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Sebastian Vettel für mehr Offenheit: „Schwuler Formel-1-Fahrer wäre willkommen – und das zu Recht“

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Von: Antonio José Riether

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Sebastian Vettel ist für sein soziales Engagement bekannt. Vor dem Rennen in Aserbaidschan sprach er sich für einen offenen Umgang mit dem Thema Homosexualität aus.

London - In diesem Jahr macht die Formel 1 wieder in umstrittenen Ländern Halt. So stehen mit Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder auch Singapur Staaten auf dem Rennplan, die einige elementar erscheinende westliche Werte nicht teilen – etwa im Hinblick auf LGBTQ+-Rechte. Der deutsche Fahrer Sebastian Vettel nutzt seine Popularität und setzt regelmäßig Zeichen gegen Ausgrenzung, auch in den betroffenen Ländern. Nun sprach er offen über den Umgang der Rennserie mit Homosexualität.

Sebastian Vettel
Geboren: 3. Juli 1987 in Heppenheim
Rennstall: Aston Martin
Vertrag bis: Ende 2022
Größte Erfolge: 4 x Formel-1-Weltmeister (2010, 2011, 2012, 2013)

Sebastian Vettel zu Homosexualität in der Formel 1: Schwuler Fahrer könnte „Vorurteile beseitigen“

Der Heppenheimer, der für den britischen Rennstall Aston Martin an den Start geht, gab dem bekanntesten britischen Gay-Magazin Attitude ein Interview, in dem er seinen Standpunkt klar erläuterte. „Früher wäre das vielleicht nicht so gewesen, aber jetzt denke ich, dass ein schwuler Formel-1-Fahrer willkommen wäre – und das zu Recht“, meinte der 34-Jährige. Ein schwuler Pilot könne dazu beitragen, „Vorurteile zu beseitigen und unseren Sport in eine bessere Richtung zu lenken. Ich denke und hoffe also, dass unser Sport für einen solchen Fahrer bereit wäre.“

Vettel selbst kenne zwar keinen aktiven oder ehemaligen Fahrer, der homosexuell ist. „Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es welche gegeben haben muss. Ich schätze, ich würde nichts über sie wissen, weil sie nie damit herausgekommen sind, was eine Schande ist“, so der Deutsche.

Vettel erzählt von homosexuellen „Ingenieuren und Mechanikern, die sich in der Lage fühlen, offener zu sein“

Dennoch bessere sich die Situation, wie Vettel aus seinem Arbeitsalltag erzählt. Man sehe nun „einige Ingenieure und Mechaniker, die sich in der Lage fühlen, offener zu sein. Aber wir können immer noch mehr tun, um die Vielfalt und Integration im Motorsport zu verbessern, nicht nur in Bezug auf die Sexualität, sondern auch durch die Unterstützung und Förderung von Frauen, Farbigen, Menschen mit Behinderungen und so weiter“, sagte der sozial engagierte Sportler, der jüngst für seinen Einsatz für das Klima kritisiert wurde.

Dass sich bislang noch kein Fahrer in der Formel 1 geoutet habe, liegt Vettel zufolge an dem Bild des Piloten. „Rennfahrer müssen dem alten Bild eines Spielers oder Fahrers als ‚Held‘ mit bestimmten Kriterien entsprechen. Aber die Beurteilungskriterien sind einfach falsch. Es erfordert enormen Mut, sein wahres Ich zu zeigen, anstatt sich hinter einer Fassade zu verstecken, die darauf beruht, was die Leute erwarten“, stellt er fest.

Sebastian Vettel setzt regelmäßig Zeichen - dennoch ist er gegen Boykott von LGBTQ-feindlichen Ländern

In LGBTQ+-feindlichen Ländern nicht mehr anzutreten, ist für den vierfachen Weltmeister allerdings keine Lösung. „Wenn wir keine Rennen veranstalten, können wir überhaupt nichts bewirken. Aber wenn wir in diesen Ländern Rennen fahren und höflich, aber bestimmt für das eintreten, was wichtig ist, können wir eine positive Wirkung erzielen“, meinte Vettel.

„Same Love“ - so lautete 2021 die Botschaft von Sebastian Vettel in Ungarn.
„Same Love“ - so lautete 2021 die Botschaft von Sebastian Vettel in Ungarn. © Andre Jerry/imago-images

Der Hesse selbst übte oft genug stillen Protest an Rennwochenenden in den betroffenen Ländern. So zeigte er sich im vergangenen Jahr in Ungarn im Regebogen-Shirt sowie mit einem passenden Helm, in Saudi-Arabien trug er das Zeichen für Diversität auffällig auf seinen Schuhen. „Werte und Prinzipien können nicht an Grenzen Halt machen“, resümierte Vettel vor dem Rennen in Aserbaidschan, wo das Thema Homosexualität noch immer als Tabuthema gilt. (ajr)

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