Vettel & Renault testen schon für 2015

Red Bull: Wir-Gefühl mit Perspektive

+
Sebastian Vettel (l.) mit seinem französischen Renningenieur Guillaume "Rocky" Rocquelin.

Budapest - Von Mercedes lernen, heißt siegen lernen – anders können das auch die Macher bei Red Bull in diesem Jahr nicht sagen.

Die Silberpfeile sind allen anderen davongeflogen, und das hat für Sebastian Vettels Team vor allem zwei Konsequenzen: Zum einen ist die aktuelle WM abgehakt und wird nur noch zu Testzwecken genutzt, zum anderen wird die Entwicklungsarbeit mit Motorenpartner Renault umstrukturiert.

Noch-Renault-Kunde Lotus wird 2015 Mercedes-Motoren bekommen, Red Bull steigt durch die Hintertür bei Renault ein, gibt den Franzosen finanzielle Hilfe und stellt Software-Spezialisten ab, um wieder in die Erfolgsspur zu kommen. Renault darf 32 Komponenten am Motor ändern, die Konzentration liegt aber auf dem komplizierten Hybrid-System mit zwei Elektromotoren und dem Turbolader. Red-Bull-Designer Adrian Newey wird mit den Franzosen jeden einzelnen Schritt besprechen. Der neue Red-Bull-Bolide und der neue Motor werden im Einklang gebaut. So machte das Mercedes für dieses Jahr – und das brachte den großen Vorteil. Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko dazu: „Hinter den Kulissen arbeitet Renault gerade daran, wie sie den Motor fürs nächste Jahr umbauen können. Das muss genau mit der FIA abgestimmt werden, da gewisse Bereiche des Antriebs homologiert sind.“ Aber: Immerhin 48 Prozent des Antriebsstrangs dürfen ohne Zustimmung der FIA verändert werden.

Die nächsten zehn Rennen werden also Testfahrten für 2015. Marko: „Die Regeln werden sich nicht grundsätzlich ändern. Deshalb kommt alles, was wir jetzt herausfinden, auch der kommenden Saison zugute. Dabei können wir uns mehr aufs große Ganze konzentrieren als Mercedes, deren Fahrer mittendrin sind im WM-Duell.“

Mit dem „großen Ganzen“ meint Marko vor allem die Verbesserung des PS-schwachen Renault-Antriebs, über den Vettel ganz offen sagt: „Jeder weiß, dass wir im Moment – zumindest auf der Geraden – mit einer Gurke kämpfen müssen. Aber Renault tut alles, um uns jetzt schon und fürs nächste Jahr weiterzubringen.“

„Es herrscht eine Art Aufbruchstimmung“, beschreibt Marko das neue Wir-Gefühl. „Renault kann sich jetzt ganz auf uns konzentrieren. In diesem Jahr war es noch so, dass sie für Lotus und uns zwei verschiedene Spezifikationen bauen mussten.“

Vettel verlangt zudem Änderungen am Chassis. „Vielleicht müssen wir unser Autokonzept mal überdenken“, so Vettel. „Wir opfern Topspeed für mehr Abtrieb in den Kurven. Mit einem schwächeren Antrieb geht das aber nicht, weil wir strategisch so keinen Spielraum haben.“ Der Weltmeister weiß, wovon er spricht. Zweimal schon beförderte ihn die Taktik in diesem Jahr hinter seinen Teamkollegen Daniel Ricciardo. Das soll 2015 wieder anders werden.

tz

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

So trottelig wollte ein 25-Jähriger die Schumi-Familie erpressen
So trottelig wollte ein 25-Jähriger die Schumi-Familie erpressen
Formel 1: Teams wollen "vor sich selbst geschützt werden"
Formel 1: Teams wollen "vor sich selbst geschützt werden"
Vettel will Hamilton in Monaco auf Distanz halten
Vettel will Hamilton in Monaco auf Distanz halten
Hamilton erwartet "Leitplankenküsse" in Monaco
Hamilton erwartet "Leitplankenküsse" in Monaco

Kommentare