"Schumi wieder ein Großer" - Spott für Silberpfeil

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Bei Michael Schumacher läuft's nun besser

Barcelona - Lob für Michael Schumacher, Spott für seinen Silberpfeil: Rückblick und Presseschau zum Rennwochenende.

“Plötzlich war es so, als wäre der berüchtigte, alte Mann der Formel 1 nie weggewesen“, schrieb die englische Zeitung “The Times“ über den Rekordweltmeister der Formel 1 nach Platz vier beim Großen Preis von Spanien. “Schumacher ist wieder ein Großer. Da ist er wieder!“, jubelte sogar der “Corriere dello Sport“ aus dem Ferrari-Land Italien.

Doch eines wurde vor dem Grand-Prix-Klassiker am kommenden Wochenende in den engen Straßenschluchten von Monte Carlo deutlich - trotz Schumachers bisher bester Platzierung seit dem Comeback: “Wir konnten eigentlich nur darauf hoffen, dass die anderen Teams ein Problem mit der Zuverlässigkeit haben werden, um ein paar Plätze gut zu machen; aber das ist auch nicht gerade das, was man sich wünscht“, sagte Schumacher. Der Abstand zur Spitze sei einfach zu groß. “Wir hoffen, dass die Streckencharakteristik in Monaco unserem Auto dann eher entspricht“, meinte der siebenmalige Champion aus Kerpen.

Über eine Minute nach Sieger Mark Webber im Red Bull überquerte Schumacher die Ziellinie. Und immer noch zehn Sekunden hinter dessen deutschem Teamkollegen und WM-Dritten Sebastian Vettel, der seinen Red Bull die letzten zehn Runden fast ohne Bremsen manövrieren musste. Die schnellste Runde ging an Lewis Hamilton, dessen Defekt am McLaren-Mercedes in der vorletzten Runde Schumacher und Vettel auf die Plätze vier und drei beförderte. Und auch Fernando Alonso im Ferrari war für Schumacher mit dem runderneuerten MGP W01 außer Reichweite. “Wenn ein Auto nicht geht, dann geht es einfach nicht. Das ist bei Mercedes derzeit der Fall“, meinte Ex-Weltmeister Niki Lauda.

Hinzu kommt, dass nun Schumachers Teamkollege Nico Rosberg strauchelt. Platz zwei in der WM-Wertung ist ausgerechnet vor seinem Heimrennen futsch, der Wahl-Monegasse rutschte auf Rang fünf ab. Mit dem umgebauten Mercedes kommt der 24-Jährige einfach nicht zurecht. Weiteres Pech und eine Boxenstopp-Panne brachten ihm nur Platz 13 im Rennen. “Endlich fährt Schumi besser als sein Teamkollege Nico Rosberg“, freute sich aber der “Corriere dello Sport“.

