1. tz
  2. Sport
  3. Formel 1

Abschied vom Formel-1-König: Servus, Sebastian Vettel

Erstellt:

Kommentare

Formel-1-Experte Ralf Bach verabschiedet sich von Sebastian Vettel, nachdem dieser seinen Rücktritt zum Saisonende bekannt gegeben hatte.

München - Nur wer Sebastian Vettel nicht wirklich kennt, war von seinem Rücktritt überrascht. Nur wer ihn nicht kennt, war von der Art und Weise überrascht, wie er seinen Rücktritt aus der Formel 1 bekannt gab. Ich war es von beidem nicht. Er wählte seinen neuen Instagram-Kanal, obwohl er die sozialen Medien für genauso nichtsnutzig hält wie ich. Den Kanal hat er erst gestern – wie sagt man eigentlich? – gegründet. Er lief ins Bild, ganz in schwarz gekleidet, mit langer Lockenmähne, grinste kurz und legte los. Über die Formel 1, die er so sehr liebt (damit meint er aber nur das noch das Fahren an sich), verlor er nicht viele Worte.

Ganz typisch für ihn: Er ließ sich schwarzweiß filmen. Das erinnerte an Paul McCartney, als der 1970 erklärte, warum er die Beatles verlässt. Bloß kein Farbtupfer zu viel. Worum es ihm wirklich ging: sich selbst erklären. „Ich bin Sebastian, Vater von drei Kindern und Ehemann einer wunderbaren Frau.“ Mit denen wolle er in Zukunft mehr Zeit verbringen. Er habe für die F1 auf ein normales Familienleben verzichtet und das habe ihn „viel Energie“ gekostet. „Mich weiterhin in gleicher Weise für meine Leidenschaft zu engagieren, so, wie ich das für richtig halte, passt nicht mehr zu meinem Wunsch, ein guter Vater und Ehemann zu sein. Ich bin neugierig und leicht fasziniert von begabten Menschen. Ich bin besessen von Perfektion. Ich liebe es, draußen zu sein, ich liebe die Natur und ihre Wunder. Ich bin stur und ungeduldig. Ich kann einem manchmal wirklich auf die Nerven gehen. Ich mag es, Menschen zum Lachen zu bringen. Ich mag Schokolade und den Geruch von frischem Brot.“

Formel 1: Emotionaler und doch rationaler Abschied Vettels

Er wollte aber auch mitteilen, worum es ihm geht in dieser Welt, die klimatechnisch gesehen kurz vor dem Abgrund stehe. „Wir leben in entscheidenden Zeiten. Wie wir die nächsten Jahre gestalten, ist entscheidend. Reden ist nicht genug. Es gibt keine Alternative mehr. Das Rennen ist im Gang.“

Dann blickte er nochmal kurz und intensiv in die Kamera, ein Hauch Traurigkeit lag in der Luft. Er stand auf und verschwand. Es war seine ehrliche Art den Fans Goodbye zu sagen. Kurz. Emotional und doch rational, kein Schlenker zu viel. Es war sein Kompromiss, die von ihm gehassten sozialen Medien einmal zu nutzen, ohne sich ihre Regeln aufdrücken zu lassen.

Die Wochen zuvor, besonders jetzt in Le Castellet war mir klar, dass es für ihn keine Alternative geben konnte. Im Fahrerlager fragte er mich, was ich tun würde – und er hörte einfach nur zu. Er hätte nichts zu beweisen mehr als vierfacher Weltmeister, außer dem Fahren am Limit gäbe es aber nichts mehr, was ihn in der Formel 1 halten könnte. Denn anders als Vettel geht es den Machern dort nur ums Geldverdienen, nicht um Werte. Er widersprach nicht…

Formel 1 verliert mit Sebastian Vettel ein Urgestein

Die Formel 1 verliert nicht nur einen der größten Champions, sondern vielmehr den authentischsten und ehrlichsten Fahrer, den sie je hatte. Der Vollgaszirkus wird sich schnell wieder in seinem goldenen Hamsterrad weiterdrehen. Aston Martin wird Ersatz suchen. Die beiden deutschen Mick Schumacher und Nico Hülkenberg sind dabei zwei Kandidaten.

Allein: Bei den meisten im Führungszirkel der Königsklasse wird sein Rücktritt Erleichterung hervorrufen. Denn sie sind 2023 den los, der ihnen immer wieder den Spiegel vorgehalten hat und sie als moralische Mogelpackung entlarvte. Die, die es gut mit ihm meinen, aber ziehen ehrlich seinen Hut vor ihm. Einer davon ist sein ehemaliger Mentor bei Red Bull, Helmut Marko. Der studierte Jurist spricht mir aus der Seele, wenn er sagt: „Ich freue mich für Sebastian. Es war richtig und konsequent zurückzutreten.“

Auch interessant

Kommentare