war dafür, dass ich das Auto im Regen ganzgelassen habe.“ Das hat Ferrari für bare Münze genommen und sogar in der Pressemitteilung versendet. Doch der tz verriet Vettel, warum wirklich geklatscht wurde. „Das war der Test, wie schnell ich im Fall eines Unfalls aus dem Cockpit komme. Ich habe es in fünf Sekunden geschafft. Deshalb der Applaus.“ Offenbar war man diese Zeit von den bisherigen Ferrari-Piloten nicht gewohnt…

Ralf Bach

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