Die Formel-1-Weltmeister seit 1969

Niki Lauda (Foto), Ayrton Senna und Michael Schumacher: Diese Motorsport-Legenden dominierten die Formel 1 über Jahre hinweg. Ein Überblick über die Weltmeister der vergangenen 41 Jahre.  © Getty Images
1969: Jackie Stewart (Schottland), Matra-Ford © mm
1970: Jochen Rindt (Österreich), Lotus-Ford © Getty Images
1971: Jackie Stewart (Schottland), Tyrrell-Ford © Getty Images
1972:  Emerson Fittipaldi (rechts, Brasilien), Lotus-Ford © Getty Images
1973 Jackie Stewart (Schottland), Tyrrell-Ford © Getty Images
1974 Emerson Fittipaldi (Brasilien), McLaren-Ford © Getty Images
1975: Niki Lauda (Österreich), Ferrari © Getty Images
1976: James Hunt (England), McLaren-Ford © Getty Images
1977: Niki Lauda (Österreich), Ferrari © Getty Images
1978: Mario Andretti (USA), Lotus-Ford © Getty Images
1979: Jody Scheckter (Südafrika), Ferrari © Getty Images
1980: Alan Jones (Australien), Williams-Ford © Getty Images
1981: Nelson Piquet (Brasilien), Brabham-Ford © Getty Images
1982: Keke Rosberg (Finnland), Williams-Ford © Getty Images
1983: Nelson Piquet (Brasilien), Brabham-BMW © Getty Images
1984: Niki Lauda (Österreich), McLaren-Porsche Turbo © Getty Images
1985 Alain Prost (Frankreich) McLaren-Porsche Turbo © Getty Images
1986: Alain Prost (Frankreich), McLaren-Porsche © Getty Images
1987: Nelson Piquet (Brasilien), Williams-Honda Turbo © Getty Images
1988: Ayrton Senna (Brasilien), McLaren-Honda Turbo © Getty Images
1989: Alain Prost (Frankreich), McLaren-Honda © Getty Images
1990 Ayrton Senna (Brasilien), McLaren-Honda © Getty Images
1991 Ayrton Senna (Brasilien), McLaren-Honda © Getty Images
1992: Nigel Mansell (England), Williams-Renault © Getty Images
1993: Alain Prost (Frankreich), Williams-Renault © Getty Images
1994: Michael Schumacher (Kerpen), Benetton-Ford © Getty Images
1995: Michael Schumacher (Kerpen, auf dem Foto mit Benetton-Boss Flavio Briatore), Benetton-Renault © Getty Images
1996: Damon Hill (England), Williams-Renault © Getty Images
1997: Jacques Villeneuve (Kanada), Williams-Renault © Getty Images
1998: Mika Häkkinen (Finnland), McLaren-Mercedes © Getty Images
1999: Mika Häkkinen (Finnland), McLaren-Mercedes © Getty Images
2000: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2001: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2002: Michael Schumacher (Kerpen) Ferrari © Getty Images
2003: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2004: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2005: Fernando Alonso (Spanien), Renault © Getty Images
2006 Fernando Alonso (Spanien), Renault © Getty Images
2007: Kimi Räikkönen (Finnland), Ferrari © Getty Images
2008: Lewis Hamilton (Großbritannien), McLaren-Mercedes © Getty Images
2009: Jenson Button (Großbritannien), Brawn GP © Getty Images
2010: Sebastian Vettel (Deutschland), Red Bull © dapd

Rosberg selbst ist indes in Sorge, “dass dieses Wochenende nichts ging. Das müssen wir jetzt genau untersuchen“. Da bis Monte Carlo kaum Zeit bleibt, brach die Mercedes-Mannschaft am Sonntagabend auf dem Circuit de Catalunya umgehend die Zelte ab - zumal der Flugverkehr auch nach Stuttgart durch die Aschewolke beeinträchtigt war. Schumacher kam ohne Probleme nach Hause. Beim traditionellen Benefiz-Fußballspiel an diesem Dienstag in Monaco wird der Hobby- Kicker aber nicht auflaufen.

Mit seinem beherzten Asphalt-Zweikampf im “störrischen Mercedes“ (Times) gegen Spitzenreiter und Weltmeister Jenson Button machte der WM-Neunte Schumacher sein schwaches Shanghai-Wochenende drei Wochen zuvor vergessen. Gegen den britischen McLaren-Mercedes-Piloten zeigte der 41-Jährige, was in ihm steckt. Und Button war “not amused“ über Schumachers Attacke nach dem Boxenstopp. “Wenn ich nicht auf die Bremsen gegangen wäre, hätte es gekracht“, meinte der Engländer. “Man sollte meinen, dass er es mit seiner Erfahrung besser wissen müsste“, kritisierte Button den 255-maligen Grand-Prix-Starter. “Button im Krieg mit Schuey“, formulierte das britische Boulevardblatt “The Sun“ bereits martialisch.

Schumacher kennt auf der Strecke keine Freunde. In Spanien wurde er für Button zum Roten Tuch. “Er hat keinen Fehler gemacht, es war sehr frustrierend“, meinte der lange Zeit verzweifelt und vergeblich attackierende McLaren-Mann. “Es war ein interessanter Kampf mit Jenson. Auch wenn ich nichts anderes machen konnte als ihm keine Möglichkeit auf ein Überholmanöver zu geben“, lautete Schumachers letztlich ernüchterndes Fazit.

dpa

 

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