Sepang-Sieger hat noch mehr vor

Vettel warnt die Ferraristi

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Sebastian Vettel beim Sieg-Jubel.

Sepang - Bereits im zweiten Rennen für Ferrari hat Sebastian Vettel den ersten Sieg geholt. Das soll's aber noch nicht gewesen sein: Er hat noch viel vor-

"Ich hab mich wie im Schleudergang einer Waschmaschine mit 1600 Umdrehungen gefühlt“, sagte Sebastian Vettel über die Momente bei der Zieldurchfahrt. Schon im zweiten Rennen für Ferrari holte er den ersten Sieg. So überraschend das war, Zufall war es nicht – sondern eine Mischung aus Kalkül, Disziplin und Fahrkunst. „Wir wussten“, sagte Vettel, „dass wir nur eine Chance haben, wenn Mercedes schwächelt und wir gleichzeitig dann das Maximum aus uns herausholen.“

Genau so kam es: Die Italiener hielten als Einzige in der Gluthitze von Sepang Kopf und Reifen kühl – das war das Erfolgsgeheimnis. Unter normalen Bedingungen ist der Mercedes immer noch eine Sekunde pro Runde schneller als der Ferrari. Doch die Umstände waren diesmal nicht normal. Bis zu 60 Grad Temperatur auf dem Straßenbelag waren zu viel für Mercedes. Durch den starken Abtrieb, den der Silberpfeil produziert, wurden die Reifen zu stark beansprucht, Rosberg und Hamilton waren gezwungen, dreimal die Reifen zu wechseln. Vettel schaffte es, mit den Gummis so zu haushalten, dass er sich einen Stopp ersparte, und so gut 24 Sekunden rausholte.

Der erste Ferrari-Sieg seit 35 sieglosen Rennen (Alonso gewann im Mai 2013) zeichnete sich im verregneten Qualifying ab. Vettel sprengte das Mercedes-Duo, sagte aber: „Da habe ich mich noch ein wenig geärgert“, verriet Vettel. „Denn in der letzten Kurve hatte ich einen kleinen Schlenker, der mich die Pole Position gekostet hat.“ Diese Selbstkritik auch im Erfolgsfall ist eine Stärke Vettels, die er jetzt schon auf Ferrari übertragen hat. Nach der Euphorie auf dem Siegerpodest und einem verschobenen Heimflug, um mit dem Team zu feiern, gibt er die Devise aus: „Lebbe geht weiter.“ Soll heißen: Lasst euch bloß nicht blenden. Vettel will lieber „den Ball flach halten. In China wird Mercedes wieder vor uns sein, weil es dort kühler sein wird.“

Einen Bruder im Geiste hat Vettel in Teamchef Maurizio Arrivabene gefunden. „Wichtig ist, dass wir jetzt unabhängig vom Sieg unser Programm konzentriert beibehalten.“ Der Ex-Phillip-Morris-Manager kennt seine Ferrari-Pappenheimer, die sich gerne mal auf ihren Lorbeeren ausruhen. Er selbst erzählte eine andere Geschichte über seine Stimmungslage: „Geweint habe ich erst, als ich eine Glückwunsch-SMS von Corinna Schumacher erhalten habe. Sie hat das Rennen zusammen mit Sabine Kehm gesehen. Aber meine 83 Jahre alte Mutter hat mich dann wieder auf den Boden der Tatsachen gebracht.“ Grund: Als er der Mutter am Telefon vom Triumph ihres Sohnes berichten wollte, sagte sie nur: „Ich komme gerade aus der Kirche und habe jetzt keine Zeit. Ruf mich später an, ich muss jetzt erst die Küche putzen.“ Eine Arbeitseinstellung, die auch Sebastian Vettel gefallen dürfte.

Ralf Bach

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