Viermaliger Weltmeister fährt 2021 für neues Team

Sebastian Vettel: Nächste Formel-1-Katastrophe bei Aston Martin? Schlechte Nachrichten schon vor dem Start

Sebastian Vettel lehnt mit Kopfhörern in den Ohren an der Wand und hat die Arme aufgelehnt.
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In Wartestellung: Sebastian Vettel wird seinen neuen Boliden für Aston Martin erst im März ausfahren dürfen.

Arrivederci Ferrari! Hello Aston Martin! Für Sebastian Vettel steht in der Formel 1 mit der Luftveränderung ein Neuanfang bevor. Allerdings droht ein holpriger Start in die Saison.

  • Sebastian Vettel hat sich nach sechs Jahren unfreiwillig von Ferrari verabschiedet und startet in der Formel-1-Saison 2021 für Aston Martin.
  • Die ersten Testfahrten des viermaligen Weltmeisters stehen erst im März an.
  • Vor dem geplanten Saisonstart bleiben nur wenige Tage zum Kennenlernen des Autos.

München - Sebastian Vettel ist derzeit im Grunde ein perfektes sportliches Spiegelbild der Gesellschaft. Wie Milliarden Menschen rund um den Globus will der viermalige Formel-1-Weltmeister das vergangene Jahr einfach nur hinter sich lassen. Ihn treibt die Hoffnung auf eine viel bessere Zukunft an. Neben den zahllosen Entbehrungen im Zuge der Corona-Pandemie vergellte dem Heppenheimer aber auch die Seuchensaison mit Ferrari Lust und Laune.

Mit der wegen des schwächelnden Motors nur hinterhechelnden Scuderia fuhr er in 17 Rennen nur einmal aufs Podest und landete mit enttäuschenden 33 WM-Zählern auf einem indiskutablen 13. Gesamtrang. Schlechter schnitt der 33-Jährige in keiner kompletten Saison in der Formel 1 ab.

Vettel bei Aston Martin: Neuer Rennstall folgt auf aufstrebendes Team Racing Point

Nun also soll alles besser werden. Bei Aston Martin. Die englische Traditionsmarke wagt ebenfalls einen Neuanfang in der Königsklasse des Motorsports. Als Nachfolger des aufstrebenden Teams Racing Point, das in der abgelaufenen Saison neben dem Sieg von Sergio Perez in Bahrain drei weitere Podiumsplätze einfuhr und als Vierter in der Konstrukteurswertung zwei Plätze vor Ferrari landete.

Doch schon der Start in die erste gemeinsame Saison von Vettel und Aston Martin scheint unter keinem sonderlich guten Stern zu stehen. Da wäre die sich anbahnende Verschiebung des Saisonauftakts wegen der in Australien verhängten Quarantäne-Regeln für Einreisende zur Eindämmung des Coronavirus. So werden die Ampeln wohl erst am 28. März in Bahrain erstmals auf Grün schalten.

Video: Vettel zeigt sich im Interview enttäuscht von der Formel 1

Vettel und Aston Martin: Bittersüßer Abschiedsgruß von Ferrari könnte nachhallen

Was für Vettel und seinen neuen Arbeitgeber aber noch viel schwerer wiegen dürfte: Mann und Maschine werden vorher relativ wenig Zeit zusammen in Höchstgeschwindigkeit auf dem Asphalt verbringen können. Und das hängt mit einem bittersüßen Abschiedsgruß von Ferrari zusammen.

Die Italiener untersagten ihrem noch bis zum Jahreswechsel gebundenen Piloten nämlich, noch im Dezember für sein neues Team Testkilometer abzuspulen zu dürfen. Eigentlich nur zu verständlich, schließlich ist Vettel von nun an Ferrari-Konkurrent.

Vettel und Aston Martin: Bei Young Driver Test nur Zuschauer - im Gegensatz zu Alonso

So nahm beim sogenannten Young Driver Test in Abu Dhabi neben Mick Schumacher, der für Haas ins Lenkrad griff, auch Rückkehrer Fernando Alonso für Renault in einem 2018er Boliden teil. Der zweimalige Weltmeister aus Spanien, immerhin 39 Jahre alt, spielte dieses Privileg bei Motorsporttotal zwar herunter, weil es „keinen Unterschied wie Tag und Nacht für meine Vorbereitung“ bedeute.

Andere Piloten kritisierten die Sonderbehandlung Alonsos, dem eben kein Noch-Rennstall die Fahrerlaubnis verweigern konnte. Vettel nannte die Regelung „unfair“. Er hätte sich „von der Sporthoheit eine faire Entscheidung erwartet, und die kam nicht. Sonst hätte Carlos Sainz auch im Ferrari fahren dürfen und ich für mein kommendes Team. Ich kenne den Hintergrund nicht, wieso man hier von Fall zu Fall entscheidet.“

Vettel und Aston Martin: Erste Ausfahrt wahrscheinlich bei Testtagen in Bahrain

Somit bleiben ihm aller Voraussicht nach einzig die Testtage vom 2. bis 4. März, um sich mit seinem noch namenlosen Boliden in natura vertraut zu machen. Ursprünglich sollten Vettel und Co. die Runden auf dem Circuit de Catalunya nahe Barcelona drehen, doch nun bahnt sich eine Verlegung nach Bahrain auf den Bahrain International Circuit an.

Was dem Neuling bei Aston Martin zumindest für das wenige Wochen später stattfindende Rennwochenende im Wüstenstaat eine Hilfe sein könnte. Allerdings wird sich Vettel bei den Tests ein Auto mit seinem neuen Teamkollegen Lance Stroll teilen müssen. Denn auch dies gibt die Formel 1 für alle Rennställe vor. Hintergrund dürfte die angestrebte Kostenminimierung sein. Weshalb eben auch der Umfang der Tests von früher acht Tagen enorm zusammengestaucht wurde. Zu Leidwesen der Teamwechsler.

Vettel und Aston Martin: Saisonstart wegen geringer Testmöglichkeiten erschwert

Vettels Startschuss in seinen neuen Karriereabschnitt bei einem sicher spannenden Projekt fällt also unter erschwerten Bedingungen. Denn natürlich muss sich jeder Fahrer - mag er auch noch so lange in der Formel 1 aktiv sein - erst an sein neues Arbeitsgerät gewöhnen und mit diesem vertraut werden. Und dabei geht nichts über gemeinsame Ausfahrten.

Anlaufschwierigkeiten sollten also zumindest einkalkuliert werden. Für Vettel führt der Weg also in eine vor allem ungewisse Zukunft. Auch das hat derzeit mit der gesamten Gesellschaft gemein. (mg)

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