tz-Experten-Kolumne von Gerhard Berger

Vor Abu-Dhabi-Showdown: Rosbergs Sieg kam zu spät

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Gerhard Berger.

München - In seiner tz-Experten-Kolumne schreibt Gerhard Berger, ­ehemaliger Formel-1-Pilot, warum für ihn in Abu Dhabi Lewis Hamilton der Titelfavorit ist.

Es wird in Abu Dhabi ein großes Finale zwischen den Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und Nico Rosberg geben. Ich traue Nico Rosberg den Sieg beim Rennen zu, aber Titelfavorit ist für mich Hamilton. Ich befürchte, Nicos Sieg in Brasilien kam ein Rennen zu spät. Hamilton genügt ein zweiter Platz in Abu Dhabi. Und den wird er unter normalen Umständen immer erreichen, weil der Mercedes zu überlegen ist und in einer eigenen Liga fährt. Nur ein technischer Defekt oder ein Fahrfehler Hamiltons kann Nico noch den Titel bringen. Beides halte ich aber für ­extrem unwahrscheinlich. Mercedes wird dafür sorgen, dass die Autos in Abu Dhabi noch besser gewartet sind als je zuvor. Und warum sollte Hamilton eine Dummheit begehen? So oder so: Beide hätten den Titel verdient. Rosberg war der schnellere im Training, Hamilton holte mehr Siege. Beide sind auf Augenhöhe mit ihren Leistungen und doch kann es im Sport halt am Ende nur einen Sieger geben.

Die Formel 1 kann froh sein, dass es dieses Highlight dank Mercedes und den beiden Piloten noch gibt. Denn sie steckt in einer großen Krise. Zwei Teams sind in dieser Saison mit Caterham und Marussia schon pleite gegangen und das kommt nicht von ungefähr. Der Teufel steckt im System. Die Budgets wurden statt kleiner immer größer, die Sponsoren bei den kleinen Teams immer weniger statt mehr. Jetzt muss man etwas für die übriggebliebenen kleineren Teams wie Sauber, Force India und Lotus tun. Sie machen die Würze aus und sind die DNA des Formel-1-Sports. Bernie Ecclestone als Chefvermarkter ist jetzt gefragt. Er kann die Verantwortung nicht einfach den Herstellerteams wie Mercedes, Red Bull oder Ferrari in die Schuhe schieben. Die FTV-Gelder, die die Formel 1 jedes Jahr fast im Milliardenbereich erhält, müssen einfach besser verteilt werden. Die kleinen Teams müssen so viel bekommen, dass sie weiter am Grand-Prix-Sport teilnehmen können. So schwer ist das nicht.

Gerhard Berger

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